Pfyner auf Suche nach Demokratie

In Uruguays Hauptstadt Montevideo gingen Künstler und Lehrer für mehr Lohn auf die Strasse. Mittendrin die zwei Pfyner Künstler MeszmerMüller. Sie schlossen ihr Kunstprojekt des «Club Désirer» ab.

Mathias Frei
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In Bologna auf der grünen Wiese: Die fotografische Nachstellung des Gemäldes «Il quarto stato» von Fotograf Paolo Stefano. (Bild: pd/Paolo Stefano)

In Bologna auf der grünen Wiese: Die fotografische Nachstellung des Gemäldes «Il quarto stato» von Fotograf Paolo Stefano. (Bild: pd/Paolo Stefano)

PFYN. Eben erst zurück aus Uruguay sind Alex Meszmer und Reto Müller mittlerweile schon wieder in Ägypten. Vielfliegerprogramme lassen grüssen. In Uruguays Hauptstadt Montevideo überschlugen sich zuletzt die Ereignisse. Dort jährt sich heuer das Ende der Diktatur zum 30. Mal. Umgekehrt feiert die Republik Uruguay also 30 Jahre Demokratie. Und trotzdem gingen Künstler und Lehrer im Oktober auf die Strasse. Sie protestierten friedlich gegen die Kürzungen im Bildungswesen. In dieser Stimmung schlossen die zwei Pfyner Künstler ihr «Club Désirer»-Projekt ab.

Kontakte bestehen seit 2011

Wie es um die Demokratie in dem kleinen Land im Südkegel Südamerikas bestellt ist, dem wollten MeszmerMüller auf den Grund gehen. Der Kontakt nach Uruguay kam durch die Künstlerin und Kuratorin Ana Laura Lopez de la Torre zustande. Sie war 2011 Teil der Demokratischen Kunstwochen in Pfyn.

Im Juli öffneten MeszmerMüller für drei Wochen den «Club Désirer». Für ihr Projekt konnten sie den Wirt einer Bar gewinnen, die übersetzt «Zu den sieben Speichen» heisst. Täglich luden die zwei Pfyner in einem Hinterzimmer der Bar zu Referaten und Diskussionen über Demokratie in Uruguay. Künstler, Historiker, Lehrer und Politiker, aber auch Touristen und Obdachlose fanden sich zu den Club-Gesprächen ein. Die Bar liegt schräg gegenüber des Espacio de Arte Contemporáneo (EAC), einem der wichtigen Orte zeitgenössischer Kunst Uruguays. Das EAC ist in einem ehemaligen Gefängnisbau daheim, wo während der Militärdiktatur, also von 1973 bis 1985, politische Gefangene inhaftiert waren.

Da Volpedo und später Beuys

Das Gemälde «Il quarto stato» gilt als eine der wichtigsten Abbildungen der Arbeiterklasse. Es stammt vom spätrealistischen italienischen Künstler Giuseppe Pellizza da Volpedo. Er hatte das Bild 1901 fertiggestellt. Aktionskünstler Joseph Beuys griff 1972 in seiner Inszenierung «La rivoluzione siamo Noi» auf eben dieses Motiv zurück. Schon einmal stellten MeszmerMüller «Il quarto stato» fotografisch nach. Das war im Frühling 2014 in Bologna. In Uruguay wollten sie dies nun wiederholen, als «Montevideo-Edition». Die Gespräche im «Club Désirer» waren für die zwei Pfyner wichtig, um bestimmen zu können, wer die Menschengruppe auf der fotografischen Nachstellung anführen sollte.

Frauen gegen Machismo-Kultur

Bei ihrem zweiten Aufenthalt Ende September bis Mitte Oktober stand für MeszmerMüller die Zusammenstellung der Personen für das Bild im Vordergrund. Die notwendige Bewilligung, um das Bild vor dem Parlamentsgebäude der Republik inszenieren zu dürfen, konnte auch beschafft werden. Schliesslich fiel die Wahl für die drei Hauptpersonen auf eine Lehrerin aus dem Norden Uruguays, einen lokalen Künstler mit seiner Tochter und auf eine Politologie-Studentin aus Montevideo. Dies auch als Zeichen gegen Uruguays Machismo-Kultur, wie MeszmerMüller sagen.

Die Fotografie wurde auf eine grosse Plastikblache gedruckt, die nun bis auf weiteres im Innenhof des EAC hängt. Am Tag der Inszenierung wurde die Dynamik des Bildes anderthalb Stunden geprobt. Es war windig und kalt. Erst am Schluss kam die Sonne heraus.

In Montevideo vor dem Parlamentsgebäude: Die fotografische Nachstellung des Gemäldes «Il quarto stato» von Fotograf Andres Cribari. (Bild: pd/Andres Cribari)

In Montevideo vor dem Parlamentsgebäude: Die fotografische Nachstellung des Gemäldes «Il quarto stato» von Fotograf Andres Cribari. (Bild: pd/Andres Cribari)

Reto Müller und Alex Meszmer in Montevideo vor dem Parlamentsgebäude. (Bild: pd)

Reto Müller und Alex Meszmer in Montevideo vor dem Parlamentsgebäude. (Bild: pd)