PFYN: Päpstliches Bleisiegel wurde in Pfyn gefunden

Ein freiwilliger Mitarbeiter des Amts für Archäologie Thurgau hat die Hälfte eines Bleisiegels gefunden. Es ist der erste Fund dieser Art im Thurgau. Wie das Stück nach Pfyn gekommen ist, bleibt ein Rätsel.
Rahel Haag

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rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Es ist klein, unscheinbar – und eine Sensation. Das päpstliche Bleisiegel aus dem 14. Jahrhundert hat ein freiwilliger Mitarbeiter des Amts für Archäologie Thurgau auf einem Acker in Pfyn gefunden.

Anschliessend kam das Objekt zu Irene Ebneter. Die Archäologin bestimmt die Funde. Das Objekt sei ihr sofort aufgefallen, «aber ich dachte, es sei ein Stück einer Bleiplombe, die unter anderem bei Postsäcken verwendet wurden». Erst ein Numismatiker, sprich ein Fachmann für Münzen, habe die sogenannte Bulle bestimmen können. Er habe die Schriftzeichen lesen können und einen Apostel auf der Rückseite erkannt. «Er war ganz begeistert.» Immerhin handelt es sich hierbei um einen seltenen Fund. Im Thurgau sei es gar die erste Bulle, die gefunden wurde. «Auch über die ganze Schweiz gesehen, gibt es bisher nur vereinzelte Funde.»

Die zweite Hälfte der Bulle bleibt verschollen

In Pfyn tauchte allerdings nur eine Hälfte der Bulle auf. Das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau hat den Finder daraufhin nochmals losgeschickt. Die freiwilligen Mitarbeiter benötigen eine Bewilligung des Amts, damit sie sich mit ihren Metalldetektoren auf Thurgauer Äckern und in Waldstücken auf die Suche machen dürfen. «Die zweite Hälfte hat er aber nicht gefunden», sagt Ebneter. Die Bulle hat einen Durchmesser von zwischen zwei und knapp vier Zentimetern, das Gewicht des Fundstücks beträgt nur gerade 21 Gramm.

Wie die Bulle auf besagten Acker nach Pfyn kam, ist unbekannt – und wird ein Rätsel bleiben. «Wir haben keine Chance, das herauszufinden», sagt Ebneter. Das sei bei Bodenfunden grundsätzlich so. Nur bei Ausgrabungen gebe es die Sicherheit, dass ein Zusammenhang zwischen dem Fundstück und dem Ort bestehe. «In diesem Fall könnte es zum Beispiel sein, dass die Bulle in Pfyn entsorgt wurde oder verloren ging.»

«Wir müssten genauer hinschauen»

Bisher wurde die Bulle inventarisiert und in diesem Zusammenhang fotografiert. «Das Bild links zeigt die Rück-, jenes rechts die Vorderseite der Bulle», sagt Ebneter. Ausserdem wurde sie im Rahmen des jährlichen Vortrags des Amts für Archäologie vorgestellt. Es wäre zudem möglich, dass sie im Museum für Archäologie ausgestellt wird. Hierfür müsste dann noch eine historische Einordnung gemacht werden. «Dann müssten wir genauer hinschauen», sagt Ebneter.

Obwohl sich diese Arbeit schwierig gestaltet, gibt es bereits Ansätze. «Es wäre möglich, dass die Bulle bei Ablässen oder Bewilligungen zum Einsatz kam», sagt Martin Hüeblin. Er ist freischaffender Mitarbeiter des Amts für Archäologie. Bisher habe man aber noch keine entsprechenden Dokumente gefunden. «Diese Spur könnte man aber verfolgen», sagt er.

Ein weiterer Ansatz könnten laut Hüeblin Neuweihungen von Kirchen und Altären sein. Solche habe es um das Jahr 1360 gegeben. «Um die historische Einordnung machen zu können, müsste man sich mit der Kirchengeschichte auseinandersetzen und sich dort auf die Spurensuche machen.»

Siegelabdruck passt zu Funden aus dem Tägermoos

Das Amt für Archäologie hat bereits eine erste historische Einordnung der Bulle gemacht. Da die päpstlichen Siegel aus Blei bestehen und seit etwa 1100 nach Christus praktisch dieselben Bilder tragen, sei die Zuweisung des Objekts nicht schwierig gewesen. Das Bleisiegel stammt aus dem 14. Jahrhundert von Papst Clemens VI. Damals habe die päpstliche Kanzlei in Rom «am laufenden Band» Urkunden ausgefertigt. In dieser Zeit ging manch ein Siegel verloren. Deshalb kommen päpstliche Bullen als Bodenfunde zwar vor, seien aber relativ selten. Bisher habe sich gezeigt, dass der Siegelabdruck zu den Funden von mittelalterlichen Siegelstempeln aus dem Tägermoos bei Konstanz passt. Das zeige den «langen Arm» der Kirche im Mittelalter. (rha)

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