Potenzial und den Austausch fördern

Die Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin bei der Behandlung von Urogenitalbeschwerden stand im Zentrum des zweiten Tages der Komplementärmedizin im Thurgau im Kantonsspital Frauenfeld.

Margrith Pfister-Kübler
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Sie diskutierten am Podium zur Komplementärmedizin: Edith Graf-Litscher, Claudia Schmid, Christian Wyss, Marlies von Siebenthal, Marianne Gamper und Matthias Heiliger. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Sie diskutierten am Podium zur Komplementärmedizin: Edith Graf-Litscher, Claudia Schmid, Christian Wyss, Marlies von Siebenthal, Marianne Gamper und Matthias Heiliger. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

FRAUENFELD. «Wir müssen die Zusammenarbeit stärken und ausweiten», sagte SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Präsidentin von Komed Regio Thurgau, dem Dachverband für Komplementärmedizin, am Freitag den knapp 40 weiterbildungsfreudigen Fachpersonen an der zweiten Thurgauer Tagung für die Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin im Kantonsspital Frauenfeld.

Thurgau ist vorbildlich

Edith Graf-Litscher wies auf den grossen Druck im Gesundheitswesen hin und lobte, dass im Thurgau die Umsetzung des Verfassungsartikels zur Berücksichtigung der Komplementärmedizin auf verschiedenen Ebenen vorbildlich läuft. «Der Austausch ist wichtig, das Kantonsspital Frauenfeld wirkt hier integrierend», betonte die Thurgauer Nationalrätin. Das Besondere, das Aussergewöhnliche bildeten an dieser Weiterbildung die Referate und die anschliessenden persönlichen Gespräche und das Podium. Alle Referate befassten sich mit Urogenitalbeschwerden. Weil Co-Chefarzt Frauenklinik, Volker Viereck, wegen einer Notfalloperation nicht referieren konnte, übernahm Marianne Gamper, wissenschaftliche Projektleiterin der Frauenklinik Kantonsspital Frauenfeld. Sie zeigte Erfahrungswerte über chronische Blasenbeschwerden und den grossen Stellenwert der Komplementärmedizin auf.

Genaue Absprachen wichtig

Marlies von Siebenthal, Leitende Fachfrau für Blasen- und Intimbeschwerden, sprach über schmerzhafte Zustände im Intimbereich: Von Harninfekten bis zu Beckenschmerzsyndrom. Auch sie hob hervor: «Es braucht ein erfahrenes Team von Ärzten, Naturärzten, Pflegefachfrauen, Physio- und Psychotherapeuten sowie Therapeuten für Komplementärtherapien. Wichtig ist dabei, dass diese sich genau absprechen.»

Matthias Heiliger, Medizinischer Direktor Institut für angewandte Biochemie, Kreuzlingen, zeigte auf, wie der Darm als grosses Störfeld in der Kausalität zu symptomatischen Krankheitsbildern im Urogenitalbereich wirkt. Auch Heiliger setzt auf ganzheitliche Diagnostik und personifizierte Therapie, damit das Gleichgewicht der Regulation stimmt: Er sagte: «Der Darm fordert uns, komplex zu denken.» Claudia Schmid, Fachärztin FMH für Anästhesiologie, Akupunktur am Kantonsspital Frauenfeld, spannte die Brücke «Selbstheilungskraft» zwischen Schul- und Komplementärmedizin. Drogist Christian Wyss, der seit 20 Jahren mit dem Spital Frauenfeld zusammenarbeitet und spezielle Essenzen «personifiziert» entwickelt, betonte, dass für jeden Patienten ein spezielles Anwendungsprogramm abgegeben werden muss. Es gibt keine Knopfdrucklösungen.

Auf alle Symptome achten

Im abschliessenden Podium unter der Leitung von Andreas Schmid, Geschäftsführer Komed Region Thurgau, wurde deutlich, dass die Elemente aus verschiedenen medizinischen Richtungen auf alle Symptome, die Aufschluss über die Funktion der Lebenskräfte geben, achten. Denn das Zusammenwirken aller für eine natur- und menschengemässe Medizin bereichere das Wohlbefinden. Die Entwicklung gehe so schnell und an so vielen Fronten voran, dass aufklärende Vorträge und das gegenseitige Kennenlernen zum Wohl der Patienten dringend genutzt werden müssen, davon zeigten sich alle überzeugt.