RADSPORT: «Meine Freundin ist stolz»

Wie der Thurgauer Cédric Butti fährt kein anderer in Europa. Der Trick des BMX-Profis: Bevor er an den Start geht, schaut er sich Karteikärtchen an. Jetzt will der Jungspund an der WM abräumen.

Martin Rechsteiner
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Mit dem EM-Titel in der Tasche startet Cédric Butti aus Herdern heute an der BMX-WM der Junioren in den USA. (Bild: Silvia Butti/PD)

Mit dem EM-Titel in der Tasche startet Cédric Butti aus Herdern heute an der BMX-WM der Junioren in den USA. (Bild: Silvia Butti/PD)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@thurgauerzeitung.ch

Cédric Butti aus Herdern ist der Beste in Europa: Gerade hat der bald 18-Jährige die BMX-Europameisterschaft der Junioren gewonnen. Heute startet er an der WM in den USA.

Herr Butti, wie kommen BMX-ler bei den Frauen an?

Ich habe eine Freundin und sie ist schon ein bisschen stolz. Dass ich wegen den Wettkämpfen so oft weg bin wie jetzt gerade, freut sie hingegen weniger.

Durfte sie nicht in die USA mitkommen?

Sie muss leider arbeiten. In einer Woche bin ich allerdings wieder zurück in der Schweiz.

Also wird nichts mit Ferien nach dem Wettkampf?

Nein, leider nicht. Es rufen Training und Arbeit.

Was arbeiten Sie denn?

Ich mache das Sport-KV. Diese Lehre erlaubt es mir, neben dem Arbeiten genügend zu trainieren. Jetzt habe ich zwei Jahre Schule hinter mir. Nun folgt ein 60-Prozent-Praktikum bei der Zürich Versicherung.

Also können BMX-Profis nicht von ihrem Sport leben?

Die Besten der Besten der Elite, also der Erwachsenen, können das vielleicht. Reich werden sie dabei aber nicht. BMX ist zu sehr eine Randsportart, da verdient man nicht das grosse Geld. Und ich persönlich wollte auch gar nicht nur vom Sport leben.

Weshalb?

Ich brauche den Ausgleich. Zu arbeiten, etwas anderes zu machen, ist mir sehr wichtig. Genau deshalb unternehme ich auch viel mit Freunden.

Bleibt denn dafür Zeit?

Ja, wir BMX-Fahrer haben es in dem Punkt vielleicht etwas einfacher als andere Sportler. Natürlich trainieren wir viel. Ich bin oft in Grenchen oder Weinfelden für das Training. Trotzdem bleibt mir Zeit für meine Freundin und Kollegen. Bei dem schönen Wetter grillen wir ab und zu oder fahren an den See. Solche Momente brauche ich.

Nächstes Jahr treten Sie zur Elite über. Da wollen Sie bestimmt auch zu den Besten gehören?

Wir werden sehen. Dort messen sich die besten BMX-Fahrer der ganzen Welt. Das erste Jahr bei der Elite ist ein Lern-Jahr. Wer weiss, wie es danach aussieht. Aber ich würde natürlich gern so weiter machen wie jetzt bei den Junioren.

Nach dem Junioren-Europa-Meistertitel starten Sie am Dienstag an der WM. Stehen Sie unter Druck?

Nein, noch nicht. Ein wenig Druck und Nervosität machen sich vor dem Start aber sicher noch bemerkbar. Aber dafür gehe ich ja regelmässig ins Mental-training.

Und was machen Sie da?

Vom Mentaltraining habe ich verschiedene Übungen. Sie helfen mir vor wichtigen Wettkämpfen, nicht nervös zu werden und mich aufs Fahren zu konzentrieren.

Was für Übungen sind das?

Ich habe zum Beispiel Kärtchen , auf denen Stichworte wie «ruhig», «locker» oder «das Fahren macht dir Spass» stehen. Die sehe ich mir vor dem Rennen an und versuche, fest daran zu denken. Das hilft. Seither bin ich recht entspannt.

Dann steht dem Weltmeistertitel ja nichts mehr im Wege, oder?

Mal sehen, es wird sicher nicht leicht. Aber ich werde mein Bestes geben.

Hinweis

Die BMX-Weltmeisterschaften finden vom 25. bis am 29. Juli in Rock Hill, South Carolina, in den USA statt.