Pläne auf mittlerer Flughöhe

Die Stadt Frauenfeld wächst und mit ihr der Verkehr. Das gestern vorgestellte städtische Mobilitätskonzept soll dafür sorgen, dass Velofahrer neben Autofahrern und ÖV-Nutzer neben Fussgängern Platz haben. Zeithorizont ist das Jahr 2030.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
Weisen den Weg in die Zukunft der Frauenfelder Mobilität: Stadtpräsident Anders Stokholm, Stadtrat Urs Müller, Stadtingenieur Thomas Müller und Stadtentwickler Heinz Egli. (Bild: Reto Martin)

Weisen den Weg in die Zukunft der Frauenfelder Mobilität: Stadtpräsident Anders Stokholm, Stadtrat Urs Müller, Stadtingenieur Thomas Müller und Stadtentwickler Heinz Egli. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Weitsicht über die Stadt, aber in der Stadt, nicht vom Stählibuckturm: Das ermöglicht der Ort, wo gestern die Pressekonferenz zum städtischen Mobilitätskonzept stattgefunden hat. Im Business Tower mitten im wichtigen Entwicklungsgebiet Langdorf, aber im obersten, nämlich zehnten Stock. So kommt auch das Mobilitätskonzept daher: vom «big picture» auf mittlerer Flughöhe über die Stadt bis hinunter in die Projektstufe mit Massnahmen oder zumindest entsprechenden Zeitplänen. Und der Zeithorizont für die Umsetzung des Konzepts liegt um das Jahr 2030.

Vom Grossen runter ins Kleine

«Wenn man sich auf das grosse Bild einigt, kann man daraus die Massnahmen ableiten», stellt Stadtpräsident Anders Stokholm fest. In der Vergangenheit sei zu oft auf Einzelfragen fokussiert worden – vom Lindenspitz über den Umfahrungstunnel bis zum Einbahnring. Und so präsentiert er die drei Schwerpunkte einer «aktiven und ganzheitlichen Stadtentwicklung», die das grosse Bild, eben das Mobilitätskonzept ausmachen sollen. Bei der Förderung von räumlicher Qualität steht das Stadtbild im Zentrum. Die Förderung von stadtverträglicher Mobilität bezieht sich auf ein ausgewogenes Verkehrsangebot für alle. Und bei der Förderung von nachhaltigen Nutzungen geht es um bedarfsgerechte Arealentwicklung, im Zentrum stehen hier die innerstädtischen Militärbauten.

Wachstum braucht Lenkung

Die Stadt wächst jährlich um rund 300 Einwohner, der Verkehr entwickelt sich mit einem Wachstum von einem Prozent. Laut Stadtrat Urs Müller, Departementsvorsteher Bau und Verkehr, ist deshalb eine gezielte Entwicklung der Mobilität nötig. Hinzu kommt, dass eine Stadtentlastung vor 2030 Wunschdenken ist, weil der Bund nicht mitfinanziert. Wohlgemerkt: Eine Entlastungsstrasse bleibt weiterhin Teil des behördenverbindlichen Richtplans. Denn nur so könne eine nachhaltige Verkehrsentlastung erreicht werden, erklärt Stadtingenieur Thomas Müller. Nach Stadtentwickler Heinz Egli kann die Umsetzung des Mobilitätskonzepts gegenüber dem Bund Druck aufbauen, was eine zukünftige Mitfinanzierung betrifft.

Stadt und Kanton haben gemeinsam ein Konzept erarbeitet. Im Zentrum standen Fragen der Verkehrskapazitäten und -führung, der ausgewogenen Verkehrsmittelnutzung, der Aufwertung von Verkehrsraum oder auch Fragen des Verkehrsverhaltens. «Die Priorisierung der Massnahmen ist einer der Kernpunkte des Mobilitätskonzepts», sagt Stadtrat Müller. Das heisst: Die Umsetzung erfolgt stufenweise, nach dem Nutzwert. Und alles soll finanziell und terminlich realistisch sein.

Für alle Verkehrsteilnehmer

Nach Meinung des Stadtrats sollen vor allem der öV sowie der Velo- und Fussverkehr den prognostizierten Mehrverkehr ausmachen. Man wolle Autos nicht aus der Stadt verbannen, sondern vielmehr allen Verkehrsteilnehmern Sicherheit und eine gute Erreichbarkeit gewährleisten, sagt Stadtrat Müller. Unter anderem könne das Verkehrswachstum durch bauliche innere Verdichtung gebremst werden. Weiter nennt Stadtrat Müller das Ziel der Attraktivitätssteigerung beim Langsamverkehr und einen zuverlässigen öV.