Rassismus gibt es im normalen Alltag

FRAUENFELD. 65 Personen haben am fünften Netzwerktreffen «Migration, Schule und Elternbildung» des Kantons Thurgau teilgenommen. Thema waren Rassismus und Diskriminierung.

Michèle Vaterlaus
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Referent Tarek Naguib führte die Diskussion mit den Teilnehmern des Netzwerktreffens. (Bild: Donato Caspari)

Referent Tarek Naguib führte die Diskussion mit den Teilnehmern des Netzwerktreffens. (Bild: Donato Caspari)

Buben spielen in der Pause Fussball. Ausländer sind weniger gebildet. Lehrer sind unbelehrbar. Stereotype sind alltäglich. «Auch wenn sie helfen können, uns zu orientieren, sind diese genannten Stereotypen pauschalisierend», sagte Tarek Naguib, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Sozialrecht an der ZHAW. Er referierte gestern am Netzwerktreffen «Migration, Schule und Elternbildung». Die kantonale Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen, das Amt für Volksschule, die Fachstelle für Integration sowie die Thurgauische Arbeitsgemeinschaft für Elternorganisationen hatten Fachpersonen aus Bildungs- und Migrationsorganisationen, aber auch Behördenmitglieder zum Workshop eingeladen.

Eine Regel für alle

Das Netzwerktreffen fand zum fünftenmal statt. Ziel der Treffen ist es, Eltern mit Migrationshintergrund und sozioökonomisch benachteiligte Familien besser zu erreichen. Im Fokus standen gestern der Rassismus und die Diskriminierung. Naguib zeigte auf, wie rassistische Vorurteile und Strukturen erkannt und angegangen werden können, um Diskriminierung zu verhindern. Naguib betonte, dass auch institutionelle Verstrickungen zu Diskriminierung führen. «So können Regeln, die für alle gelten, diskriminierende Ungleichheiten schaffen», sagte er. «Beispielsweise, wenn Lehrerinnen und Lehrern verboten wird, religiöse Kleider an Schulen offen zu tragen.» Das benachteilige jene Lehrkräfte, deren religiösen Bekenntnisse sichtbar sind, wie zum Beispiel bei Juden die Kippa oder Muslimas das Kopftuch.

Sensibilisierung erwünscht

Die 65 Teilnehmer setzten sich in Gruppen mit Fallbeispielen auseinander: Werden Schüler aufgrund ihrer Herkunft beim Übertritt in die Sek diskriminiert? Oder was soll eine Schulleitung tun, wenn ein Schüler auf dem Pausenplatz als Moslem-Terrorist beschimpft wird? «Die Teilnehmer haben engagiert diskutiert und eigene Beispiele eingebracht», sagte Naguib. Sie zeigten sich zufrieden über den fachlichen Austausch am Workshop, sagte Pascal Mächler von der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen. Klar, das Netzwerktreffen sei eine übergeordnete Ebene und, Direktbetroffene seien nicht dabei. «Aber wir wollen, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Eindrücke mit in ihre Organisationen nehmen und sie weitergeben.» Genau das – also das Gelernte in der Praxis zu adaptieren – fordere spezifische Sensibilisierungsmassnahmen, sagte Naguib.