Pflegeberuf ist beliebter denn je

Im Jahr 2010 gab es am Thurgauer Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales 17 Schulklassen, heute sind es bereits 35. Für den massiven Anstieg der Schüler- und Klassenzahlen sind die vielen neuen Ausbildungslehrgänge verantwortlich. Trotzdem ist das Pflegepersonal noch knapp.

Ralf Rüthemann
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Edith Wohlfender SP-Kantonsrätin und Geschäftsleiterin SBK Sektion St. Gallen (Bild: pd)

Edith Wohlfender SP-Kantonsrätin und Geschäftsleiterin SBK Sektion St. Gallen (Bild: pd)

WEINFELDEN. Mehr als doppelt so viele Schulklassen wie noch vor vier Jahren. Am Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales in Weinfelden sind in kurzer Zeit aus ursprünglich 17 Klassen neu 35 geworden. Der Beruf der Fachkraft Gesundheit und Soziales ist in den letzten Jahren im Kanton Thurgau enorm beliebt geworden. Die vielen verschiedenen neuen Ausbildungsangebote im Bereich Gesundheit und Soziales ziehen vor allem die Frauen an. Nur etwa sieben bis acht Prozent aller Auszubildenden sind männlich.

Neue Organisation in der Pflege

«Vor etwa zehn Jahren wurden die Pflegeberufe neu organisiert», erklärt Marita Leichtle, Rektorin des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales. «So gab es neu zum Beispiel die Fachangestellte Gesundheit als dreijährige Lehre.» Mit der Zeit habe sich das Angebot noch mehr erweitert. Seit 2012 biete das Bildungszentrum beispielsweise auch den Lehrgang «Assistentin Gesundheit und Soziales» an. Der Pflegeberuf sei dadurch immer beliebter geworden. Der massive Anstieg betreffe allerdings nur den Lehrberuf. «Wir hoffen aber immer, dass sich geeignete Pflegerinnen entscheiden, auch die höhere Fachschule zu absolvieren.»

In den letzten zehn Jahren haben laut Marita Leichtle alle Pflegeheime, die Spitäler und die Spitex im Thurgau insgesamt rund 400 neue Lehrstellen geschaffen. «Das Pflegepersonal wird also auch gebraucht», sagt Leichtle. «Die Bewerberinnen und Bewerber werden vom Arbeitsmarkt sofort geschluckt.» Der massive Anstieg der Schülerzahlen sei eine grosse Herausforderung gewesen. «Es musste viel organisiert werden. So etwa in der Infrastruktur und auch in der Einführung des zusätzlichen Lehrpersonals», sagt Marita Leichtle. Die Anzahl Schülerinnen und Schüler stabilisiere sich jetzt aber.

Der Thurgau hat gut reagiert

Laut SP-Kantonsrätin Edith Wohlfender aus Kreuzlingen, die auch die Sektion St. Gallen, Thurgau und Appenzell des Pflegefachverbandes SBK leitet, hat der Kanton Thurgau vor einigen Jahren gut auf den drohenden Mangel an Pflegefachpersonen reagiert. «Der Thurgau hat als einer der wenigen Kantone auf die Amosa-Studie, die sich mit der Arbeitsmarktsituation in verschiedenen Kantonen beschäftigte, reagiert», sagt Wohlfender. Mit dem Programm «Pflege 25+» des Kantons habe man dann nämlich viele arbeitslose Personen, deren Kompetenzprofil auf den Pflegeberuf zutraf, eingliedern können.

Pflegeberuf soll attraktiv bleiben

«Wir vom Pflegefachverband haben dieses Projekt unterstützt und werden solche Sachen auch weiterhin unterstützen», sagt Edith Wohlfender. «Es ist uns wichtig, dass der Pflegeberuf attraktiv bleibt.» Die Spital Thurgau AG habe auf das Jahr 2014 wieder etwas zur Attraktivität des Berufs beigetragen: «Der Nachtzuschlag ist um etwa 6,5 Prozent erhöht worden. Die Arbeitsbedingungen werden also auch langsam besser.»

Ausbildungsplätze gut besetzt

Obwohl der Kanton Thurgau mit dem Programm «Pflege 25+» auf den Mangel an Pflegefachpersonen reagiert hat, ist das Pflegepersonal im Thurgau heute knapp. «Für die Alters- und Pflegeheime wird der Bedarf an ausgebildetem Personal auf jeden Fall noch steigen», sagt Julia Käppeler, Geschäftsführerin von Curaviva Thurgau. Im Kantonsspital Frauenfeld sind die Ausbildungsplätze laut Doris Rathgeb, Pflegedirektorin, gut besetzt. «Bei den Führungspositionen im Pflegebereich mangelt es manchmal aber auch an Personal.»

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