PROZESS: Verstecktem Flowtex-Vermögen auf der Spur

Eberhard Braun ist Flowtex-Insolvenzverwalter. Die Abwicklung des Firmenkonkurses stehe kurz vor dem Abschluss. Hängig sei jedoch der Privatkonkurs des früheren Geschäftsführers, in dessen Zusammenhang das Frauenfelder Verfahren steht.

Stefan Hilzinger
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Schriftzug der Firma auf dem Dach des Hauptsitzes in Ettlingen (D) zum Zeitpunkt des Konkurses Anfang 2000. (Bild: AP/Axel Seidemann)

Schriftzug der Firma auf dem Dach des Hauptsitzes in Ettlingen (D) zum Zeitpunkt des Konkurses Anfang 2000. (Bild: AP/Axel Seidemann)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Hintergrund des aktuellen Geldwäscherei-Verfahrens vor dem Thurgauer Obergericht in Frauenfeld ist der Konkurs der Firma Flowtex im Süddeutschen Ettlingen im Jahr 2000. Der Zusammenbruch der Firma hinterliess einen Schuldenberg von rund 2,5 Milliarden Euro. Rechtsanwalt Eberhard Braun vom Büro Schultze & Braun in Achern (D) verfolgt als Flowtex-Insolvenzverwalter das Verfahren mit Interesse.

Eberhard Braun Insolvenzverwalter (PD)

Eberhard Braun Insolvenzverwalter (PD)

Eberhard Braun, was versprechen Sie sich vom Ausgang des Berufungsverfahrens vor dem Thurgauer Obergericht?

Ich will hier keine Aussagen machen über den Verfahrensausgang, schon aus Respekt vor der Arbeit der Gerichte. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass es aus der Flowtex-Insolvenz noch erhebliche Vermögenswerte gibt, die den Gläubigern zustehen.

Wie die vier Chagall-Bilder, die vor zehn Tagen bei Sotheby’s in Paris versteigert worden sind?

Ja, genau. Daher wurde die Einziehung und Verwertung der Bilder, die das Frauenfelder Bezirksgericht angeordnet hatte, von Seiten von Schmiders Ex-Frau I.H. auch nicht weitergezogen. Mit dem Erlös von gut zwei Millionen Euro sind wir sehr zufrieden. Das Geld fliesst nun in die Konkursmasse Manfred Schmider. Die Herausgabe der Bilder war auch Teil der Basler Vereinbarung mit Schmiders Ex-Frau.

Was hat es mit dieser Vereinbarung auf sich, die vor Gericht immer wieder zitiert wird?

Es handelt sich um eine notariell beurkundete Vereinbarung zwischen uns als Insolvenzverwaltern und I. H. über die Herausgabe von Vermögenswerten an uns. Es ging um Grundstücke, Schiffe, Flugzeuge und Wertpapiervermögen, die mit Mitteln aus dem Flowtex-Betrug finanziert wurden, also kontaminiert waren. Im Gegenzug haben wir I. H. eine bestimmte Summe ausbezahlt, denn sie besass auch einen Anteil an legalem respektive nicht mehr mnfechtbarem Vermögen. Teil der Vereinbarung war auch die Villa in St. Moritz, deren Verkaufserlös an den Insolvenzverwalter hätte fliessen müssen. Sie heisst übrigens Basler Vereinbarung, weil sie dort beurkundet wurde. In der Schweiz sind die Notariatsgebühren traditionell ja viel tiefer als bei uns in Deutschland.

Nun argumentiert die Verteidigung vor Obergericht, I. H. könne legal und frei über ihr Vermögen verfügen, da es nicht kontaminiert sei und so auch nicht mehr Gegenstand von Geldwäscherei sein könne.

Ob Geldwäscherei oder nicht ist eine strafrechtliche Frage, die uns nur am Rand interessiert. Uns geht es um die zivilen Ansprüche der Geschädigten und um die Einhaltung der Vereinbarung von Basel, gerade auch bezüglich des Verkaufserlöses der St. Moritzer Villa.

Ist das Flowtex-Insolvenzverfahren aufgearbeitet?

Was das eigentliche Verfahren des Unternehmens Flowtex angeht – die Keimzelle des Übels –, so neigt sich das Verfahren dem Ende zu. Wir haben die Schlussrechnung bei Gericht eingereicht, so dass Ende dieses Jahres, Anfang nächsten Jahres ein Schlusstermin stattfinden kann. Noch nicht abgeschlossen sind die Privatkonkurse von Manfred Schmider und weiterer Täter, eben weil der Insolvenzmasse Vermögenswerte vorenthalten wurden.

Wie viel bleibt den Gläubigern am Ende des Verfahrens unter dem Strich?

Die Angelegenheit ist wirklich sehr komplex. Wenn man es vereinfacht über alle Verfahren hinweg betrachtet und potenzielle Quoten addiert, nur um eine Grössenordnung zu nennen, werden es acht bis zehn Prozent der anerkannten Forderungen sein. Wobei die anerkannten Forderungen viel tiefer liegen als die nach der Flowtex-Insolvenz angemeldeten Forderungen.