Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Prächtiges Flussleben am «Totarm»

Der Alte Rhein erhält von der Internationalen Rheinregulierung eine spannende Buchwürdigung: Auf 250 Seiten schildern Geologen, Historiker, Umweltexperten, Politiker und Techniker den Lebensraum eines Flusses, der seit 1900 neben dem «neuen» Rhein ein Schattendasein fristet.
Marcel Elsener
Einladender Blick auf dem Buchumschlag: Luftbild von der Mündung des Alten Rheins mit dem modernen Hafen. (Bild: Tino Dietsche)

Einladender Blick auf dem Buchumschlag: Luftbild von der Mündung des Alten Rheins mit dem modernen Hafen. (Bild: Tino Dietsche)

Ein Buch über den Alten Rhein? Na ja, könnte man denken, es dürfte nicht viel zu sagen geben über das Rinnsal, das seit der Umleitung des Rheins im Schatten des Hauptflusses träge dahinfliesst und ziemlich brutal als «Totarm» bezeichnet wurde. Und dann wird die Sache auch noch von der Internationalen Rheinregulierung herausgegeben – gewiss ein Werk für Fachleute, mit haufenweise wasserbaulichen Ausdrücken wie Durchstichausleitung und Rückstaubereich.

Alles falsch gedacht, das Gegenteil ist der Fall: Das Buch «Der Alte Rhein – unser Lebensraum» ist ein prächtiger Bildband, eine wunderbare Stimmen- und Geschichtensammlung und ein vor Informationen strotzendes Nachschlagewerk, das in jede Stube von Altenrhein bis Diepoldsau gehört und sowieso in jede Schulbibliothek. Freilich kommen technische Fachbegriffe wie die erwähnten darin vor, aber die Aufsätze der Ingenieure sind allgemein verständlich geschrieben und machen nicht einmal einen Viertel der fast 250 Buchseiten aus.

Eintauchen mit Hecht

Beim Durchblättern wird jeder sofort in sein bevorzugtes Interessengebiet, um nicht zu sagen Gewässer eintauchen – und so beim doppelseitigen Hecht hängen bleiben, oder bei den katastrophalen Überschwemmungen des späten 19. Jahrhunderts, die letztlich alle Streitigkeiten um Durchstichvarianten beseitigten. Oder man hält sich an die geologischen und historischen «Vorläufe» von Oskar Keller und Markus Kaiser und lässt sich zunächst den Namen erklären: Indem der alte Lauf des nach Fussach-Hard umgeleiteten Flusses «Alter Rhein» benamst wurde, kam laut Kaiser wieder ein historischer Name zu Ehren – Alter Rhein hiess der Mündungsarm des Rheins, der noch um 1500 südlich der Ortschaft Altenrhein gegen Staad floss und gegen 1800 im Buriet verlandete. Wobei das Dorf Altenrhein damals «Im Vornächtigen Rhein» hiess, gemäss einem alten Wort für vorgestern. Wie liest man an anderer Stelle: Der Alte Rhein, wie die zwölf Kilometer des abgeschnittenen Seitenarms vom Bruggerhorn bis zum Rheinspitz des abgeschnittenen Seitenarms bezeichnet werden, ist eben kein Sprössling, sondern ein Vorfahre des Rheins.

Verpflichtung von 1892 erfüllt

Anschaulicher Geschichtsunterricht, verbunden mit einem unheimlichen Ausblick in die Zukunft (so fülle der Rhein mit seinem Schwemmgut in wenigen zehntausend Jahren den Obersee auf) und reichen Einblicken in die Gegenwart der 25 000 Menschen, die in den Gemeinden St. Margrethen, Rheineck, Thal, Höchst und Gaissau leben. Darunter markant beschnauzte Typen wie der Berufsfischer Roger Welti und der Rheinspitz-Landwirt Sepp Keel, dessen Hochlandrinder die Mündung des Alten Rheins säubern: «Diese Tiere fressen fast alles – von aufkommenden Silberweiden über Brombeeren bis zu standortfremden Eindringlingen wie der Kanadischen Goldrute oder dem Japanischen Springkraut.»

