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PROZESS: Reitstall-Betrug im Thurgau: "Der konnte reden wie ein Pfarrer"

Ein Reitstallbetreiber aus der Ostschweiz muss sich seit Montag in Bern wegen Betrugs und Urkundenfälschung vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, zahlreiche Gläubiger über seine finanziellen Verhältnisse getäuscht zu haben. Diese gewährten ihm grosszügig Kredit.
Aus diesem Reitstall in Mattwil musste der Mann gemäss einem Gerichtsurteil ausziehen. (Bild: Andrea Stalder)

Aus diesem Reitstall in Mattwil musste der Mann gemäss einem Gerichtsurteil ausziehen. (Bild: Andrea Stalder)

Laut Anklage steht der Mann seit 2011 bei Gläubigern in mehreren Kantonen mit rund anderthalb Millionen Franken in der Kreide. Manch einem schuldet der Angeklagte seit einigen Jahren mehrere zehntausend Franken, anderen gleich mehrere hunderttausend Franken.

Der Beschuldigte habe auf sein Ansehen als ehemaliger Luzerner CVP-Kantonsrat gesetzt und seine Opfer teilweise mit gefälschten Urkunden getäuscht, heisst es in der Anklageschrift weiter.

"Der konnte reden wie ein Pfarrer"

Geprellte Gläubiger, darunter auch Akademiker und diverse Geschäftsleute, berichteten am Montag vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern, sie hätten dem redegewandten ehemaligen Luzerner CVP-Kantonsparlamentarier und Gantrufer vertraut.

"Der konnte reden wie ein Pfarrer", brachte es einer der Gläubiger am Montag auf den Punkt. Und ein anderer: "Jemandem, der Grossrat war, sollte man doch noch vertrauen dürfen." Der Mann sei eben ein guter Schauspieler gewesen, sehr glaubwürdig und selbstsicher.

Doch auch die Aussicht auf fette Zinsen mag den einen oder anderen Gläubiger verlockt haben. Ein Zeuge berichtete am Montag, er habe für ein Darlehen von 369'000 Franken rund 81'000 Franken Zinsen innerhalb eines Monats in Aussicht gehabt. "Ich denke schon, dass der hohe Zins eine Rolle spielte", räumte der Mann etwas betreten ein.

Kaum Informationen eingeholt

Die meisten Geprellten hatten sich vorgängig nicht näher über die Vermögensverhältnisse des Reitstallbesitzers informiert oder weitgehende Sicherheiten verlangte.

Ein Gewerbler formulierte es so: "Ich habe vor Jahren mein eigenes Geschäft ganz ohne finanzielle Hilfe aufbauen müssen. Ich weiss, wie schwierig das ist." Darum habe er Mitleid mit dem Angeschuldigten gehabt, als dieser ihm von hohen Vorinvestitionen in den Reitstallbetrieb berichtete.

Der Reitstallbetreiber machte es seinen Opfern aber auch nicht ganz leicht, denn laut Anklage legte er vielen von ihnen ein gefälschtes Dokument einer Luzerner Gemeinde vor, worin bescheinigt wurde, dass dem Mann Geld aus einer Erbschaft zustehe. Darauf verliessen sich die meisten.

Mit dem Geld der Erbschaft und baldigen Gewinnen aus einer Kiesgrube wolle er seine Schulden gleich wieder zurückzahlen, versprach der Mann seinen Gläubigern. Zurückbezahlt habe er kaum etwas, stattdessen habe er sie immer wieder vertröstet, berichteten die Geprellten vor Gericht.

Gericht macht die Rechnung

Dort wurde am Montag klar, dass der Mann vorbestraft ist, unter anderem wegen betrügerischen Konkurses. Probleme mit Alkohol und Glücksspiel habe er im Griff, betonte er. Er trinke nur noch ab und zu ein Bier und habe sich in den Schweizer Casinos sperren lassen. Warum er überhaupt vor Jahren ins finanzielle Schlamassel geriet, konnte er vor Gericht letztlich nicht schlüssig erklären.

Allerdings beharrte der Angeschuldigte darauf, dass sein verstorbener Vater mit einer Firma einen Vertrag habe, aus dem ihm Geld aus Kiesabbau zufliessen werde, sobald in der Grube wieder abgebaut werde. "Es sind Sachen am Laufen", deutete der Angeschuldigte nebulös an.

Er habe aber vor einigen Jahren selber eine Verzichtserklärung unterzeichnet, wonach er keine Abbau− und Deponierechte mehr habe, hielt ihm die Gerichtspräsidentin entschieden vor.

Ein solches Guthaben aus einem Kiesabbau-Vertrag wäre zweifellos auch im Steuer− und Nachlassinventar seines verstorbenen Vaters vermerkt. Dort sei aber nichts dergleichen zu finden. Dafür habe er keine Erklärung, entgegnete der Angeklagte leise.

Und selbst wenn es einen entsprechenden Vertrag gebe und er dereinst Einkünfte aus dem Kiesabbau erhalte, würden diese bei weitem nicht reichen, um die rund anderthalb Millionen Franken Schulden abzubauen, rechnete ihm das Gericht vor. Aus dem Kies würde er allenfalls geschätzte 150'000 Franken lösen.

Der Angeklagte war an mehreren Orten der Schweiz als Reitstallbetreiber tätig, unter anderem im Kanton Solothurn und zuletzt im thurgauischen Mattwil. Von dort musste er im vergangenen Juni weg. Das Urteil des bernischen Wirtschaftsstrafgerichts wird für Freitag erwartet. (sda)

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