Raumplanerische Akzente setzen

Der Ingenieur- und Architektenverein SIA will sich bei der Umsetzung der Raumplanung Thurgau vermehrt einbringen. Und zwar auf allen Ebenen. Dies erklärten Verbandsvertreter in Frauenfeld.

Christof Lampart
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Andrea Näf-Clasen, Leiterin des kantonalen Amts für Raumplanung. (Bild: Christof Lampart)

Andrea Näf-Clasen, Leiterin des kantonalen Amts für Raumplanung. (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. «Wie weiter?» Reto Mästinger, Präsident des Ingenieur- und Architektenvereins SIA, liess am Dienstagabend in der Kantonsbibliothek Frauenfeld keinen Zweifel daran, dass es ein strategisches Ziel des Vorstands sei, dass die SIA Thurgau in Zukunft «auch in Fragen der Raumplanung als fachmännische Anlaufstelle im Kanton wahrgenommen werden sollte». Wie im Verlaufe des Abends wurde vor 50 Verbandsmitgliedern mehrmals betont, laufen gegenwärtig interne Abklärungen über die Bildung einer Fachgruppe Raumplanung Thurgau beziehungsweise Ostschweiz. Eine grosse Chance der Raumplanung liege vor allem in einer verdichteten Bauweise, so dass «wir unsere Städte erneuern können», betonte Raumplaner Hanspeter Woodtli.

Faktenblätter für Gemeinden

Andrea Näf-Clasen, Amtsleiterin beim Amt für Raumplanung des Kantons Thurgau, erklärte, dass für den Kanton die 80 Gemeinden bezüglich Raumplanung die «ersten Ansprechpartner» seien. Man werde mit jeder einzelnen Gemeinde intensive Gespräche zur Festlegung des Siedlungsgebietes führen. In den nächsten Tagen werde der Kanton an jede der 80 Gemeinden individuelle Faktenblätter verschicken, deren Inhalte die Basis für Gespräche bilden sollten. Auf die konkreten Inhalte jener Blätter wollte Näf nicht eingehen. Zuerst müssten die Gemeinden, dann erst die Öffentlichkeit informiert werden, machte die Amtsleiterin die Prioritäten deutlich.

Einfach sei die Aufgabe jedoch garantiert für keine der beiden Seiten. «Wir sind nicht vor, sondern mitten in grossen Herausforderungen», bekannte Näf. Zwar liege man mit den für die nächsten 15 Jahre im Thurgau ausgewiesenen Flächen «tendenziell gerade richtig», doch hafte diesen zugleich das nicht wirklich überraschende Manko an, dass «nicht alle am passenden Ort liegen», so Näf. Komme hinzu, dass viele tolle Lagen zwar baureif eingezont seien, die Besitzer jedoch gegenwärtig nicht verkaufen wollten, womit vielen Dörfern und Städten in Sachen Gemeindeentwicklung die Hände weitestgehend gebunden seien.

Dorfränder sind Visitenkarten

Im Gespräch mit den Gemeinden wolle man aktiv nach Lösungen wie zum Beispiel Ausgleichsmöglichkeiten suchen, betonte Näf. Solle der schöne Thurgau erhalten bleiben, so könne man auch in Zukunft nicht jede Gemeinde einfach auf der grünen Wiese bauen lassen, sagte Näf.

Auch dem Erhalt der schönen Dorfränder wolle der Kanton vermehrt Beachtung schenken, denn «diese sind die Visitenkarte unserer Ortschaften», erklärte Amtsleiterin Näf. Zugleich sei jedoch der Thurgau – als Kanton ohne echte Grossstadt – jener Kanton mit der fünfttiefsten Siedlungsdichte. Und das mache ihn aus raumplanerischer Sicht zu einer echten Knacknuss. «Wir sind angehalten, Mindestdichten zu entwickeln und Parameter für die Innenentwicklung zu definieren. Das ist dann sehr anspruchs-, aber auch reizvoll», so Näf.