Interviews, die Spaziergänger und Naturschützer ebenso interessieren dürften wie Schüler; ja, das Buch funktioniert auch für Kleine, wenn es auch nicht das Kinderbuch geworden ist, als das es einst angedacht war. Vielmehr ist das vorliegende Werk ein Geschenk ans grosse Publikum, über die Region hinaus; entstanden aus Anlass einer erfüllten Verpflichtung, wie Daniel Dietsche, Schweizer Rheinbauleiter, erklärt. Im Staatsvertrag von 1892 hatte die Schweiz die Aufgabe übernommen, für die Entwicklung des Alten Rheins zu sorgen. Nun brauchte es, so Dietsche im Vorwort, «enorme Anstrengungen, um angesichts der vielfältigen Nutzungsinteressen den einzigartigen Natur- und Erholungsraum zu schützen». Von 2005 bis 2015 hat die Rheinregulierung mit einem kostspieligen Gestaltungsprojekt ihre Aufgabe getan und kann das Gebiet 2017 an die Anrainer übergeben. Die Schweiz soll dann aus der Verpflichtung des 1. Staatsvertrages entlassen werden.

Nur eine Momentaufnahme

In einem Flussgebiet liegt Heraklits berühmter Spruch «Alles fliesst» auf der Hand: Die Herausgeber – neben Dietsche namentlich der langjährige Vorarlberger ORF-Studioleiter Adi Fischer – betonen denn auch, dass ihr Buch die Veränderungen dokumentiere und eine Momentaufnahme sei. Ein nettes Understatement, denn zumindest für aktuelle Zeitgenossen ist es ein Werk für die «Ewigkeit». Packenden Lesestoff bieten alle vier Abschnitte (Geologie/Geschichte, Natur, Technik, Begegnungen) – wie die Story der vielen Amerika-Auswanderer aus Höchst oder die Vision des Rheinschiffhafens in St. Margrethen.

Allein in letztgenanntem Ort, wo die Rheinregulierung ihre Büros hat und dessen Gemeindepräsident einen Beitrag über die Autobahn beisteuert, dürfte das Buch zum Knüller werden. Erst recht angesichts des günstigen Preises. Wetten, dass die bescheidene erste Auflage von 1500 Stück vor Weihnachten weg ist?

Das Buch ist zu Fr 30.– erhältlich bei der Rheinregulierung, Parkstr. 12, 9430 St. Margrethen, sowie in ausgewählten Buchhandlungen. Website IRR: www.rheinregulierung.org

Lauschiger Sportplatz: Rudern in schöner Flusslandschaft. (Bild: Reinhard Mohr)

Lauschiger Sportplatz: Rudern in schöner Flusslandschaft. (Bild: Reinhard Mohr)

Belegschaft vor dem Probeflug zur Belastungsprobe der Dornier X. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen/Firmenarchiv FFA)

Belegschaft vor dem Probeflug zur Belastungsprobe der Dornier X. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen/Firmenarchiv FFA)

Erfolg des Naturschutzes: Der Eisvogel ist zurückgekehrt. (Bild: Eric Sauser)

Erfolg des Naturschutzes: Der Eisvogel ist zurückgekehrt. (Bild: Eric Sauser)

Überschwemmung im Jahr 1868 am Rhein bei Au (Aquarell). Ganz links wird die beschädigte Bahnbrücke wiederhergestellt. (Bild: Privatbesitz, Reproduktion Staatsarchiv St. Gallen)

Überschwemmung im Jahr 1868 am Rhein bei Au (Aquarell). Ganz links wird die beschädigte Bahnbrücke wiederhergestellt. (Bild: Privatbesitz, Reproduktion Staatsarchiv St. Gallen)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.