Prost auf die Deppenfalle

Murgspritzer

Samuel Koch
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Die Stadt sendet Signale. Je nach Tragweite und Aus­legung der journalistischen Relevanzkriterien verstärken sie sich. Je nachdem nimmt sie der Rezipient weiter und weniger weit weg wahr. So war das Schauspiel kürzlich wieder zu verfolgen, als einmal mehr die Deppenfalle zuschnappte. Lieferwagen mit Hebebühne oder hochkant beladenen Glasscheiben, ja gar ein Whirlpool musste am Beton bei der SBB-Unterführung Rheinstrasse schon dran glauben. 2,70 Meter hoch, mehrfach signalisiert, mit gelb-schwarzen Streifen versehen – vergebens! Da hilft auch Geld und Mühe für den neunminütigen Imagefilm «Frauenfeld verbindet» nichts.

Duden erklärt einen Deppen, abwertend konnotiert, als einfältigen und ungeschickten Menschen, als Tollpatsch, als Dummkopf. War da kürzlich nicht etwas mit einem Thur­gauer Kantonsrat, der, gerichtlich genehmigt, hochoffiziell als Dummkopf bezeichnet werden darf? Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Was aber hilft, damit Frauenfeld mit seiner Deppenfalle nicht wieder in Negativschlagzeilen überwiegend boulevardesker Medien gelangt? – Die Stadt braucht mehr aufmerksame Einwohner. Wenn nämlich schon bald am Glühweinstand am Schlossberg erstmals wieder körper- und seelenwärmende Tranksame ausgeschenkt wird, wissen es alle. Ob die alkoholhaltigen Getränke unfallpräventiv wirken, bleibt indes fraglich. Vielleicht wirken ja Gelächter und Kommentare von Schaulustigen just vor dem verhängnisvollen Moment – quasi das Prost auf die Deppenfalle. Oder es liesse sich mit etwas Kleingeld aus dem Stadtkässeli ein Beamter des Polizeipostens direkt daneben als Aufpasser für den neuralgischen Punkt gewinnen. Die boulevardesken Medien hätten sicher etwas dagegen.

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch