Puffmutter beteuert ihre Unschuld

Sie habe den Frauen immer die Wahrheit erzählt, sagt die angeklagte Thailänderin vor Gericht. Ihr wird Menschenhandel vorgeworfen.

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Eine Prostituierte. (Archivbild: Urs Bucher)

Eine Prostituierte. (Archivbild: Urs Bucher)

BERN. Vor sieben Jahren wurde sie von einem Menschenhändlerring in die Schweiz geschleust, um hier illegal anzuschaffen. Doch die heute 43jährige Thailänderin blieb nicht Liebesdienerin. Bald führte sie ihren eigenen Salon, das «Fantastic» in Müllheim. Auch arbeitete sie den Menschenhändlern, deren Opfer sie einst selbst war, fleissig in die Hände. In Thailand warb sie Frauen und Transvestiten an, meist aus ärmlichen Verhältnissen. Diese mussten sich nicht nur in ihrem Salon prostituieren, sondern wurden auch in andere Bordelle verkauft.

Seit Montag steht die Puffmutter in Bern vor Gericht. Ihr wird Menschenhandel in 57 Fällen und Förderung der Prostitution vorgeworfen. Sie soll auf ihre Opfer Druck ausgeübt haben. So habe sie Verträge abgeschlossen, in denen die Frauen die Häuser ihrer Familien als Sicherheit verpfändeten. Den Unbeugsamen habe sie gedroht, sie werde ihre Existenz zerstören.

Neun Jahre Haft fordert die Staatsanwältin für die Angeklagte. Diese beteuerte gestern vor Gericht, sie habe allen, die für sie arbeiteten, stets die Wahrheit gesagt. Eine bittere Wahrheit: 30 000 Franken mussten die Frauen für ihre Einreise bezahlen, die Hälfte ihrer Einkünfte an die Bordellbesitzer abgeben.

Nur «ein Bindeglied»

Man möge das System moralisch verwerflich finden, «strafbar ist das aber an sich nicht», argumentierte der Pflichtverteidiger, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Seine Mandantin sei nicht Mitglied der Organisation gewesen, die Menschen in die Schweiz eingeschleust habe, «höchstens ein Bindeglied». In 13 Fällen liege aber Menschenhandel vor, dafür seien viereinhalb Jahre Haft angemessen. Ebenfalls angeklagt ist der Ehemann der Thailänderin, ein 50jähriger Schweizer. Für die Anklage ist klar, dass er den Salon gemeinsam mit seiner Frau geführt hat. Er selbst beschreibt sich als Helfer und teilweise Mitwisser. Die Staatsanwältin fordert für ihn drei Jahre, davon zweieinhalb Jahre bedingt. Das Urteil wird am Freitag erwartet. (san)

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