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Räbeliechtli, wo gasch hi?

Bevor uns die Spanier die Kartoffel aus Amerika brachten, war die Herbstrübe eines unserer Hauptnahrungsmittel. Heutzutage schnitzen Kinder Muster in ausgehöhlte Räben und ziehen durch die Strassen, nicht nur in Weinfelden zur Bochselnacht. Aber warum?
Dieter Langhart
Kinder ziehen mit Räbeliechtli durch die Weinfelder Bochselnacht. (Archivbild: Reto Martin)

Kinder ziehen mit Räbeliechtli durch die Weinfelder Bochselnacht. (Archivbild: Reto Martin)

In Gossau oder Nottwil, in Richterswil oder Weinfelden: Die Kinder singen «Räbeliechtli, wo gasch/gosch hi?» und ziehen mit ihren zu Laternen geschnitzten Räben durch die Gassen, um Martini im November oder in der Woche vor Weihnachten. Doch müsste die Frage nicht eher lauten: «Räbeliechtli, wo chunsch hèr?» Denn woher stammt dieser Winterbrauch? Und wie alt ist er?

Waren die Kelten die Erfinder?

Die Kelten werden gern bemüht; am Samhain-Fest, ihrem Silvester, wurde der Toten gedacht. Und das Mittelalter; zu Martini, am 11. 11., endete das landwirtschaftliche Jahr, die Bauern entrichteten den Pachtzins, dankten der eingebrachten Ernte mit der Kirchweih, und die Bäuerinnen sollen mit ausgehöhlten Räben zum Gottesdienst erschienen sein.

Albert Bärtschs Verdikt in seinem Buch «Feste und Bräuche im Thurgau» ist klar: «Der Ursprung der Räbeliechtliumzüge lässt sich nicht ermitteln.» Der Brauch sei in vielen Kantonen bekannt «und zur Tradition geworden». Und Bärtsch klingt nostalgisch: «Neu scheint sich der Spuk des Halloween-Festes bemerkbar zu machen. Halloween-Kürbisse mit Fratzen leuchten vereinzelt gespenstisch zwischen den Räbeliechtli.»

Bräuche vermischen sich

Eine typische Vermischung der Bräuche wie bei Santa Claus, der auf Rentieren reitet, von Balkonen baumelt und dem Christkind die Vorweihnachtszeit streitig macht. Oder der Zeitpunkte: Samhain und Halloween (All Hallows' Eve) gehören in die Nacht vor Allerheiligen; Räbeliechtliumzüge liegen zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember; die Bochselnacht hingegen findet am Donnerstag der letzten ganzen Woche vor Weihnachten statt. Elias Haffter schrieb 1848 in sein Tagebuch: «Draussen belustigen sich trotz der Kälte die Knaben mit ihren Bochselthieren, eine Ortssitte, deren Ursprung nicht bekannt geworden ist.» Bärtsch stimmt bei: «Herkunft und Name des alten Brauches der Bochselnacht sind nicht eindeutig geklärt.»

Lärm und Böllewegge

Das Wort bochseln, mit pochen verwandt, bedeutet klopfen, lärmen. Der Donnerstag ist der Tag des germanischen Gottes Donar, und in Teilen Deutschlands heissen die drei Donnerstage vor Weihnachten Klopfnächte, wie Ortshistoriker Hermann Lei sen. 1998 in einem Vortrag erwähnt hat. Lärm, Licht und Lieder, ein Umzug für die Kinder, Most und Böllewegge für die Erwachsenen – so sieht ein Volksbrauch aus. Der Glaube an die Wirkung der Bräuche auf die Natur sei in der ländlichen Bevölkerung lebendig gewesen, sagte Lei. Wir könnten dennoch getrost an diesem Brauch festhalten, da er Denkfiguren und Einstellungen aus einer vergangenen in unsere Zeit bringe.

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