Pflegerinnen spannen zusammen

Die Idee geistert schon länger durch den Hinterthurgau, nun wird sie konkret: Die Spitex-Vereine Tannzapfenland, Münchwilen-Eschlikon und Sirnach haben ihren Zusammenschluss in die Wege geleitet. Ziel ist der 1. Januar 2018.

Olaf Kühne
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Petra Sewo Präsidentin Spitex Münchwilen-Eschlikon (Bild: Christoph Heer)

Petra Sewo Präsidentin Spitex Münchwilen-Eschlikon (Bild: Christoph Heer)

MÜNCHWILEN. Eigentlich ist der Gesundheitsbereich eine boomende Branche. Stetig steigende Umsätze – oder, je nach Sichtweise, steigende Kosten – allerorten. Grund zur Freude bei den Leistungserbringern, müsste man meinen. Doch nicht zuletzt an der Front, in der Pflege, zeigen sich auch die negativen Folgen dieser Entwicklung. Steigende Kosten für den Steuerzahler ziehen eine stärkere politische Einmischung nach sich. Schlagworte wie Leistungskatalog und Pflegefinanzierung bedeuten für die Basis, für die Mitarbeiterin einer Spitex-Organisation, einen Haufen Administration und minutengenaue Zeiterfassung mit dem Smartphone.

Patienten nicht tangiert

«Der zwischenmenschliche Kontakt zu unseren Klienten, ein kurzes persönliches Gespräch liegen da meistens nicht mehr drin», sagt Petra Sewo. Die Präsidentin der Spitex Münchwilen-Eschlikon ist derzeit aber nicht mit dieser auch für sie bedauerlichen Tendenz beschäftigt. Vielmehr will sie ihren Verein, dem sie seit dreieinhalb Jahren vorsteht, in eine gesicherte Zukunft führen.

«Wir funktionieren jetzt gut», betont Sewo, «für unsere Patienten gibt es keine Probleme.» Vielmehr stosse die lokale Spitex mit ihrer geringen Grösse an Grenzen. «Der Leistungskatalog der Pflegefinanzierung überträgt uns Aufgaben, für die wir spezialisierte Mitarbeiterinnen brauchen», sagt sie und benennt als Beispiele die Kinder-Spitex, die Psychiatrie-Spitex oder die Palliativ-Pflege. «Für Bereiche, in denen wir in unserem kleinen Gebiet vielleicht zwei, drei Fälle im Jahr haben, können wir keine Vollzeit-Fachperson einstellen.» Zumal in einer Branche, die stark auf Teilzeitmitarbeiterinnen setzt.

Zwar hätten Untersuchungen gezeigt, so Sewo weiter, dass die Spitex durchaus ein konkurrenzfähiger Arbeitgeber sei. Vor allem bei jüngeren Fachpersonen habe sich dieses Image indes noch nicht durchgesetzt. «Wahrscheinlich könnten wir auch hier als grössere Organisation mehr bewirken», sagt Sewo. Letzte Woche wurden deshalb im Hinterthurgau wegweisende Pflöcke eingeschlagen: Die drei Spitex-Vereine Münchwilen-Eschlikon, Sirnach und Tannzapfenland leiteten ihren Zusammenschluss in die Wege.

Ziel regionale Spitex

40 Vertreter der drei Vereine sowie der betroffenen Gemeinden Münchwilen, Eschlikon, Sirnach, Bichelsee-Balterswil und Fischingen trafen sich letzte Woche für den Start des Projektes. Ihr Ziel: Am 1. Januar 2018 startet im Hinterthurgau eine regionale Spitex.

Bis dahin arbeiten verschiedene Gruppen am Zusammenschluss. So sind in der sogenannten Steuergruppe die drei Spitex-Präsidenten Petra Sewo, Traudi Schönegger (Sirnach) und Paul Widmer (Tannzapfenland) sowie Politiker aller Gemeinden vertreten, während sich die Teilprojektgruppen mit den selbstredenden Bezeichnungen «Budget» und «Dienstleistungen/organisatorische Strukturen» um ihre Sachthemen kümmern. Unterstützt werden sie dabei von einem externen Projektkoordinator.

Rechtsform noch offen

Viel Zeit noch für die Involvierten, aber auch viel Arbeit. Gilt es doch, selbst auf den ersten Blick irrelevante Fragen zu klären. So beispielsweise die Rechtsform der künftigen Organisation. «Im Moment tendieren wir wieder zu einem Verein», sagt Sewo, «aber das ist überhaupt noch nicht definitiv.» Und dürfte ihre Kunden – oder Patienten – auch nicht sonderlich interessieren. Für sie dürfte eine professionelle Betreuung im Vordergrund stehen. In diese Richtung zielt denn auch die Reorganisation. «Die gemeinnützige Spitex soll auch in Zukunft erste Adresse für ambulante Gesundheitsversorgung sein», sagte Sewo anlässlich der Projektinitiierung – im Wissen darum, dass künftig eine Professionalisierung auf allen Stufen unerlässlich sein wird. «In allen drei Vereinen arbeiten die Vorstände ehrenamtlich. Aber auch sie sehen sich mit immer anspruchsvolleren Vorgaben konfrontiert.»

Als aktuelle Hauptsorge benennt die Spitexpräsidentin indes die Personalrekrutierung. Auch hier verspricht sie sich von einer grösseren, professionelleren Organisation eine klare Verbesserung. Und nicht zuletzt will man in der künftigen Hinterthurgauer Spitex vermehrt Lehrlinge ausbilden – ein Aspekt, der auch bei Jüngeren auf Interesse stossen dürfte.