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PFYN: Gaukler, Gulden und ein Gnom

Am Wochenende zog das mittelalterliche Markttreiben «All Artia» ein buntes Völkchen aus Rittern, Mägden und Zauberern an. Von Schwertkämpfen bis Handwerk gab es viel zu sehen.
Christof Lampart
Ritter messen sich im Schwertkampf. (Bilder: Christof Lampart)

Ritter messen sich im Schwertkampf. (Bilder: Christof Lampart)

Christof Lampart

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Ist er tatsächlich zurück in der Zukunft? Der römische Legionär schaut zwar stolz, aber ein bisschen verloren in die Runde. So, wie er dasteht, in seiner ledernen Rüstung und den glatt rasierten Beinen. Doch dann rafft er sich auf – und verschwindet wenig später zwischen einer Magd und einem Mongolen. Szenen wie diese hat es am Wochenende in Pfyn zuhauf gegeben. Denn ausserhalb von «Ad Fines» hat auf einem gemähten Feld ein mittelalterlicher Markt die Zelte aufgeschlagen. Mehr Nomaden des eigenen Glücks denn Menschen, die nach Sesshaftigkeit streben.

«Ich bin da, wo es Beute gibt», grunzt ein grimmiger Genosse, bei dem die Zuordnung in Sachen Zugehörigkeit auf den ersten Blick schwerfällt: Ist das nun eine Grossausgabe von ­Gimli dem Gnom aus «Herr der Ringe» oder doch vielleicht ein ­Wikinger? Fragen über Fragen – doch diese werden nicht weniger, als man den garstigen Kerl ein wenig später gesittet für Essen anstehen sieht, hinter einem Schamanen und vor einem Handwerker.

Schorle aus Flaschen statt Met aus Schädeln

Da stehen Wikinger in schwerer Rüstung. Obwohl es nicht allzu heiss ist, kann man sich gut vorstellen, wie die Nordmänner in ihrer Schutzkleidung, ummantelt mit allerlei Metall an Händen und Kopf, vor sich hin braten, während das nach Action gierende Volk sich die sanfte Sommerbrise um die Nase wehen lässt. Und tatsächlich, nach drei Minuten Kampf braucht es erstmals einen kräftigen Schluck. Wer dabei nun an Met denkt, der aus den Schädeln gefallener Feinde kredenzt wird, ist schief gewickelt. Es wird Apfelsaft gereicht. «Das ist eindeutig billiger und besser, denn die halten so länger durch», erklärt ein Burgfräulein, das gerne Blut sieht. Die Kämpen enttäuschen die junge Holde, übersieht doch der Sieger ihren Daumen, der sich nach alter römischer ­Sitte nach unten senkt, sobald ein Kontrahent liegt.

Auf dem Feld manch eskapistischer Träume werden viele ­Waren angeboten. Prophetische Glücksnüsse kann man für acht Franken ebenso knacken wie es an einem anderen Ort «Eier des raren Wachteldrachens» zu erstehen gibt. Dass auf einem Markt merkantile Interessen ihren Vorrang haben, versteht sich von selbst. Dass der Kauf einiger Steinknöpfe oder Flaschen mit Beerenwein sinnvoller sein dürfte als das Wahrsagen aus der Hand oder Karten auch. Doch immerhin entlockt die Abwicklung der Käufe doch ein erstauntes Schmunzeln. Vielleicht ist es ja am Ende doch so, dass der Römer tatsächlich zurück ist in der Zukunft.

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