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Plötzlich ging der Schlagbaum hoch

Die Frauenfelder Augenärzte Heike Petersen und Uwe Genth haben vor 25 Jahren miterlebt, wie die Mauer fiel. In Berlin habe eine überbordende Stimmung geherrscht. Die Tage davor seien in der DDR kritisch gewesen.
Inge Staub
In ihrer Praxis schauen die Augenärzte Heike Petersen und Uwe Genth auf die Ereignisse vor 25 Jahren zurück. (Bild: Nana do Carmo)

In ihrer Praxis schauen die Augenärzte Heike Petersen und Uwe Genth auf die Ereignisse vor 25 Jahren zurück. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. «Ich habe ganz grosse Geschichte erlebt.» In ihrer Praxis in Frauenfeld erinnert sich die Augenärztin Heike Petersen an die Tage im November 1989, die Deutschland veränderten. Nach Demonstrationen der Bevölkerung öffnete die DDR am 9. November die Grenzen. Noch in der selben Nacht fiel die Mauer, die 28 Jahre lang Ost- und Westdeutsche getrennt hatte.

Westradio sendet

Das ist 25 Jahre her. Heike Petersen absolvierte damals die klinische Ausbildung ihres Medizinstudiums an der Universitätsklinik in Dresden: «Es war ein Mittwochabend. Ich hielt mich im Studentenwohnheim auf.» Westfernsehen konnte man dort nicht empfangen, jedoch westdeutsche Radiosender. Darüber erfuhr sie, dass in Ostberlin Tausende an den Grenzübergängen standen. «Am Morgen kam dann die Meldung, dass die Grenze gefallen ist. Wir versuchten an Informationen zu kommen und glaubten es erst, als auch der DDR-Rundfunk den Mauerfall bestätigte.»

Dennoch ging Heike Petersen zur Arbeit. «Ich war für eine Operation eingeteilt. Ich konnte doch nicht einfach davonlaufen.» An ihrem ersten freien Tag, am Samstag, fährt die damals 25-Jährige nach Berlin. Sie passiert mit Tausenden anderen die Grenze. «Als ich da in Westberlin stand, war ich zunächst fassungslos, dass das möglich war. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, hier passiert grosse Geschichte.» In ganz Berlin habe eine überbordende Stimmung geherrscht. Berlin sei ein einziges Fest gewesen. «Pizzerien verteilten gratis Pizzas auf den Strassen, andere brachten Getränke.»

Putin war in Dresden

Heike Petersen fuhr zurück nach Dresden. Und ging weiter ihrer Arbeit nach. Die ersten Tage seien voller Ungewissheit gewesen. «Wir wussten nicht, bleibt das so? Wie geht es weiter?» Die Ärztin empfand es als Glück, dass der Aufstand der Menschen in der DDR nicht mit Waffengewalt niedergeschlagen worden war. «Die Tage vor dem Mauerfall waren sehr kritisch.»

Wie in Leipzig fanden auch in Dresden Montagsdemonstrationen statt. «Dabei wurden immer viele Teilnehmer verhaftet. Es kam öfter vor, dass Ärzte am Dienstagmorgen nicht zur Operation kamen, weil sie im Gefängnis sassen. Unser Chef musste dann telefonieren, damit sie wieder freikamen.» Heikel war die Lage in Dresden auch deshalb, weil sich dort sowjetische Kasernen befanden. Auch der KGB hatte eine Niederlassung. Einer seiner Agenten in Dresden war der heutige russische Präsident Wladimir Putin.

Heike Petersen erinnert sich an die Kerzen in den Fenstern und auf der Ruine der Frauenkirche – Symbole für den Widerstand. Der Widerstand gegen die Staatssicherheit ist auch ein Teil ihrer Geschichte.

Die Stasi teilte ihr mit, sie bekomme nur dann einen Studienplatz, wenn sie für sie arbeite. Die junge Frau lehnte mehrfach ab. Sie arbeitete zwei Jahre lang in der Pflege, bis ihr Wunsch zu studieren von den DDR-Behörden goutiert wurde.

Heike Petersen blieb auch nach der Wende in der Stadt an der Elbe. An der Universitätsklinik machte sie ihre Facharztausbildung. Dort lernte sie ihren Mann Uwe Genth kennen, mit dem sie seit 2006 das Augenzentrum in Frauenfeld führt.

Uwe Genth studierte in Westberlin. Er stand in der Nacht vom 9. auf den 10. November am Zollhäuschen in Berlin-Neuköln. «Von allen Seiten strömten die Massen an die Grenze. Plötzlich ging der Schlagbaum hoch. Es war, als wenn man in der Badewanne den Stöpsel zieht. Es gab kein Halten mehr», sagt er. In dieser Nacht und den Tagen danach habe sich in Berlin ein Gefühl der Verbundenheit zwischen Ost und West verbreitet, wie es es später nicht mehr gegeben habe. Noch gut kann sich Uwe Genth an die Feststimmung erinnern. An das Konzert, das Udo Lindenberg und Nena spontan gaben. Er hatte damals Besuch von US-Ärzten. Mit diesen stieg er auf die Grenzzäune und montierte Grenzschilder ab. Diese begleiteten Heike Petersen und Uwe Genth auf ihrem Weg über Olten nach Frauenfeld.

Uwe Genth nimmt nach dem Mauerfall Grenz-Schilder mit.

Uwe Genth nimmt nach dem Mauerfall Grenz-Schilder mit.

Uwe Genth schraubt nach dem Mauerfall Schilder ab. (Bilder: Uwe Genth)

Uwe Genth schraubt nach dem Mauerfall Schilder ab. (Bilder: Uwe Genth)

Janine Haller Pfarrerin in Langrickenbach und Birwinken (Bild: pd)

Janine Haller Pfarrerin in Langrickenbach und Birwinken (Bild: pd)

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