Putin verändert Musikfestival

Das Philharmonie-Orchester Lugansk gibt es wegen der Krim-Krise nicht mehr. Nun muss Mammern Classics ohne die Profimusiker aus der Ukraine auskommen. Deshalb wird Intendant David Lang nun ein Musical komponieren.

Gudrun Enders
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Das Zirkuszelt bleibt, doch darin werden bei Mammern Classics nächstes Jahr statt einer Philharmonie professionelle Musicaldarsteller auftreten. (Archivbild: Nicolas Senn)

Das Zirkuszelt bleibt, doch darin werden bei Mammern Classics nächstes Jahr statt einer Philharmonie professionelle Musicaldarsteller auftreten. (Archivbild: Nicolas Senn)

MAMMERN. «Durch den Krieg in der Ukraine hat sich das Orchester zerschlagen», sagte Hansjörg Lang als OK-Präsident von Mammern Classics. Am Donnerstagabend versammelte sich der Trägerverein des Musikfestivals im Kulturpavillon von Mammern. Er zählt zurzeit 48 Mitglieder; Präsident ist Hansueli Weibel. Ursprünglich war geplant, Mammern Classics weiterhin mit der Philharmonie Lugansk zu bestreiten.

Die Berufsmusiker waren an den vergangenen Festivals privat in Mammern untergebracht. Mit einigen Familien entwickelten sich Freundschaften. «Manche Musiker waren prorussisch eingestellt, manche kamen aus Kiew und waren westlich orientiert», sagte Lang. «Das hat man schon gemerkt, aber die Stimmung war trotzdem entspannt.»

Nach der Krim-Krise wollte Intendant David Lang statt der ukrainischen Profimusiker das Kammerorchester Zürich und die Philharmonie Konstanz für Mammern Classics 2016 engagieren. Aber Meisterdirigent Liutauras Balciunas legte sein Veto ein, denn das Festival am Untersee soll etwas Besonderes bleiben. Die Klassikfans der Region haben aber beide Orchester schon gehört.

Uraufführung eines Musicals

«Wir werden ein Musical von David Lang aufführen», verkündete Vater Hansjörg Lang. Zurzeit arbeite der Komponist intensiv daran. Doch nun kommen neue Herausforderungen auf den Trägerverein zu. Für die sieben Aufführungen werden professionelle Musicaldarsteller engagiert. Das kostet. «Unser Budget liegt bei über 300 000 Franken», sagt OK-Präsident Lang. Deshalb will der Verein bald mit der Sponsorensuche anfangen.

Intensiv diskutiert wurde in dem Zusammenhang das Steiner Freilichtspiel «No e Wili», das endet kurz bevor Mammern Classics startet. «Wir denken, dass wir uns beim Sponsoring nicht konkurrenzieren», sagte Lang. «No e Wili» hat Rückenwind dank Windler-Stiftung, zudem liegt eine Kantonsgrenze dazwischen. Eine Broschüre für die Sponsoren ist in Arbeit.

Die Vereinsgeschäfte gingen flugs über die Bühne: Der Vorstand wurde in globo wieder gewählt, ergänzt durch Nina Lang Fluri als neue Beisitzerin.

Mammern Classics: 26. August bis 10. September 2016

Ein Berufsmusiker aus der Ukraine übt am Kontrabass. Die Philharmonie aus Lugansk probt im Zirkuszelt von Mammern. (Archivbild: pd)

Ein Berufsmusiker aus der Ukraine übt am Kontrabass. Die Philharmonie aus Lugansk probt im Zirkuszelt von Mammern. (Archivbild: pd)