Quintner wollen Pioniere sein

Das Projekt für ein Solarkraftwerk zwischen Quinten und Amden ist noch lange nicht bewilligt, aber immerhin getauft: «Felsenstrom» heisst es. Ginge es nach den Einheimischen, könnte sofort gebaut werden.

Jeanette Herzog
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Beim Steinbruch Schnür am Walensee soll ein Solarkraftwerk entstehen, das so gross ist wie acht Fussballfelder. (Bild: Werner Frei/EKZ)

Beim Steinbruch Schnür am Walensee soll ein Solarkraftwerk entstehen, das so gross ist wie acht Fussballfelder. (Bild: Werner Frei/EKZ)

UNTERTERZEN. Die beiden Restaurants von Quinten sind viel zu klein, um all die Leute zu bewirten, die sich für die geplante Solaranlage im Steinbruch Schnür interessieren. Kurzerhand hat Ortsgemeindepräsident Alois Janser deshalb die Mehrzweckhalle in Unterterzen reserviert. Das hat sich gelohnt: rund 180 Personen sind gekommen, bei weitem nicht nur Quartner und Quintner.

Die geplante Stilllegung des Steinbruchs Schnür per Ende 2012 hat Janser schon länger Bauchweh bereitet. Daheim im Familienkreis sei die Idee einer Solaranlage entstanden. Der Schwager hat Beziehungen zu den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) – so kam man ins Gespräch. «Erst klang es verrückt, aber je länger wir darüber sprachen, desto mehr faszinierte mich der Gedanke.» Er erinnert sich daran, dass Quinten erst 1951 elektrifiziert wurde. «Das war ein Ereignis – und heute ist es normal.» Damit das so bleibe, brauche es Pionierarbeit.

Steinbruch liegt im BLN-Gebiet

Die Anwesenden wollen Pioniere sein – das zeigt sich während der Fragerunde. «Hat die Solaranlage Einfluss auf die Wassertemperatur?», fragte ein Mann und fügte schelmisch an: «Schön wären 28 Grad.» Ein anderer wollte wissen, warum die Solaranlage nur für 25 bis 30 Jahre geplant ist. Und ein weiterer, warum der zweite Steinbruch nicht auch gleich mit Solarpanels bestückt werde, der sei noch hässlicher. Die beiden Fragen treffen den Kern des Problems. Beide Steinbrüche liegen nämlich in einem Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) eingetragen ist. Laut Werner Frei, Projektleiter bei den EKZ, ist es «schon schwierig genug, eine befristete Bewilligung für eine einzelne Anlage zu bekommen».

Entscheid auf nationaler Ebene

Es müsse auf nationaler Ebene diskutiert werden, ob die BLN-Vorschriften für erneuerbare Energiequellen gelockert werden dürfen, sagte Frei. Urs Roth, Kantonsrat und Gemeindepräsident vom Amden, will diesen Prozess mit einem Vorstoss beschleunigen (siehe Kasten).

Ginge es nach den Zuhörern, könnte die Solaranlage sofort gebaut werden. «Mich stört vor allem», sagt einer, «dass ich diese super Idee nicht selber gehabt habe.» Die anderen quittieren es mit Applaus.