Phönix-Theater: Kurve in Sicht

Die Steckborner Veranstalter von überregional beachteten Festivals brauchen mehr Geld, ansonsten drohe die Schliessung. Der Kanton macht eine Aufstockung von den Gemeinden abhängig. Das könnte jetzt klappen.

Brigitta Hochuli
Drucken
Teilen
An der Grenze der Belastbarkeit: Theaterleiter Philippe Wacker auf der Tribüne des «Phönix». (Bild: Reto Martin)

An der Grenze der Belastbarkeit: Theaterleiter Philippe Wacker auf der Tribüne des «Phönix». (Bild: Reto Martin)

Steckborn. Das Phönix-Theater sei das einzige Theater im Thurgau, dem es gelungen sei, sich national zu vernetzen. Das einzige, das überregional zur Kenntnis genommen werde, schrieb Marco Läuchli, ehemaliger Beauftragter der Kulturstiftung Thurgau, vor einem Jahr in einer Stellungnahme. «Eine Programmierung, die mit grossstädtischen Veranstaltungsorten mithalten kann», lobt Jean Graedel, langjähriger Direktor des Theaterhauses Gessnerallee Zürich, Thurgauer Kulturpreisträger und heute Leiter des Freien Theaters Thurgau.

Schliessung befürchtet

Dem stehen die Sorgen des 54jährigen Phönix-Gründers Philippe Wacker gegenüber. Seit 1981 leitet er die Veranstaltungsstätte, die heute mit den international renommierten Tanzfestivals Steps und theater:now, dem Jugendfestival Blickfelder sowie mit Graedels Inszenierungen eine Auslastung von 80 Prozent erzielt und das Einzugsgebiet bis in den süddeutschen Raum und nach Zürich ausgeweitet hat.

«Das ist eine anspruchsvolle Ausrichtung», sagt Wacker, «die ehrenamtlich nicht mehr geleistet werden kann. Wir sind an der Grenze der persönlichen Belastbarkeit.» Für den Betrieb des Theaters brauche es mehrere Festanstellungen, dotiert mit jährlich 90 000 Franken inklusive Lohnnebenkosten. Ansonsten müsse man im Mai schliessen, stand als Befürchtung bis vor kurzem im Raum.

Die «Deadline Mai» sei schon vor einiger Zeit gefallen, sagt Philippe Wacker heute. Um theater:now planen zu können, habe man früh einen Entscheid fällen müssen. «Bis jetzt heisst das, dass wir bis Ende Jahr weitermachen. Wie die Dinge jetzt liegen, dürfte die Zukunft des Theaters – hoffentlich – gesichert sein.»

Einen ersten «Hilfeschrei» mit der Bitte um eine «privilegierte Förderung» hat Wacker vor anderthalb Jahren an die kantonale Kulturkommission «losgelassen». Diese wolle zwar, dass das «Phönix» bestehen bleibe, formell beharre man aber auf der gesetzlich festgeschriebenen Subsidiarität, wonach ohne Erhöhung der Gemeindebeiträge auch vom Kanton nichts zu erwarten sei.

Steckborn hat aufgeschlossen

Konkret beträgt das Jahresbudget des Theaters durchschnittlich 300 000 Franken. Daran bezahle der Kanton 25 000 Franken. Neu sollte der Betrag auf 120 000 aufgestockt werden, so Wackers Forderung. Ein Gesuch vom Dezember 2008 wurde vorerst zurückgestellt. Verlangt wurde die Zusicherung von weiteren Einnahmen durch Gemeindebeiträge. Dies ist inzwischen gelungen. Die Stadt Steckborn hat ihren Jahresbetriebsbeitrag um 20 000 Franken auf 29 000 erhöht, zahlt weiter projektbezogen 6000 Franken und einen Mietzinsbeitrag von 20 000 Franken für das romantische Haus direkt am Untersee-Ufer. Das scheint nun auch Kulturamtschef René Munz zu überzeugen, obwohl er auf dem Standpunkt steht, das Phönix werde heute schon «privilegiert» behandelt und einzelne Festivals könnten durchaus auch an anderen Standorten im Kanton gezeigt werden (siehe Kasten).

Mit der Beitragserhöhung schliesse Steckborn zum Grundbeitrag des Kantons auf, «was erstmals einigermassen der verfassungsmässigen Idee der Subsidiarität entsprechen könnte». Das Kulturamt wird nun dem Regierungsrat eine Anpassung der Leistungsvereinbarung beantragen – in welcher Höhe, werde voraussichtlich im Verlauf des Sommers entschieden, so Munz.

Zwei Unterstützungsgruppen

Philippe Wacker ist heute zuversichtlicher als auch schon. Von einem Mitte März gegründeten, überregional prominent besetzten Patronatskomitee ist bereits finanzielle Unterstützung versprochen. Die seit Februar bestehende örtliche Gruppe Freunde des Phönix-Theaters hilft ideell. «Wenn jetzt auch noch der Kanton einlenkt, dann kriegen wir die Kurve.»

Aktuelle Nachrichten