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QUITTE: Das Spiel mit dem Feuer

Einst geliebt, später wegen Feuerbrandgefahr verhasst: Quitten. Nun wagen sich Thurgauer Obstbauern wieder an den Anbau der gelben Frucht. Der Kanton steht dem Vorhaben kritisch gegenüber – und warnt Hobbygärtner vor den Konsequenzen.
Donat Beerli
Obstbauer Thomas Burren zwischen seinen Quittenbäumen in Chressibuech. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Obstbauer Thomas Burren zwischen seinen Quittenbäumen in Chressibuech. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Den Duft der kochenden Quitten in Grossmutters Küche wird Thomas Burren nie mehr vergessen. Auch deswegen hat der Obstbauer aus Chressibuech bei Amriswil vor vier Jahren 400 Quittenbäume gepflanzt. Noch reiche die Ernte lediglich für die technische Verwertung, sagt er. Heisst: für Sirup, Konfi und den selbst gebrannten Quittenschnaps. Doch bereits in diesem Jahr hatte Burren mit fünf bis sechs Tonnen Ernte gerechnet – wenn da nur der Frost nicht gewesen wäre. Ans Potenzial der Frucht glaubt er trotzdem weiterhin: «Die Nachfrage nach heimischer Produktion ist riesig.»

Das wissen auch die Experten beim Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Nur stehen sie dem heimischen Quittenanbau skeptisch gegenüber. «Die Frucht wäre genial, ihr Geschmack einzigartig», gibt Obstbau-Berater Reto Leumann zu. «Aber das Risiko, dass die Quittenbäume vom Feuerbrand befallen werden, ist zu gross.»

Ein aktuelles Merkblatt von Agroscope zum Thema bestätigt das Problem. Darin heisst es: «Obwohl alle Kernobstsorten – auch Äpfel und Birnen – befallen werden können, sind Quitten allgemein als hoch anfällig einzustufen.»

Rund eine Hektare Quitten im Kanton

Leumann hat es am eigenen Leib erlebt. Der Bauernsohn musste im Jahr 2000 miterleben, wie der Feuerband die Quittenbäume auf dem elterlichen Hof dahinraffte. Es war die bis dahin massivste Ausbreitung der Bakterienkrankheit im Thurgau. Insgesamt wurden im Kanton deshalb 25 Hektaren Obstbäume gerodet. Sieben Jahre später befiel der Feuerbrand das Obst in noch grösserem Ausmass – womit das Ende des professionellen Quittenanbaus im Thurgau besiegelt war.

Dass die Nachfrage auf Produzentenseite wieder da ist, bestätigt Leumann. Thomas Burren ist weder der einzige, geschweige denn der grösste Quittenproduzent im Kanton. Aktuell würden auf rund einer Hektare Land Quitten angebaut, sagt der Berater. Speziell an Burrens Bäumen: Sie befinden sich in der Obstbauzone, in welcher die Feuerbrandkontrollen am ausgeprägtesten sind. Dies, weil es in der Umgebung andere Obstanlagen gibt, die Ansteckungsgefahr also höher ist als anderswo.

Burren weiss das, sagt aber: «Wenn ich Feuerbrand habe, befällt er zuerst meine Obstsorten.» Damit das nicht passiert, «halte ich die Bäume ruhig». Burrens Bäume wachsen im Gegensatz zum übrigen Obst schräg nach oben, das nehme ihnen den Zug. Dazu kommt der tägliche Kontrollgang durch die Anlage sowie die Behandlung der Blüten durch Hefepräparate während der Blütezeit. Und was, wenn doch etwas passiert? «Dann holze ich die befallenen Bäume sofort ab.» Eine Entschädigung aus dem Pflanzenschutzfonds würde er in diesem Fall nicht bekommen, das ist mit dem Kanton abgemacht. «Mein unternehmerisches Risiko», sagt der Obstbauer.

Quitte ist Frucht des Jahres 2017

Verbieten kann der Kanton den Anbau von Quitten nicht, selbst wenn er dies wollte. Doch der Argwohn auf dem Arenenberg ist spürbar: «Es ist nur wetterbedingt, dass es in letzter Zeit nicht zu grösseren Feuerbrand-Fällen gekommen ist», sagt Reto Leumann. «Dieses Jahr wegen des Frostes.» Die Bewährungsprobe für die Quitten stehe noch aus. Der Experte sähe gern wieder mehr Quitten im Thurgauer Obstbau, sagt aber: «Nur dort, wo es nebenan keine Wirtspflanzen für Feuerbrand gibt.»

In einer Angelegenheit sind Leumann und Burren einer Meinung: Dass die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten (Fructus) die Quitte im Mai zur Frucht des Jahres gewählt hat, erachten beide als «problematisch». Das könne dazu führen, dass viele Private sich einen Quittenbaum für den Garten kaufen, sagt Burren. Erstens würden diese Feuerbrand weniger gut erkennen, und zweitens ihren Baum tendenziell trotz Infektion stehen lassen. «Weil sie hoffen, dass es schon wieder gut wird.»

Reto Leumann betont, dass man sich als Privater über die Konsequenzen eines Quittenbaumkaufs im Klaren sein müsse. Über die obligatorische Feuerbrand-Kontrollen der Gemeinde und darüber, dass Feuerbrand eine meldepflichtige Krankheit sei. Seine Devise ist klar: Im Zweifelsfall den Experten anrufen.

Die Quitte und ihre Krankheit

Das Ursprungsgebiet der Quitte (Cydonia oblonga) wird in Babylonien, also dem Gebiet zwischen Bagdad und dem Persischen Golf, vermutet. Dort sollen bereits vor 4000 Jahren Quitten kultiviert worden sein. Später fand man die Frucht auf der griechischen Insel Kos, ab dem 9. Jahrhundert wurden die Bäume in Mitteleuropa gepflanzt. Der Feuerbrand, der auch die Quitten befiel, tauchte 1989 zum ersten Mal im Thurgau auf. Wenn ein Baum befallen ist, werden Feuerbrandbakterien in riesigen Mengen in Form von Schleimtropfen ausgeschieden. Blütenbesuchende Insekten sowie Wind, Regen und Vögel übertragen die Bakterien von Blüte zu Blüte und somit von einem Baum zum anderen. Bei einem Befall verfärben sich die Blätter kurz nach der Infektion dunkelbraun bis schwarz. Das Pflanzenschutzmittel Streptomycin darf seit 2016 nicht mehr gegen Feuerbrand verwendet werden. (don)

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