Privater Briefzusteller drängt vor

Seit gut zwei Jahren erhält die Post zunehmend Konkurrenz von einem privaten Anbieter. Die St. Galler Quickmail AG hat mittlerweile auch in Frauenfeld Fuss gefasst und will das Personal aufstocken.

Yannick Wiget
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Simon Bendel ist einer von sechs Quickmail-Briefzustellern in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Simon Bendel ist einer von sechs Quickmail-Briefzustellern in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Momentan macht die Quickmail AG Werbung in eigener Sache. In einem Flugblatt, das in den Frauenfelder Briefkästen landete, warb das Unternehmen um neue Mitarbeiter. Quickmail sucht Briefzusteller, die auf Teilzeitbasis arbeiten und die Stadt Frauenfeld ist einer der Standorte, an denen das Unternehmen sein Personal aufstocken will.

Wie viele neue Stellen in Frauenfeld geschaffen werden, war auf Anfrage nicht herauszufinden. Quickmail-Geschäftsführer Bernard Germanier kann keine genauen Zahlen nennen: «Da wir fortlaufend mehr Aufträge erhalten, sind wir permanent auf der Suche nach neuen Zustellern.»

In Frauenfeld sind es sechs

In der Stadt Frauenfeld beschäftigt Quickmail zurzeit sechs Zustellerinnen und Zusteller. Simon Bendel ist einer davon. Neben seinem Teilzeitjob bei Quickmail arbeitet er in einem Büro. Die Tätigkeit als Zusteller schätzt er als Abwechslung zum Büroalltag: «Man ist draussen an der frischen Luft und kann sich ausserdem die Zeit selbständig einteilen.»

Quickmail überlässt es seinen Angestellten, welche Route und welchen Rhythmus sie bei ihren Lieferungen wählen. Jeder hat eine Zone, die ihm zugeteilt ist, und es liegt in der Verantwortung der Zusteller, die Lieferungs-Touren stetig zu optimieren.

Sortierzentrum in Wittenbach

In der Ostschweiz werden alle Sendungen vom Sortierzentrum in Wittenbach aus an die jeweiligen Zusteller in den verschiedenen Regionen geliefert. Jeden Mittwoch erhalten diese ihre Sendungen, die sie sortieren und anschliessend an die Haushalte verteilen.

Die sechs Frauenfelder Briefzusteller decken zusammen 96 Prozent des Stadtgebiets ab. Da Quickmail aber immer mehr Kunden gewinnt und die Sendungen grösser werden, sieht das Unternehmen Handlungsbedarf beim Personal. Bereits erschlossene Lieferungs-Touren muss Quickmail zunehmend unter mehreren Zustellern aufteilen, weil sie nicht mehr von einer Person alleine erledigt werden können.

Quickmail begann erst Ende Januar letzten Jahres mit der Erschliessung des Kantons Thurgau. Das Unternehmen fing ursprünglich in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden an. Im November 2009 startete Quickmail als erstes privates Unternehmen der Schweiz mit der Briefzustellung. Der Bund hatte den Postdienst im Juli 2009 teilweise liberalisiert und Quickmail nutzte die Möglichkeit, als privater Anbieter Briefe ab 50 Gramm befördern zu dürfen.

Rasche Expansion

Seitdem konnte Quickmail kontinuierlich expandieren. Das Unternehmen liegt nach eigenen Angaben im Plan und zeigt sich auf Anfrage zufrieden mit der eigenen Entwicklung. Laut Geschäftsführer Bernard Germanier erreicht Quickmail mittlerweile die Hälfte aller Schweizer Haushalte. Während die Expansion vor allem in der Deutschschweiz fortgeschritten ist, will das Unternehmen auch in den anderen Sprachregionen zulegen.

Quickmail will dies nicht zwingend als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten, sondern vielmehr mit einem Ergänzungsangebot erreichen. Das System des Unternehmens ist im Gegensatz zur Post ausschliesslich auf die Zustellung von Massensendungen zugeschnitten und fokussiert sich demnach auf Firmen, die mit ihren Kunden in Kontakt treten wollen.