Plachen, Heringe und Bürokratie

Zelt, Schlafsack, Toilettenartikel, frische Unterwäsche, Cervelat, Pommes-Chips und Getränke: Alles dabei fürs Pfingstlager. Fehlen nur ein paar Bewilligungen und am Ende das Abnahmeprotokoll.

Marina Winder
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Auch am Waldrand sind Lager melde- oder bewilligungspflichtig. Weil sie den nahen Wald mit beanspruchen, sagt der Kantonsforstingenieur. (Bild: Nana do Carmo)

Auch am Waldrand sind Lager melde- oder bewilligungspflichtig. Weil sie den nahen Wald mit beanspruchen, sagt der Kantonsforstingenieur. (Bild: Nana do Carmo)

Wie Pilze schiessen dieses Wochenende die Zelte aus dem Boden. Für Pfadfinder ist Pfingsten Lagerzeit. Und auch viele Privatpersonen entscheiden sich gegen den Pfingststau auf den Strassen und für die Zelt-Romantik in der Natur.

Das kantonale Forstamt hält seine schützende Hand über den Wald. Und hebt den mahnenden Zeigefinger in Richtung der Naturfreunde: Zelten im Wald ist im Thurgau grundsätzlich verboten. Das gilt für Gruppen genauso wie für Einzelpersonen.

Pfadi nicht vertreiben

Zur Pfadi gehört das Zelten aber wie das Amen in die Kirche. Das ist auch dem Kantonsforstingenieur Daniel Böhi, dem Hüter der Thurgauer Wälder, bewusst. «Wir wollen die Pfadfinder nicht aus Wäldern und Wiesen vertreiben. Wir wollen sie nur dazu bringen, dort ihre Zelte aufzuschlagen, wo die Natur weniger sensibel ist», sagt er. Künftig sollen Plätze, die für Lager geeignet sind, in den regionalen Waldplänen (Richtplan) aufgeführt werden.

Einjähriger Hürdenlauf

Um die Pfadi jetzt schon an die genehmen Orte zu leiten, hat das Forstamt ein neues Merkblatt entwickelt. Plant ein Pfadileiter ein Lager, hat er sich danach zu richten. Damit beginnt für ihn ein bürokratischer Hürdenlauf. Zeitlicher Vorlauf gemäss Merkblatt: ein Jahr.

Ein Jahr vor dem Lager ist die Region zu bestimmen. Dort ist abzuklären, ob es Schutzgebiete gibt, die zu berücksichtigen sind. Als Informationsquellen nennt das Merkblatt Landeskarten, Revierförster, Gemeindeverwaltung, Jagdgesellschaft. Dann folgt die Anfrage beim Grundeigentümer des vorgesehenen Platzes und bei jenem des direkt angrenzenden Waldes. Eine Vereinbarung ist abzuschliessen, die Vorlage dafür findet sich auf der Homepage des Forstamtes. Spätestens drei Monate vor Lagerbeginn ist eine Bewilligung bei der Gemeinde einzuholen. Findet das Lager am Waldrand statt, muss der Pfadileiter mit dem Revierförster Kontakt aufnehmen und das Lager je nach Anzahl Personen dem Forstamt melden oder dort einen Antrag auf Bewilligung stellen (siehe Kasten). Spätestens einen Monat vor dem Lager soll der Pfadileiter mit der Jagdgesellschaft Kontakt aufnehmen und eventuell nochmals mit dem Revierförster, um sensible Gebiete zu bezeichnen. Revierförster und Jagdgesellschaft sollen zudem während des Lagers eingeladen werden, gegebenenfalls auch für einen Infoblock. Am Ende des Lagers erfolgt die Abnahme des Lagerplatzes und des angrenzenden Waldes mit dem Grundeigentümer und dem Revierförster. Die Vorlage für das Abnahmeprotokoll findet sich ebenfalls auf der Homepage des Forstamtes.

Latrinen und Kochstellen der Pfadi im Wald akzeptiert der Kantonsforstingenieur nur mit Zähneknirschen. «Aus Umweltschutz- und Hygienegründen empfehlen wir, auf Latrinen zu verzichten und Toi-Toi-Häuschen aufzustellen.» Böhi sorgt sich um den Wald: «Die Ansprüche der Freizeitgesellschaft dürfen nicht weiter zunehmen. Ansonsten wird es unumgänglich, gewisse Regelungen einzuführen».

Er weist darauf hin, dass gerade die Pfingstlager zu einem heiklen Zeitpunkt stattfinden: Viele Tiere brüten jetzt oder ziehen ihre Jungtiere auf.

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