PODIUM: Angst vor neuen Vorschriften

Befürworter und Gegner eines möglichen Naturparks im Zürcher Berggebiet und in den Hinterthurgauer Gemeinden Fischingen und Bichelsee-Balterswil diskutierten.

Ruth Bossert
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Die liebliche Landschaft bietet sich für einen regionalen Naturpark an. In der Landwirtschaft stösst die Idee indes auf wenig Begeisterung. B (Bild: ild: Olaf Kühne (Juni 2014))

Die liebliche Landschaft bietet sich für einen regionalen Naturpark an. In der Landwirtschaft stösst die Idee indes auf wenig Begeisterung. B (Bild: ild: Olaf Kühne (Juni 2014))

Ruth Bossert

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Auch wenn das Podium öffentlich ausgeschrieben war: Die Landwirte der Interessengemeinschaft «Grundeigentümer, Bewirtschafter und Einwohner im Bachtelschutz-Perimeter» blieben in Hinwil unter sich.

Rund 40 Mitglieder hielten vorgängig ihre Generalversammlung ab und durften danach den zwei Befürwortern, Ernst Koch, Präsident von Pro Zürcher Berggebiet (PZB), und Michael Dubach, Regionalmanager PZB, und den beiden Kontrareferenten Bruno Schweizer und Ruedi Lieberherr, Gegner des Naturparks Neckertal, die brennendsten Fragen stellen. Als Moderatorin führte Kantonsrätin Ruth Frei (SVP, Wald) das Gespräch und wollte als erstes wissen, wer denn nun 2014 das Projekt Naturpark im Neckertal gebodigt habe. «Es war die Landwirtschaft, aber auch das Gewerbe», sagte Schweizer. Hingegen war man sich bei den Gewerblern lange nicht sicher, weil sie sich erst nach der Abstimmung dazu äusserten. Bauern hätten sich immer so geäussert, dass sie lieber produzierten als Geld abzuholen.

Im Neckertal seien sich die Bauern schon früh einig gewesen, dass die Landwirtschaft bereits überreguliert sei und sie nicht noch mehr Bevormundungen wollen. Bundesgelder seien immer auch mit Gegenleistungen verbunden, erklärte Schweizer. Das Ziel des Bundes sei, 17 Prozent der Schweiz unter Schutz zu stellen, deshalb würde ein Naturpark zu mehr extensiver Landwirtschaft führen. Die Anwesenden applaudierten. Während Ernst Koch erklärte, die neuen Schutzflächen hätten nichts mit dem Naturpark-Instrument zu tun, gab er den Bauern zu verstehen, dass er als Landwirt auch die andere Seite der Medaille sehe. Er zeigte aber auch die positiven Aspekte der Fördergelder und der Vermarktung mit einem starken Label.

«natürli» ist schon eine starke Marke

Über das geplante Punktesystem für eine intakte Landschaft könne man noch keine abschliessende Antwort geben. Im Kanton Schaffhausen konnten hingegen dank des Naturparks Projekte ermöglicht werden, die durchaus Bestandteil einer etablierten Landwirtschaft seien. Dubach wurde gefragt, weshalb man denn unbedingt diesen Park wolle, man sei doch als Marke «natürli» schon sehr gut unterwegs? «Verbesserungspotenzial ist immer vorhanden», so Dubach.

An verschiedenen Beispielen könne nachgewiesen werden, dass Naturpärke wirtschaftliche und insbesondere touristische Impulse auslösen. Für Dubach ist wichtig, dass man «Herr der eigenen Dinge» bleibt. Die verschiedenen Regionalförderprojekte laufen weiter, doch wie lange die Gelder noch so fliessen, wisse niemand, warf Koch ein.

«Was machen wir mit den Wintertouristen, die unsere Schlittelbahnen benutzen und Parkplätze und Strassen verstopfen?», fragte ein Anwesender. Dubach verwies auf Lenkungsmassnahmen, die nötig würden. Ein anderer Landwirt findet es schlecht, dass Pro Natura in der 20-köpfigen Begleitgruppe mit allen Branchen- und Interessenvertretern mitmacht. Für ihn war klar: «Das kann nie gut herauskommen, ein Naturpark ist politischer Naturschutz in Reinkultur, wollen wir denn das?» Schliesslich sagte ein Anwesender aufgebracht: «Ein Naturpark will die Landwirtschaft unter Schutz stellen, wir werden bevormundet und zudem wird uns das Geld aus dem Sack gezogen. Es bringt nichts und kostet nur, basta!» Wieder klatschen die Anwesenden. Michael Dubach relativierte, dass die Mittel in Projekte vor Ort fliessen, zudem hätte das Zürcher Berggebiet das kleinste nationale Parkbudget. Er rät, die bestehenden Naturpärke zu besuchen, mit den Leuten vor Ort zu sprechen und sich dann selber eine Meinung zu bilden.