«Planung ist kein Papiertiger»

Die Richtplanung ist morgen im Gemeinderat Thema. Die grössten Neuerungen in der ablaufenden Legislatur sind beim Thema Energie und im Bereich Siedlung und Verkehr zu finden, die beide erstmals regionalen Charakter haben.

Mathias Frei
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Christof Helbling Amtsleiter Hochbau und Stadtplanung (Bild: Thomas Wunderlin)

Christof Helbling Amtsleiter Hochbau und Stadtplanung (Bild: Thomas Wunderlin)

FRAUENFELD. Etwa Mitte Mai startet laut Stadtrat Urs Müller (Departement für Bau und Verkehr) der einjährige Versuchsbetrieb einer Begegnungszone in der Altstadt. Die Begegnungszone ist Teil der Massnahme «Innenstadt Frauenfeld» im Richtplan Verkehr. In demselben Richtplan findet sich auch die Stadtentlastung als Massnahme. Status hier: pendent – weil der Bund die Stadtentlastung im Agglomerationsprogramm zurückgestuft hat. Dies zeigt die Schwierigkeit zwischen Planung und Umsetzung exemplarisch auf.

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

«Die Richtplanung ist gleichwohl kein Papiertiger», hält Stadtrat Müller fest. Denn ohne Planung würde die Stadtverwaltung kopflos agieren. Im Falle einer Stadtentlastung habe sich der Zeithorizont verschoben, die Planung an sich sei trotzdem behördenverbindlich (siehe Kasten). Das heisst: Der Stadtrat muss dieses Ziel verfolgen. Eine Zielanpassung brauchte auch eine Änderung im Richtplan. Der Stadtrat regiert nun als kurzfristige Massnahme mit einem städtischen Mobilitätskonzept. In der ablaufenden Legislatur wurden zwei Richtpläne neu erarbeitet, laut Müller die zwei gewichtigsten: der Richtplan Siedlung und Verkehr, vom Kanton im Herbst 2011 genehmigt, und der Energierichtplan von Frühling 2014. Ein Novum ist dabei, dass bei beiden Planungen auch die Nachbargemeinden Gachnang und Felben-Wellhausen mitgewirkt haben. «Das ist sinnvoll, weil sich auch das Agglomerationsprogramm des Bundes auf die drei Gemeinden bezieht», sagt Müller.

Neu: Zwei Themen in einem

Wie der Name schon sagt, bezieht sich der Richtplan Siedlung und Verkehr auf zwei Themen, die in der Vergangenheit getrennt angegangen waren. Es sei eine wichtige Errungenschaft, sagt Müller, dass Stadtentwicklung, Hoch- und Tiefbau zusammenarbeiteten. «Es geht ja nicht nur um eine Strasse, sondern auch um die Hausfassade links oder den öffentlichen Raum rechts davon», sagt Müller. Ein Ziel dieses Richtplans ist nebst der Stadtentlastung eine Fussgängerzone in der Altstadt. Man müsse das so sehen, sagt Müller: «Ein Richtplan ist eine Momentaufnahme. Wenn ein Ziel nicht umsetzbar ist, bedarf es einer Richtplananpassung.» Wie das bei der Stadtentlastung der Fall sein könnte.

Was den Energierichtplan betrifft, schreitet die Technologieentwicklung so schnell voran, dass eine Richtplanrevision nötig wurde. Der neue Energierichtplan stützt sich auf die Energiestrategie 2050 des Bundes. Für einen überschaubareren Horizont hat sich der Stadtrat hier Zwischenziele zur Aufgabe gestellt. Vision ist laut Müller weiterhin die 2000-Watt-Gesellschaft. Die komplette Umstellung auf Wasserstrom habe sich in Frauenfeld schon positiv auf den Verbrauch ausgewirkt, sagt Stadtbaumeister Christof Helbling. Aber: «70 Prozent des Energieverbrauchs eines Haushalts geht in Heizwärme verloren.» Deshalb müsse man bei den Gebäudehüllen-Sanierungen ansetzen, erklärt Helbling.

Pendenzen bei der Natur

«Bei der Richtplanung ist in dieser Legislatur an allen Ecken und Enden viel gelaufen», zieht Müller eine positive Bilanz. Im Energierichtplan ist die Pendenzenliste zwar lang, weil er erst kürzlich genehmigt worden ist. Ein grosser Teil des alten Energierichtplans von 2001 wurde aber erfüllt.

Ebenfalls noch einiges offen ist im Richtplan Natur und Landschaft, der schon 16 Jahre alt ist. Ein Problem ist, dass viele der Massnahmen auf Entwicklungen auf Privatgrund abzielen. «Jetzt ist aber ein guter Zeitpunkt, um mit dem Abarbeiten der Pendenzen zu beginnen», sagt Helbling. Denn mit der Agrarpolitik 2014 bis 2017 wird Landschaftspflege finanziell attraktiver. Es gibt etwa für Hecken- oder Baumpflanzungen Bundesgelder. Ebenfalls zu den Richtplänen gehört die Erschliessungsplanung. Helbling spricht von einer «untergeordneten Rolle für Frauenfeld». Es seien nur noch wenig nicht erschlossene Flächen in der Stadt vorhanden.

Urs Müller Stadtrat Departement Bau und Verkehr (Bild: Nana do Carmo)

Urs Müller Stadtrat Departement Bau und Verkehr (Bild: Nana do Carmo)