PLEITE: Ein paar offene Rechnungen zu viel

Die MD Müller Dach AG in Riedt bei Erlen ist Konkurs. Der Betrieb wurde schon Ende Februar eingestellt. Das Dachdeckergeschäft hatte mehrere Millionen Schulden. Ehemalige Angestellte warten vergeblich auf ihre Löhne.

Donat Beerli
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Das Firmenareal der in Konkurs stehenden Müller Dach AG in Riedt bei Erlen. Gearbeitet wird hier nicht mehr. (Bild: Rita Kohn)

Das Firmenareal der in Konkurs stehenden Müller Dach AG in Riedt bei Erlen. Gearbeitet wird hier nicht mehr. (Bild: Rita Kohn)

Donat Beerli

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@thurgauerzeitung.ch

Sie war einmal eines der grossen Thurgauer Dachdeckergeschäfte: Die MD Müller Dach AG in Riedt bei Erlen. Rund 100 Angestellte haben hier einmal gearbeitet – das ist lange her. Wie die «Ostschweiz am Sonntag» in der Ausgabe vom 30. Juli berichtete, hinterliess die Firma in der ganzen Schweiz zahlreiche offene Rechnungen. Laut einem Betreibungsregisterauszug, der unserer Redaktion vorliegt, war der Schuldenberg der Firma im März auf über acht Millionen Franken angewachsen. Nun steht fest: Gegen die Firma wurde vergangene Woche der Konkurs eröffnet. Das bestätigt Pascal Schmid, Präsident des Weinfelder Bezirksgerichts.

Im April hatte das Bezirksgericht auf Gesuch des Schuldners über das Dachdeckergeschäft noch eine provisorische Nachlassstundung verhängt. Hierbei geht es in der Regel darum herauszufinden, ob noch Hoffnung auf eine Sanierung oder für einen Nachlassvertrag mit den Gläubigern besteht. Wie die erfolgte Konkurseröffnung zeigt, war das nach Ansicht des eingesetzten Sachwalters wohl nicht der Fall.

Ein Blick in den Entscheid der Konkurseröffnung des Bezirksgerichts Weinfelden vom 2. August bestätigt dies: Daraus geht hervor, dass den verfügbaren Aktiven von rund 226000 Franken sogenannte privilegierte Forderungen von rund 3,4 Millionen Franken gegenüberstehen. Ein Nachlassvertrag wäre nur möglich gewesen, wenn die privilegierten Forderungen vollständig gedeckt hätten werden können. Zu diesen Forderungen gehören zum Beispiel die Löhne der letzten sechs Monate, Beiträge an die berufliche Vorsorge oder Beitragsforderungen der AHV und IV. Diese machen jedoch nur einen Bruchteil der Schulden aus, die das Unternehmen in den letzten Jahren angehäuft hatte. Wie hoch diese genau sind, lässt sich nicht sagen. Der zuständige Sachwalter lässt ausrichten, dass er aufgrund der Schweigepflicht nicht über den Fall reden darf.

Auch beim Konkursamt sind nicht mehr Details zu erfahren. Abteilungsleiter Martin Wenk sagt lediglich, dass nun geprüft werde, was in der Firma an flüssigen Mitteln noch vorhanden sei. Sollten die Verfahrenskosten nicht aus den freien Aktiven gedeckt werden können, müsste der Konkurs mangels Aktiven eingestellt werden. Dann müssten die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten. Was auch für ehemalige Angestellte gelte, die schon lange auf nicht ausgezahlte Monatslöhne warten.

Ein Teil der Mitarbeiter hat selber gekündigt

Davon gibt es einige, sagt Stefan Brülisauer, Sektionsleiter der Gewerkschaft Unia. «Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Firma schon seit geraumer Zeit Geldprobleme hatte.» Die Unia vertrete fünf ehemalige Arbeiter, die auf ihre Löhne warten. Wie gross ihre Verluste sind, könne er nicht sagen, da die Insolvenzversicherung einen Teil der Forderungen übernehme. Den Angestellten sei mehrmals gesagt worden, dass das Geld bis Ende Monat auf ihrem Konto liegen würde. «Gesehen haben sie davon bis heute nichts.» Ein Teil der Belegschaft habe darum selber gekündigt, der Rest sei am 28. Februar auf die Strasse gestellt worden.

20 ehemalige Angestellte arbeiten inzwischen zusammen für die bestehende SpenglerTech GmbH. Deren Geschäftsführer, ein ehemaliger Angestellter der MD Müller Dach AG, verneint vehement jeden Zusammenhang mit der alten Firma. Deswegen will er seinen Namen auch nicht in der Zeitung sehen. «Wir haben schon genug Probleme, weil uns viele in der Branche mit der alten Firma in Verbindung bringen.» Im Thurgau sei diesbezüglich eine Schlammschlacht im Gange. «Einige Firmen beliefern uns nicht, weil sie Angst haben, dass der ehemalige Inhaber dahinter steckt.» Dabei gebe es lediglich eine Verbindung: «Wir haben 20 Angestellte übernommen, die er Ende Februar auf die Strasse gestellt hat.»

Im Betreibungsregisterauszug vom März finden sich auch mehrere Thurgauer Firmen oder Private, welche die Müller Dach AG betrieben haben. Darüber reden will bis jetzt niemand. Auch sonst scheint man sich in der Branche die Finger nicht verbrennen zu wollen. Gerüchte besagen, dass angeblich Geld, das hätte ins Unternehmen fliessen sollen, vermutlich anderweitig Verwendung gefunden haben könnte.

Der Inhaber der MD Müller Dach AG war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.