Quereinsteigerin mit Einblick

Corinne Bolzli ist seit Mitte Februar Gemeindeschreiberin in Herdern. Der 31-Jährigen gefällt ihre neue Arbeit, manches macht sie aber auch betroffen.

Evi Biedermann
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Corinne Bolzli wird es als Gemeindeschreiberin Herderns nie langweilig. (Bild: Evi Biedermann)

Corinne Bolzli wird es als Gemeindeschreiberin Herderns nie langweilig. (Bild: Evi Biedermann)

LANZENNEUNFORN. Es geht lebhaft zu in der Gemeindekanzlei. Am Schalter diskutieren eine Frau und ein Mann mit Gemeindeammann Cornelia Komposch und Ruth Häni, Leiterin Einwohnerkontrolle. Im Eingang wartet eine weitere Person, und im Nebenzimmer spricht Corinne Bolzli mit einer Kundin. Dazu klingelt noch das Telefon. So geschäftig sei es nicht immer, sagt Bolzli. «Langweilig wird es aber nie.»

Seit Mitte Februar ist die 31-Jährige Gemeindeschreiberin Herderns. Die Kanzlei befindet sich im 2,5 Kilometer entfernten Lanzenneunforn. Die Strecke verlängert zwar den Weg zwischen Bolzlis Wohn- und Arbeitsort, ungelegen kommt ihr dies jedoch nicht. An schönen Sommertagen fährt sie mit dem E-Bike von Frauenfeld nach Lanzenneunforn. Nach dem stetigen Anstieg ist die letzte Etappe ab Herdern die Auslaufstrecke. «Den Weg geniesse ich, vor allem am frühen Morgen», sagt Bolzli.

Coiffeuse und Polizistin

Ihre Stelle habe sie mit Respekt angetreten. Nicht deshalb, weil ihr Vorgänger nur drei Monate im Amt gewesen war, sondern weil sie eine Quereinsteigerin sei. «Ich war mir bewusst, dass eine grosse Herausforderung auf mich wartet», sagt die gelernte Coiffeuse und ausgebildete Polizeibeamtin. Polizistin wäre sie gern geblieben, doch ein Fussleiden machte die Arbeit im Aussendienst unmöglich. Ein Studium zur Verwaltungsökonomin zeigte auf, wohin der Weg auch noch führen könnte, und weckte die Lust auf etwas Neues und Unbekanntes.

«Ich habe den Wechsel nie bereut», sagt Bolzli. Als Gemeindeschreiberin betreut sie die Ressorts Steuern und die Finanzen von Gemeinde und Primarschule. Einblick hat sie aber in sämtliche Geschäfte der Gemeinde, und dem Gemeinderat steht sie in beratender Funktion zu Seite. «Diese Vielseitigkeit mag ich, sie macht meine Arbeit spannend.»

Berührende Momente

«Obwohl ich schon viel weiss, weiss ich noch lange nicht alles», sagt sie aber. Bei aller Begeisterung für den neuen Job: Gibt es etwas, das die Gemeindeschreiberin nicht gerne macht? Die Antwort lässt auf sich warten. Nein, sagt Bolzli dann zögernd und präzisiert: Es gebe immer wieder Situationen, wo eine strenge Linie nötig sei. Etwa, wenn jemand in finanzielle Probleme geraten sei. «Wenn ich merke, dass der Wille zur Veränderung da ist, aber die Machbarkeit dafür nicht gegeben ist, berührt mich das schon.»