Pukelsheim bald vor dem Volk

Die grossen Parteien sind alle gegen das neue Wahlsystem des doppelten Pukelsheim. Am kommenden Samstag lancieren sie ihre Abstimmungskampagne. Die kleinen Parteien betonen derweil, nur das neue System sei wirklich fair.

Daniel Daester
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Der Grosse Rat soll, geht es nach den kleinen Parteien, in Zukunft nach dem doppelten Pukelsheim gewählt werden. (Bild: Urs Jaudas)

Der Grosse Rat soll, geht es nach den kleinen Parteien, in Zukunft nach dem doppelten Pukelsheim gewählt werden. (Bild: Urs Jaudas)

frauenfeld. Der Kampf um die Pauschalsteuer ist bereits in vollem Gange. Nun werben auch die Befürworter und Gegner der Pukelsheim-Initiative um die Gunst der Stimmberechtigten.

Das heutige Wahlsystem sei unfair, sagen die Befürworter von Pukelsheim. «Wir wollen, dass jede Stimme zählt», sagt Daniel Frischknecht vom Initiativkomitee. Das motiviere die Wähler, denn so könnten sie sicher sein, dass ihre Stimme etwas bewirke. Das Initiativkomitee will mit je einem Podium pro Wahlbezirk, Flyern und Plakaten das Stimmvolk überzeugen.

Der Status quo

Einfach zu verstehen ist keines der beiden Wahlsysteme. Aktuell entscheidet die Stärke einer Partei in den Wahlbezirken über die Mandate im Grossen Rat. Die Anzahl Sitze pro Bezirk legt der Kanton fest. Im Thurgau wird dies wohl künftig nach der Einwohnerzahl geschehen. Das Geschäft wird heute im Grossen Rat behandelt. Frauenfeld bekäme als grösster Wahlbezirk 33 Sitze und Kreuzlingen oder Münchwilen als kleine Bezirke deren 22.

Bei den Wahlen entscheidet der Stimmenanteil einer Partei im Bezirk über die Anzahl Sitze. Es braucht also eine gewisse Grösse, um überhaupt einen Sitz zu bekommen. In den kleineren Bezirken muss eine Partei knapp fünf Prozent erreichen, um einen Sitz zu erhalten. Gelingt dies nicht, sind die Stimmen verloren. Zudem verfallen Stimmen, die nicht mehr für einen ganzen Sitz reichen. Das kritisieren die Pukelsheim-Befürworter.

Pukelsheim zu kompliziert

Die Gegner der Initiative verweisen auf die neue Bezirkseinteilung mit nur noch fünf Wahlbezirken, die seit Beginn dieses Jahres gilt. «Neu braucht es nur noch wenige Prozent, um einen Sitz zu erreichen», sagt Ruedi Zbinden, Präsident des Komitees «Nein zu Pukelsheim». Zudem sei das System viel zu kompliziert. «Der Wähler weiss nicht mehr, was mit seiner Stimme passiert», sagt Zbinden. Es könne sein, dass er mit der Stimme für die Kandidaten seines Bezirks ungewollt auch andere unterstütze. Und das könne Unmut bei der Wählerschaft und somit eine sinkende Stimmbeteiligung zur Folge haben.

Pukelsheim bei den Nachbarn

Die Kantone Zürich und Schaffhausen wählen bereits nach Pukelsheim. Vereinzelt kam es in den Bezirken zu mathematisch bedingten Fehlern. Bezogen auf den ganzen Kanton glichen sich diese aber aus.

Das Wahlsystem nach Pukelsheim – benannt nach einem deutschen Mathematiker – sieht vor, dass die Parteien entsprechend ihrem kantonalen Stimmenanteil Sitze im Parlament erhalten. Diese werden dann auf die Kandidaten in den Bezirken verteilt. Das geschieht nach der Stärke der Partei im jeweiligen Bezirk. Im Pukelsheim gibt es also einen doppelten Proporz: Den ersten für die Anzahl Sitze pro Partei und den zweiten für die Verteilung auf die Kandidaten in den Bezirken. Übrigens: Im Fachjargon heisst das System, «Doppeltproportionale Divisormethode mit Standardrundung».

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