Pionierprojekt für die ganze Schweiz

In Schlattingen startete gestern Grob Gemüse + Landbau mit der zweiten Bohrung für die Warmwassernutzung aus dem Erdinneren. Der Kanton finanziert mit und wird dafür an den Erträgen beteiligt.

Caspar Hesse
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Hansjörg Grob mit Bohrturm. (Bilder: Caspar Hesse)

Hansjörg Grob mit Bohrturm. (Bilder: Caspar Hesse)

SCHLATTINGEN. Gestern begann die Bohrung Schlattingen 2 auf dem Gelände von Grob Gemüse + Landbau. Hansjörg Grob will für seinen Betrieb Warmwasser aus dem Erdinnern als Heizung nutzen. Über das Bohrloch Schlattingen 1 soll das Wasser zurückgeleitet werden, das über Schlattingen 2 für die Heizung gewonnen werden soll.

Sollte jedoch die Ausbeute aus Schlattingen 2 geringer sein als diejenige aus Schlattingen 1, wäre das Wasser aus der ersten Bohrung der Lieferant, während über Schlattingen 2 das Wasser zurückgeführt wird. Doch die Hoffnung ist, dass Schlattingen 2 mehr Ertrag bringt.

Wasser mit 62 Grad Celsius

Die Pumpversuche aus Schlattingen 1 haben gezeigt, dass man langfristig aus der Bohrung etwa 20 Kubikmeter Thermalwasser pro Stunde mit einer Temperatur von 62 Grad Celsius fördern kann. Dies entspricht einer Leistung von 7,5 Gigawattstunden. Für die Bohrung Schlattingen 2 erhofft man sich bessere Werte. Bohrfirma ist die Top Thermal GmbH aus dem österreichischen Ried im Innkreis.

Im Gegensatz zur vertikalen Bohrung Schlattingen 1 wird Schlattingen 2 als Schrägbohrung ausgeführt. Durch die Felsoberfläche und die Molasse wird das Bohrloch Schlattingen 2 parallel vom gleichen Installationsplatz aus neben Schlattingen 1 verlaufen.

Im oberen Bereich der Malmkalke, gut 400 Meter unter der Erdoberfläche, wird die Bohrung um 45 Grad abgelenkt, bis der Bereich des Oberen Muschelkalks erreicht wird. Diese Schicht liegt etwa 1150 Meter unter dem Boden. Dort wird die Bohrung nahezu horizontal weiter geführt.

Ganz unter Thurgauer Boden

Der Grund für die Ablenkung liegt darin, dass Schlattingen 1 und 2 mindestens 600 Meter auseinanderliegen sollen, um thermische Rückkoppelungen zu vermeiden. Wie weit horizontal gebohrt wird, ist eine Optimierungsfrage. Die äusserste Grenze ist die Staatsgrenze. Die gesamte Bohrung findet auf Thurgauer Boden statt.

Die Bohrarbeiten dauern sieben bis acht Wochen im 24-Stunden-Betrieb. Ein Unterbruch ist aus technischen Gründen nicht möglich. Der Start habe noch gestern stattgefunden, sagt Projektleiter Bernd Frieg, allerdings nicht wie geplant am Morgen, da die Zuwasserleitung vom Rhein bei minus 15 Grad gefroren war.

Kanton zahlt mit und profitiert

Für Schlattingen 1 hatte der Grosse Rat schon 2 Millionen Franken Risikogarantie gesprochen. Der Beitrag des Kantons sollte sich dabei auf maximal 57 Prozent der Gesamtkosten beschränken. Für Schlattingen 2 hat das Departement für Inneres und Volkswirtschaft 837 000 Franken an die Baukosten zugesagt. Weitere Beiträge sprachen das Bundesamt für Energie und die Klimastiftung Schweiz.

Der Kanton profitiert im nachhinein von Wissen, das in Schlattingen gesammelt wird. Sogar schweizweit nimmt Grob eine Pionierrolle ein, wie Schläpfer sagt. Darüber hinaus verlangt der Kanton von Grob Gemüse + Landbau während 15 Jahren mindestens 75 100 Franken jährlich zurück, jedenfalls aber 1 Rappen pro Kilowattstunde Energie, so dass sich Regierungsrat Kaspar Schläpfer auch mehr erhoffen kann.

Mehr Informationen zum Projekt unter www.energie.tg.ch

Das Bohrloch vor dem Start.

Das Bohrloch vor dem Start.