POLITIK: Grosser Rat fordert Fachhochschul-Filiale

Der Thurgauer Grosse Rat ist gespalten, wie die Fachhochschullandschaft Ostschweiz künftig organisiert werden soll. Einigkeit herrscht darin, dass ein Ableger einer solchen Hochschule dem Kanton gut anstünde.

Sebastian Keller
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Eine Delegation des St. Galler Kantonsratspräsidiums verfolgt die Debatte im Thurgau. In der Mitte Präsident Ivan Louis. (Bild: Donato Caspari)

Eine Delegation des St. Galler Kantonsratspräsidiums verfolgt die Debatte im Thurgau. In der Mitte Präsident Ivan Louis. (Bild: Donato Caspari)

Ein Recht zur Mitsprache haben sie keines. Mitgeredet haben sie trotzdem. In der Frage der künftigen Struktur der Fachhochschulen (FH) in der Ostschweiz zählt der Grosse Rat nicht zu den Entscheidern. Durch eine Interpellation von Stephan Tobler (SVP, Egnach) kam das Thema trotzdem ins Parlament. Und die Diskussion fand Gehör über die Kantonsgrenze. Das Präsidium des St.Galler Kantonsrates weilte auf den Zuschauerrängen. Im Gegensatz zum Thurgauer Parlament bestimmt das St.Galler die künftige FH-Struktur.

Im Kern dreht sich die Diskussion darum, ob alle drei Fachhochschulen auf St.Galler Boden fusionieren sollen oder lediglich zwei. Die Haltung des Standortkantons St.Gallen ist klar: Die Regierung favorisiert eine Schule mit weiterhin drei Standorten. Wie gestern bekannt wurde, ist dies auch die Meinung der vorberatende Kommission des St.Galler Kantonsrates (siehe Box). Die Thurgauer haben eine andere Vorstellung: Eine Fusion der Schulen FHS in StGallen und NTB in Buchs sowie die Eigenständigkeit der HSR in Rapperswil.

Diskussion über die richtige regionalpolitische Optik

Interpellant Stephan Tobler begründete, wieso die Diskussion wichtig sei. «Die Ostschweiz hat an wirtschaftlicher Attraktivität und Kraft verloren.» Damit verbunden sei ein Braindrain – also die Abwanderung gut ausgebildeter Fachleute. Die Haltung der Regierung teilte er nicht. Diese gewichte regionalpolitische Überlegungen zu hoch. «Denken Sie überregional», forderte sein Parteikollege Urs Martin (SVP, Romanshorn). Er fragte, ob die Ostschweizer Zusammenarbeit nur funktioniere, wenn man gemeinsam darüber jammern könne, dass man wieder keinen Bundesrat stellen könne. Auch Joe Brägger (GP, Amriswil) fragte, ob denn nicht eine organisatorisch vereinte Schule mehr Gewicht hätte – auch gegenüber anderen Regionen. Die Regierung vernahm aber auch Rückhalt. Reto Lagler (CVP, Ermatingen) sagte namens der CVP/EVP-Fraktion, dass ein gutes Angebot an Fachhochschulen in der Ostschweiz wichtig sei. «Das ist nicht so sehr von der Struktur abhängig.»

Das befand auch Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld): «Die Beteiligung des Thurgaus ist in jedem Fall zentral», bekräftigte er. Cornelia Hasler. (FDP, Aadorf) stärkte dem Regierungsrat den Rücken: «Aus unserer Sicht sollen zwei Trägerschaften gebildet werden, dann hätte der Thurgau mehr Mitspracherecht.» Dafür votiere auch die EDU-Fraktion, wie Marlise Bornhauser (Weinfelden) sagte. Bei einer Grossschule hätte der Thurgau lediglich einen Sitz im 15-köpfigen Hochschulrat; der Kanton St. Gallen acht. «Wir freuen uns, dass der Stellenwert anerkannt wurde», sagte Walter Hugentobler (SP, Matzingen). Die SP unterstütze deshalb die Forderung der Thurgauer Regierung. Reto Ammann(GLP, Kreuzlingen) war derselben Meinung. Er argumentierte, auch wenn sich der Kanton St.Gallen vorerst für zwei Schulen entscheide, sei eine spätere Zusammenlegung aller nicht ausgeschlossen.

Regierung soll sich für Ableger im Kanton einsetzen

Eine Forderung kam aus mehreren Richtungen, jene nach einem Standort im Kanton. Reto Ammann sagte, ein neues FHS-Institut würde am «besten auf Thurgauer Boden» entstehen. Clemens Albrecht (SVP, Dussnang) brachte gleich einen Vorschlag ein: das Gebiet Wil West. «Wenn wir die zukünftigen Fachleute hier ausbilden, ist die Chance höher, dass sie auch bleiben», sagte er. Eine Abwanderung nach Zürich könne so eher verhindert werden», meinte Cornelia Hasler.

Stephan Tobler forderte von der Regierung, sie möge sich für eine Erweiterung der FHS in den Thurgau einsetzen. Bildungsdirektorin Monika Knill meinte, der «Braindrain» lasse sich nur «bescheiden aufhalten». Bei den Fachhochschulen herrsche «volle Freizügigkeit». Heute studieren die meisten Thurgauer an der ZHAW in Winterthur. Knill betonte, dass es auch dem Thurgau daran gelegen sei, den FH-Standort Ostschweiz zu stärken. Hierbei herrsche Einigkeit mit St. Gallen. Uneinig sei man über den Weg. Deutlich machte sie: «Der Thurgau steht für eine mitträgerfinanzierte Kantonalisierung nicht zur Verfügung.»

St.Galler Weg bekräftigt

Die St.Galler Regierung will die drei Fachhochschulen Rapperswil, Buchs und St.Gallen unter einem Dach zusammenschliessen. Die Trägerschaft soll interkantonal organisiert sein. Die vorberatende Kommission des St.Galler Kantonsrats unterstützt dieses Vorhaben, wie sie gestern bekannt gab. Nur mit diesem Modell könnten die Fachhochschulen der Ostschweiz eine respektable Grösse erreichen, erklärte Kommissionspräsident Peter Hartmann (SP). Dadurch werde man sowohl für Studenten wie auch für Dozenten attraktiver. «Daran sind wir bisher gescheitert», meinte Hartmann mit Blick auf die Studentenzahlen. (red)