Rätseln um Zellwegers Festnahme

Seit sieben Tagen sitzt der Gemeindepräsident von Berneck, Andreas Zellweger, in Untersuchungshaft. Was ihm vorgeworfen wird, weiss nicht einmal der Gemeinderat. Die Staatsanwaltschaft hüllt sich in Schweigen.

A. Rostetter/J. Rutarux/R. Weik
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In Untersuchungshaft: Andreas Zellweger, Gemeindepräsident von Berneck. (Bild: Samuel Tanner)

In Untersuchungshaft: Andreas Zellweger, Gemeindepräsident von Berneck. (Bild: Samuel Tanner)

BERNECK. Gestern Morgen kurz vor acht Uhr verschickte der Gemeinderat von Berneck eine Medienmitteilung. Darin hiess es: «Seit Freitagmorgen, 1. Mai 2015, befindet sich der Gemeindepräsident von Berneck, Andreas Zellweger, in Untersuchungshaft. Dem Gemeinderat Berneck ist nicht bekannt, was ihm vorgeworfen wird und wie sich das weitere Verfahren gestaltet. Zum jetzigen Zeitpunkt können deshalb keine Angaben zu den weiteren Schritten gemacht werden.» Dabei blieb es gestern auch. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen bestätigte einzig die Festnahme von Zellweger. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könnten keine weiteren Auskünfte geben werden, sagte Mediensprecher Andreas Baumann.

«Null Ahnung»

Was Zellweger vorgeworfen wird, ist völlig unklar. Gemeinderatsschreiber Philipp Hartmann sagte auf Anfrage: «Wir wissen tatsächlich nicht mehr, als wir mitgeteilt haben.» Die Gemeindeführung werde durch die Vizepräsidenten Margrit Wellinger und Reto Zellweger sichergestellt. «Wie es weitergeht, wissen wir nicht», sagt Hartmann. «Es ist eine sehr aussergewöhnliche Situation.»

Helga Klee, Präsidentin der FDP-Ortspartei, deren Vorstand Andreas Zellweger angehört, reagierte auf Anfrage überrascht. Sie habe «null Ahnung» und sei «schockiert», sagt sie. «Es zog mir den Boden unter den Füssen weg.» Sie habe Zellweger als «sehr pflichtbewussten Mann kennengelernt». Im Dorf herrscht ebenfalls Ratlosigkeit, Zellwegers Nachbarn zeigten sich fassungslos. «Noch vor ein paar Tagen winkte er auf dem Weg zur Arbeit freundlich aus dem Auto, nun sitzt er in Untersuchungshaft», sagte ein Anwohner. Auch Hans Frei, der seit mehr als 15 Jahren Tür an Tür mit der Familie Zellweger wohnt, kann sich die Festnahme nicht erklären: «Zellweger könnte niemandem ein Haar krümmen.» Nachbarin Christine Waibel hat vergangene Woche zwar ein Polizeiauto die Strasse entlangfahren sehen. Sie habe nie daran gedacht, dass der Gemeindepräsident etwas damit zu tun haben könnte.

Der 53jährige Andreas Zellweger ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern im Teenageralter. 2012 wurde er zum Gemeindepräsidenten von Berneck gewählt. Bei seiner Wahl war er Präsident der FDP-Ortspartei. Vor seiner Amtszeit war er als stellvertretender Schulleiter des kaufmännischen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen tätig und arbeitete als Geschäftsführer von Beschäftigungsprogrammen für stellenlose Jugendliche. Zuvor war der HSG-Absolvent Marktmanager für Leica im Nahen Osten.

Konkreter Verdacht

Für eine Untersuchungshaft muss ein dringender Tatverdacht vorliegen. Zudem muss mindestens einer von vier Haftgründen bestehen: Verdunklungsgefahr, Fluchtgefahr, Wiederholungsgefahr oder eine akute Bedrohung für andere Personen. Fallen der dringende Tatverdacht oder die speziellen Haftgründe weg, wird die Person freigelassen. Liegen aus Sicht der Staatsanwaltschaft Gründe für eine Untersuchungshaft vor, wird ein entsprechender Antrag an den Haftrichter gestellt. Dieser kann eine Haftdauer von bis zu drei Monaten verfügen. Danach können Verlängerungen beantragt werden.

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