Raus aus der Sackgasse

Nicht nur wegen der 100 000 Unterschriften, die das gleichnamige Komitee gekauft hat: Das Motto dieser Woche heisst «Raus aus der Sackgasse». Alexis Tsipras will dank Neuwahlen ein paar lästige Parteikollegen abservieren.

David Angst
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Nicht nur wegen der 100 000 Unterschriften, die das gleichnamige Komitee gekauft hat: Das Motto dieser Woche heisst «Raus aus der Sackgasse». Alexis Tsipras will dank Neuwahlen ein paar lästige Parteikollegen abservieren. Die Elektra Hub-Busswil versucht mit einem Buebetrickli ihr illegales Trafohäuschen zu retten. Und bei der Arbon Energie AG sitzt plötzlich Jolanda Eichenberger vom EKT im Verwaltungsrat. Ob Erziehungsdirektorin Monika Knill mit dem Lehrplan 21 aus einer Sackgasse herauskommt oder gerade in eine einbiegt, ist noch nicht abzusehen.

Noch nicht aus der Sackgasse ist das Oben-Toben-Festival. Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten, es zu retten: Entweder man verteilt jedem Besucher einen Funkkopfhörer – oder jedem Einwohner Tägerwilens einen Pamir. Diesbezüglich haben die Veranstalter des General-Weber-Gedenkschiessens in Frauenfeld keine Sorgen. Die 500 Teilnehmer schiessen mit der Armbrust; sie machen keinen Lärm.

Ganz im Gegensatz zu General Weber selbst und seinen Kumpanen im Jahr 1799. 22 000 Österreicher auf der einen Seite, 14 000 Schweizer und Franzosen auf der anderen beschossen einander mit Musketen und Kanonen. Das muss ein solcher Heidenlärm gewesen sein, dass das Oben Toben dagegen ein laues Fürzchen gewesen wäre. Heute bekäme man bestimmt keine Bewilligung mehr für eine solche Veranstaltung. Und dies nicht nur wegen des Lärms, sondern auch wegen der Luftverschmutzung.

Ja, so ändern sich eben die Zeiten. Noch im Jahr 1840, bei der Einweihungsfeier des Weinfelder Pestalozzi-Schulhauses, erhielt jeder Schüler einen Schoppen (0.375 l) Wein. Womöglich durfte man damals auch noch ungestraft in der Landwirtschaftszone ein Hochbeet anlegen.

Da loben wir uns doch das Jubiläum, das wir diesen Monat feiern dürfen: Fünf Jahre alkoholfreier Marktplatz Weinfelden. Man sollte das gebührend feiern. Die Frage ist nur, wie. Ein Zusammenlegen mit dem Jubiläum des Pestalozzi-Schulhauses kommt aus oben geschildertem Grund nicht in Frage. Auch die Idee, ein Oktoberfest mit Clausthaler zu organisieren, ist wieder fallengelassen worden. Es hätte im Dorfzentrum einfach zu viel Lärm gegeben.

david.angst@thurgauerzeitung.ch

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