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Poesie des Alltags

David Lang erzählt musikalische Geschichten über die Nacht, das Daheimsein und Smileys. Sie sind Teil seines neuen Programms «Mondjammern».
Mathias Frei
Kurz vor dem Start des neuen Soloprogramms «Mondjammern»: der Sänger und Pianist David Lang. (Bild: PD)

Kurz vor dem Start des neuen Soloprogramms «Mondjammern»: der Sänger und Pianist David Lang. (Bild: PD)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die Nacht war schon vielen Künstlern Inspiration. «In Berlin habe ich oft um 3 Uhr morgens komponiert», sagt David Lang. Mittlerweile ist der Liederpoet, gewissermassen Liedermacher, wieder zurück im Thurgau – in Mammern, wo er aufgewachsen ist. Er, klassisch ausgebildeter Tenor, der sich selber am Klavier begleitet, hat einen neuen Zugang gefunden zur dunklen Zeit des Tages – und seine Gedanken und Erfahrungen dazu im neuen Soloprogramm «Mondjammern». Es ist sein mittlerweile fünftes eigenes Programm. In knapp zwei Wochen startet die Tournée im Stettfurter Kulturkeller. Die Premiere ist bereits ausverkauft.

Die Texte sind Lang in seinen Soloprogrammen nicht weniger wertvoll als die Musik. Neu ist bei «Mondjammern», dass er nur noch in Hochdeutsch und Thurgauer Dialekt Texte schreibt. Früher hat er auch auf Englisch, Französisch und Italienisch gesungen. «Diese Sprachen sind zwar vom Klang her geeignet, aber schlau zu texten, ist schwieriger», sagt Lang. Und genau das ist dem Geschichtenerzähler Lang wichtig, der feinsinnige Tiefgang, der gepflegte Humor, der ambitionierte Sprachwitz. In den 1930er-Jahren gaben die klassischen Stimmen der Comedian Harmonists kleine, feine Musikgeschichten zum Besten, heute tut es ihnen etwa der deutsche Bariton Max Raabe gleich.

Hundekot, nackte Männer und eine Art Heimat

Es sind nicht die grossen Themen, die Lang interessieren. Er sucht die kleinen, authentischen Geschichten des Alltags, das ungeschminkte Moment. Wovon Lang singend erzählt, kennt jedermann. Es geht um das Kribbeln in den Fingern, wenn man wach liegt, um die allgegenwärtigen Smileys, um einen Zugang zum Begriff Heimat, der nicht überhöht daherkommt. Lang wirft einen Blick auf das Einsammeln von Hundekot als Sinnbild für das Repetitive und auf einen Mann, der nachts nackt und einsam in seinem Büro tanzt.

Die deutsche Sprache schätze er aufgrund ihrer Präzision, weil sie gute Rhythmen aufweise und auch mal kantig sei. «Es darf ab und zu auch schön sein», sagt Lang – und sucht sich zugleich ganz eigene Wörter für das etwas raueren Thurgauerdeutsch. Zum Beispiel «modrig», ein Wort aus dem Jagdjargon, wenn ein Tier nicht mehr bei Kräften ist. «Der Thurgauer Dialekt ist noch ein offenes Feld.»

Die meisten Lieder von «Mondjammern» sind noch in Berlin entstanden. Seine Musik habe an Kontur und Profil gewonnen, die Liedformen, Melodien und der Charakter seiner Stimme seien klarer geworden. Berlin war eine Erfahrung wert. Er höre differenzierter als vorher. Die vielen Singer/Songwriter waren ihm zwar bald leid. Dafür vergnügte er sich bei Jazz-Operetten und schaute über den Tellerrand, zum Beispiel Richtung Tanz. Seit letztem Herbst ist Lang zurück. Er wusste, dass er nach Berlin wollte und er wusste, dass er zurück in den Thurgau wollte. Am Untersee spürt er die geerdete Landschaft und Menschen, muss weniger filtern. «Daheim bin ich dort, wo mein Klavier steht», sagt er. Jetzt wieder in Mammern.

Die Ostschweizer «Mondjammern»-Konzerte: 16.2., Kulturkeller, Stettfurt (ausverkauft); 17.2., Alte Kaserne, Winterthur; 22.2., Kanti-Singsaal, Frauenfeld; 23.2., Rathaussaal, Weinfelden; 1.3., Bistro Dimensione, Winterthur; 9.3., Kulturforum, Amriswil; 10.3., Fassbühne, Schaffhausen. www.davidlang.ch

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