PROZESS: Thurgauer Obergericht bestätigt kleine Verwahrung für Obdachlosen

Das Thurgauer Obergericht hat einen Obdachlosen wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt und die kleine Verwahrung bestätigt. Der 64-Jährige hatte einen Mitbewohner in einem Männerwohnheim in Basel angegriffen.

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Das Thurgauer Obergericht bestätigte das Urteil des Bezirksgerichts Weinfelden vom Juli 2016 teilweise und verschärfte die Strafe um ein halbes Jahr. (Bild: Archiv)

Das Thurgauer Obergericht bestätigte das Urteil des Bezirksgerichts Weinfelden vom Juli 2016 teilweise und verschärfte die Strafe um ein halbes Jahr. (Bild: Archiv)

Der Mann, der jahrelang auf der Strasse lebte und manchmal in Notunterkünften wohnte, soll vor gut vier Jahren mit einer 15 Zentimeter langen Klinge eines Dreikantschabers auf den Oberkörper des Mitbewohners eingestochen haben. Der Angeklagte habe den Mann töten wollen, sagte die Staatsanwältin im vergangenen Juni vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Das Opfer sei nur durch Zufall nicht lebensgefährlich verletzt worden.

Das Thurgauer Obergericht bestätigte das Urteil des Bezirksgerichts Weinfelden vom Juli 2016 teilweise und verschärfte die Strafe um ein halbes Jahr. Der Beschuldigte wurde wegen eventualvorsätzlicher Tötung, Veruntreuung und Brandstiftung schuldig gesprochen, wie das Gericht mitteilte.

Vom Vorwurf der mehrfachen falschen Anschuldigungen wurde der Mann freigesprochen. Ein Verfahren wegen einfacher Körperverletzung stellte das Obergericht ein. Eine Genugtuungsforderung, welche der Beschuldigte gestellt hatte, weil er seiner Ansicht nach zu lange im Gefängnis sass, wies das Gericht ab.

Hohes Rückfallrisiko

Die von der Vorinstanz angeordnete stationäre Massnahme nach Artikel 59 des Strafgesetzbuches, die sogenannte kleine Verwahrung, bestätigte das Obergericht. Laut einer Gutachterin leidet der Mann an einer chronisch paranoiden Schizophrenie. Er bilde sich ein, sein Vater habe beim Geheimdienst gearbeitet. Deshalb glaube er seit seinem fünften Lebensjahr, er werde verfolgt und müsse sich verteidigen. Weil sich der Beschuldigte von vielen Menschen verfolgt fühle, bestehe ein hohes Rückfallrisiko.
Das Urteil des Thurgauer Obergerichts ist noch nicht rechtskräftig. (SDA-ATS/md/ka)