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PODIUM: Das Phantom der Ostschweiz

Politiker aus St. Gallen, dem Thurgau und beiden Appenzell diskutierten an der ersten Eco-Ost-Arena über die Stärken und Schwächen der Region. Ein gemeinsamer Nenner wird weiter gesucht.
Sabrina Bächi
Die beiden Chefredaktoren Stefan Schmid vom «St. Galler Tagblatt» (links) und David Angst von der «Thurgauer Zeitung» führten durch das Podiumsgespräch, an dem vier Regierungsräte und eine Ständerätin beteiligt waren. (Bild: Reto Martin)

Die beiden Chefredaktoren Stefan Schmid vom «St. Galler Tagblatt» (links) und David Angst von der «Thurgauer Zeitung» führten durch das Podiumsgespräch, an dem vier Regierungsräte und eine Ständerätin beteiligt waren. (Bild: Reto Martin)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Steckt die Ostschweiz in einer Krise? Diese Frage stellten sich Politiker bei der ersten Eco-Ost-Arena in Romanshorn. Eine Podiumsveranstaltung mit Vertretern der vier Ostschweizer Kernkantone St. Gallen, Thurgau und beide Appenzell wollte dem Phantom Ostschweiz auf den Grund gehen. Initiiert hatten die Veranstaltung die beiden Industrie- und Handelskammern (IHK) Thurgau und St. Gallen-Appenzell (Ausgabe von gestern). Vorgestellt wurde ein neu lancierter Monitor, der den 150 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik vor Augen führte, dass die Ostschweiz in den Bereichen Bevölkerung, Beschäftigung, Export und Steuerbasis zurückliegt. Ein düsteres Bild einer zurückgebliebenen Ostschweiz? Ganz so schwarz wollte es der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth in seinem Referat nicht sehen. Er warnte vielmehr vor der inneren Schwäche der Beteiligten: Kantonale Befindlichkeiten hätten in einer Diskussion um die Ostschweiz nichts zu suchen, wenn eine effiziente Zusammenarbeit angestrebt werde. Würth warnte deshalb vor, wie er sie nennt, «10 mentalen Fallen». Damit sprach er etwa das verkrampfte Verhältnis zwischen den Kantonen Thurgau und St. Gallen an.

Aus nationaler Sicht stellte sich die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli die Frage nach der Quantität: Wie viel Ostschweiz braucht die Schweiz? Dabei kam sie zum Schluss, dass die Zusammenarbeit in Bundesbern zwischen Ostschweizer Kantonen wohl sehr gut, aber eher im Verborgenen funktioniere. «Mehr Selbstbewusstsein würde uns gut tun», sagte sie. Häberli spricht an, was in der folgenden Podiumsdiskussion ein grosses Thema darstellte: Hat die Ostschweiz ein Problem mit sich selbst?

Diplomatischer Anfang, hitziger Schluss

Wenn eine Gemeinsamkeit alle fünf Podiumsgäste an diesem Abend vereinte, dann sind es ihre Erfahrungen mit Ostschweizer Grenzgebieten. Fast alle sind nur unweit einer Kantonsgrenze aufgewachsen. Der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark etwa verbrachte seine Kindheit nur 500 Meter von der St. Galler Grenze entfernt und ist Bürger von Hohentannen im Thurgau und Teufen im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Zunächst wurden denn auch die Gemeinsamkeiten hervorgehoben, die Zusammenarbeit als «tipptopp» bezeichnet. Trotzdem zeigte die teilweise hitzige Diskussion, dass alle Politiker hauptsächlich für ihren eigenen Kanton einstehen. «Selbstverständlich denke ich zuerst an meinen Kanton, das erwarten die Wähler auch von mir», sagte Ständerätin Brigitte Häberli. Weil jedoch die beiden Appenzell schon eher daran gewöhnt sind, St. Gallen den Vortritt zu überlassen, öffnete sich der Ostschweizer Bratwurstgraben vor allem zwischen St. Gallen und dem Thurgau. Das Bild von einem einig Volk von Ostschweizern bröckelte in der Debatte immer wieder. «Etwa beim Metropolitanraum wären wir gerne früher im Boot gewesen», sagte Jakob Stark.

Rivalitäten finden sich auch in der Verkehrspolitik. Doch gerade bei nationalen Themen soll die Abstimmung und Zusammenarbeit künftig besser funktionieren, so der Konsens. Landammann Paul Signer brachte gar die Idee einer Regierungsratskonferenz der vier Kantone zu Sprache. Denn die Appenzeller setzen sich verhältnismässig wenig mit dem Thurgau auseinander. Das soll dem Phantom Ostschweiz etwas mehr Kontur und ein stärkeres Gewicht verleihen. Denn wenn es darauf ankomme, sind sich die Politiker einig, funktioniere die Zusammenarbeit auch. «Wie bei einer guten Ehe gehören Konflikte einfach dazu», sagte der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth.

Bei der Fachhochschule scheiden sich die Geister

Beim Thema der Fachhochschule zeigten sich die Differenzen erst richtig. «Der Thurgau will eine gleichberechtigte Mitbestimmung, sonst kommen wir uns vor wie Milchkühe, weil wir jedes Jahr noch draufzahlen», sagte der Thurgauer Regierungsrat Stark. Die Problematik dabei: Auf der einen Seite St. Gallen, das sich als Zentrum behaupten will und soll, auf der anderen der Thurgau, der einen Austausch und Mitbestimmung will. Mittendrin die Appenzeller, die sich längst mit der Realität abgefunden haben, dass ihr Zentrum St. Gallen ist. Für die gesamte Ostschweiz habe St. Gallen jedoch «den Anschluss verpasst, ein starkes Zentrum zu sein», sagte Landammann Daniel Fässler.

Am Ende hinterlässt die Podiumsdiskussion mehr Fragen als Antworten. Klar ist vor allem eines: Der Ostschweizer Bratwurstgraben besteht in den Köpfen. Ein gemeinsames Bewusstsein, einen gemeinsamen Nenner und eine selbstbewusste Stimme soll es für die Ostschweiz geben. Das gegenseitige Verständnis soll wachsen und die ­unterschiedlichen Interessen zusam­menführen. Nicht zuletzt soll so die Stärke der Ostschweiz nach aussen getragen werden können, darin sind sich die Politiker einig.

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