Problematische Situation der Wasserkraft

Die Gemeinde Amlikon-Bissegg produziert Strom, den sie selbst braucht. An diesem Beispiel zeigte Ralf Ulm, wie die Eigenverbrauchsregelung funktioniert.

Kurt Peter
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Blick auf die Staumauer Muttsee des Pumpspeicherwerks Limmern der Axpo Holding AG. Bild: Gian Ehrenzeller/ky (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Blick auf die Staumauer Muttsee des Pumpspeicherwerks Limmern der Axpo Holding AG. Bild: Gian Ehrenzeller/ky (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Alle Anlagenbetreiber haben das Recht, die eigenerzeugte Elektrizität vor Ort selbst zu verbrauchen. Das heisst, es gibt keine Pflicht, den produzierten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Dieses Recht auf Eigenverbrauch, die Eigenverbrauchsregelung, ist im Energiegesetz festgehalten. Ralf Ulm von der Swiss Energy Consulting GmbH in Zürich hielt anlässlich der Feierabendveranstaltung des Verbandes Thurgauischer Elektrizitätsversorgungen (VTE) ein Referat zu diesem Thema. Er zeigte die Auswirkungen der Regelung im allgemeinen und am Beispiel der Gemeinde Amlikon-Bissegg auf.

2,5 Megawattstunden aus Eigenproduktion

In der Gemeinde Amlikon-Bissegg sei 2015 ein Totalabsatz von 7,8 Gigawattstunden Strom verzeichnet worden. 2,5 Megawattstunden kamen aus eigener Produktion. Künftig sollen es weitere 1,3 Megawattstunden sein. Dies aufgrund von Anlagen, die auf der KEV-Warteliste stehen. Ulm erklärte, dass der Eigenverbrauch dazu führe, dass die Durchflussmengen im Netzgebiet sinken würden. Die Rückspeisemengen hingegen blieben konstant. Durch einen geringeren Stromabsatz sei mit steigenden Netznutzungsentgeltern zu rechnen.

Auf aktuelle Themen ging Stefan Muster, Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Elektrizitätsversorgungen, ein. Die Energieproduzenten hätten aufgrund der tiefen Strompreise Probleme, meinte er und erklärte, dass «die tiefen Preise auch in den kommenden vier bis fünf Jahren Bestand haben werden».

Schwierig seien derzeit die seit 2007 laufenden Verhandlungen mit der EU. Eine vertiefte Zusammenarbeit sei wichtig. Doch der Brexit mache die Sache für die Schweiz nicht einfacher, zeigte er sich überzeugt. «Die Lage ist alles andere als bequem.»

Ein Gerichtsurteil mit Folgen

Grosse Auswirkungen habe ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes. Dieses halte fest, dass die Strombeschaffung eines Energierversorgungsunternehmens zwischen grundversorgtem und freiem Kunden aufgeteilt werden müsse. Benachteiligt im Kampf um freie Kunden würden dadurch Elektrizitätsunternehmen mit festen Kunden, also grundversorgten Kunden, und eigener Produktion. Denn den freien Kunden müsse die Energie zum selben Preis angeboten werden wie den festen Kunden. Dies, «obwohl Struktur und Beschaffung sehr unterschiedlich sind». Das Urteil dürfte die Situation der Wasserkraft verschärfen. Denn deren Entstehungskosten lägen deutlich über den Marktpreisen.