Predigt-DVD von Islamist in Frauenfelder Briefkästen

FRAUENFELD. Zuerst fallen die roten Rosen auf. Solche Sträusse finden sich auf Glückwunschkarten, etwa zum Muttertag. Doch mit Glückwünschen hat die DVD wenig zu tun. «Islam – der wahre Weg» ist als Titel aufgedruckt. Auf diesen Weg sollen vier Vorträge des deutschen Konvertiten Marcel Krass weisen.

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Die DVDs mit Filmen von Predigten des Salafisten Marcel Krass wurden in Frauenfelder Briefkästen verteilt. (Bild: Archiv)

Die DVDs mit Filmen von Predigten des Salafisten Marcel Krass wurden in Frauenfelder Briefkästen verteilt. (Bild: Archiv)

Die DVD lag dieser Tage in mehreren Briefkästen in Frauenfeld. Der Mann, der den Ungläubigen den wahren Weg weisen will, ist Salafist und gilt als enger Weggefährte des deutschen Hasspredigers Pierre Vogel. Krass kommt aus Krefeld und ist von Beruf Ingenieur. Nachdem er zum Islam konvertierte, ist er mittlerweile zu einem der bekanntesten Prediger Deutschlands geworden. Vor allem auf YouTube ist er aktiv.

Auf der DVD sind denn auch vier Vorträge zusammengestellt, die auch auf YouTube zu finden sind. Die Botschaften von Krass kommen in einfachen Worten daher. Ohne den Islam seien die Menschen Suchende, die sich an vergängliche Güter klammern wie grenzenlosen Konsum, Karriere, Familie. Wer dagegen zum Islam gefunden habe, sei angekommen in seiner Heimat, er habe den Sinn des Lebens gefunden. «Das ist wie ein Handschuh, den man anzieht und er passt», sagt Krass.

Hajan war Fan

Krass spricht vor allem junge Menschen mit seiner Botschaft von der wahren Religion an. Gemäss Recherchen der «Weltwoche» sollen die Videos von Krass auch zur Radikalisierung des Winterthurer Kurden Hajan beigetragen haben. Hajan zog mit 20 Jahren in den Heiligen Krieg, den Jihad. Ende Januar soll Hajan im syrischen Kobane bei einem amerikanischen Luftangriff getötet worden sein.

Marcel Krass ist nicht so harmlos, wie er sich bei seinen YouTube-Predigten gibt. Seine Telefonnummer wurde im Nachlass eines der Piloten gefunden, die an den Terroranschlägen des 11. September 2001 beteiligt waren. Ein Verfahren gegen ihn wurde eingeleitet, aber wieder fallen gelassen. Krass selber sagt über die Beziehung zum Piloten: Es habe sich nur um eine Bekanntschaft gehandelt, wie sie für Moslems üblich sei. (san)