Plädoyer für moderne Mobilität

ERMATINGEN. DB-Chef Rüdiger Grube lobte in seinem Referat auf dem Wolfsberg die Zusammenarbeit mit den SBB, dem wichtigen strategischen Partner.

Kurt Peter
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Rüdiger Grube (Bild: Kurt Peter)

Rüdiger Grube (Bild: Kurt Peter)

Ein grosser Andrang herrschte auf dem Wolfsberg am Dienstagabend. Als Gastgeber Toni Schönenberger die Gäste begrüsste, sprach er auch von 350 potenziellen Kunden für die Deutsche Bahn. Deren Chef, Rüdiger Grube, nahm das Thema gleich auf und sprach von den Herausforderungen des Kerngeschäftes. Qualitätsmanagement und -sicherung seien Themen, die umzusetzen seien. So gab er zu, dass die Störfallinformationen durchaus Verbesserungspotenzial hätten. Im Bereich Kundendienst würden 330 Millionen Euro investiert.

Die Deutsche Bahn werde in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro investieren, davon 4,5 Milliarden in die Anschaffung neuer Regionalzüge. Dieses «Brot und Butter»-Geschäft, das tägliche, wie es Grube nannte, stehe im Vordergrund. Ein Börsengang sei nicht ausgeschlossen, im Moment aber kein Thema.

Entscheidend sind Fahrzeiten

Er sei kein Befürworter von Atomstrom, aber Realist, meinte Grube auf die aktuelle Situation der Kernkraft angesprochen. Aufgrund der Ereignisse in Japan erwartet der DB-Chef einen Anstieg der Energiepreise.

Was das Unternehmen spürbar treffe, denn jährlich fielen 2,5 Milliarden Euro an Stromrechnungen an. Wo immer möglich setze die Bahn auf regenerative Energien. Wobei sich Grube überzeugt zeigte, dass das Thema Atomstrom, global angegangen werden müsse.

Die Deutsche Bahn plane Infrastrukturprojekte im Wert von 80 Milliarden Euro, meinte der DB-Chef auf Stuttgart 21 angesprochen.

Planungs- und Investitionsgarantien seien ein Standortvorteil und nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Grube plädierte für die moderne Mobilität, die eine intelligente Verknüpfung der Verkehrsmittel bedinge. Entscheidend für die Wahl seien für die Passagiere immer mehr die Fahrzeiten.

800 Millionen für weniger Lärm

Lobende Worte fand Grube für die SBB, welche auch für Deutschland ein Vorbild seien. Die Schweizer Bevölkerung stehe zu ihrer Bahn, was auch mit deren Angebot und Leistung zu tun habe.

Kürzlich sei eine strategische Partnerschaft unterzeichnet worden. Ausserdem habe die Deutsche Bahn zugesagt, den Gotthardtunnel als Transitweg zu nutzen. Mit der BLS Cargo gebe es gar eine Tochterfirma, also «die Zusammenarbeit kann nicht besser sein».

Den Ärger lärmgeplagter Anwohner an vielbefahrenen Strecken, vor allem im Güterverkehr, verstehe er gut.

Eine technische Umrüstung sei möglich, es gelte aber zu bedenken, dass europaweit 600 000 Waggons unterwegs seien. Das Problem müsse also innerhalb der EU angegangen werden. Eine Umrüstung dieser Güterwagen würde 800 Millionen Euro kosten und den Lärm halbieren. Allerdings, so Grube, würden bürokratische Hindernisse eine schnelle Lösung verhindern.