Primarschüler erleben Energie

STECKBORN. An der Primarschule in Steckborn läuft ein einzigartiges Projekt. Die Schüler erleben in Experimenten die Kraft von Sonne, Wind und Wasser. Gestern präsentierte Schulpräsident Pierre Léchot den Energie-Erlebnis-Raum der Öffentlichkeit.

Gudrun Enders
Drucken
Teilen
Experiment mit Solarzellen: Regierungsrätin Monika Knill und Andrea Paoli vom Kanton schauen Hana Steiger (l.) und Rebecca Dähler zu. (Bild: Donato Caspari)

Experiment mit Solarzellen: Regierungsrätin Monika Knill und Andrea Paoli vom Kanton schauen Hana Steiger (l.) und Rebecca Dähler zu. (Bild: Donato Caspari)

Der kleine, rote Rotor surrt. Die elfjährige Rebecca Dähler und die zehnjährige Hana Steiger halten ein Solarpanel unter die Leselampe. «Sie strahlt Licht ab, das dem Tageslicht ähnlich ist», erklärt Rebecca Dähler. Deshalb produziert das Panel Strom, der den Rotor antreibt. Unter einer anderen Lampe bewegt sich der Rotor viel langsamer. Beide Mädchen sitzen im Energie-Erlebnis-Raum der Primarschule Steckborn.

Regierungsrätin Monika Knill kam gestern extra nach Steckborn, um Schülern wie Rebecca Dähler und Hana Steiger über die Schulter zu gucken. Auch Andrea Paoli, Leiter Energie beim Kanton, fand sich ein, um der öffentlichen Vorstellung des Pionierprojektes beizuwohnen. Denn zwei Jahre lang entwickelte die Primarschule in Steckborn diesen Energie-Erlebnis-Raum. An 18 Stationen erleben die Primarschüler, was Sonne oder Wind vermögen. Sie berechnen die Zeit nach der Sonnenuhr, sie lesen ab, was die Solaranlage auf dem Dach des dritten Schulhauses leistet und sie zünden kleine Knaller mit einem Brennglas.

Früh Interesse wecken

Gerade dieser erlebnisorientierte Unterricht gefiel Monika Knill, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur. «Dies bleibt den Schülern am besten haften.» Das Thema überzeugt sie nicht nur wegen der zukünftig drohenden Energieknappheit. Ein zentrales Anliegen der Regierungsrätin ist es, Naturwissenschaften im Unterricht zu fördern.

Nicht nur Knill sieht im Steckborner Pionierprojekt einen Glücksfall. Ebenso begeistert zeigt sich Andrea Paoli vom Kanton. Für ihn ist wichtig, dass schon Schüler zum Thema Energie sensibilisiert werden. «Es wird jeder Beitrag nötig sein, um die Energiewende zu meistern.»

Viel Energie investiert

Wie viel Energie seitens der Lehrer und Berater hinter dem Projekt steckt, zeigte Schulleiter Markus Rüegge auf. Das Leitmotiv ist die Pädagogik zum Anfassen. Vor allem Heilpädagoge Adryan Rieder und Reiner Bodmer als Berater aus Kreuzlingen tüfteln an Unterlagen für die Experimente, damit auch Lehrer, die keine Freaks sind, damit ihren Unterricht bestreiten können. «Unser Projekt wird schon für die Lehrerausbildung herangezogen», sagt Schulpräsident Pierre Léchot. Gestern waren auch einige Vertreter der Pädagogischen Hochschule des Kantons anwesend.

Doch das Projekt würde nicht so gut funktionieren, gäbe es nicht noch einen weiteren Engagierten: Hauswart Rolf Fröhlich. Auch er nutzte gestern eine der Energie-Stationen. Er strampelte extra wild auf dem Rennvelo und erreichte erstmals seinen Rekord von 250 Watt. Zur Belohnung ertönte eine Pausenglocke.