Pflege unter wirtschaftlichem Druck

210 Fachpersonen befassten sich am Münsterlinger Pflegesymposium mit den aktuellen Chancen und Herausforderungen ihres Berufs. Im Zentrum stand der Wertewandel im Gesundheitswesen.

Renata Egli-Gerber
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Organisierten das Pflegesymposium: Marita Leichtle, Regula Lüthi und Agnes König (v.l.). (Bild: Renata Egli-Gerber)

Organisierten das Pflegesymposium: Marita Leichtle, Regula Lüthi und Agnes König (v.l.). (Bild: Renata Egli-Gerber)

Münsterlingen. Marita Leichtle, Rektorin am Bildungszentrum für Gesundheit in Weinfelden, Agnes König, Pflegedirektorin am Kantonsspital Münsterlingen, und Regula Lüthi, Pflegedirektorin der Psychiatrischen Dienste Thurgau, organisierten am Samstag das diesjährige überregionale Pflegesymposium. Rund 210 Pflegefachpersonen hörten die Vorträge bekannter Rednerinnen und Redner und besuchten die Workshops. Als Überraschungsgast sorgte Viktor Giacobbo für Auflockerung und Humor.

Im Zentrum stand, was praxiserprobte Pflegefachpersonen in ihrem Alltag beschäftigt: der Wertewandel im Gesundheitswesen. Pflegerische Themen könnten nie isoliert von der Gesellschaftspolitik betrachtet werden, betonte Marita Leichtle: «Der Blick auf das Gesundheitswesen von Pflegenden, Steuern und Prämien zahlenden Bürgern, von Gesunden und Kranken ist ganz unterschiedlich, aber sie alle sind vom Wertewandel betroffen.»

Das Symposium ging dem Verständnis von Ethik und Moral in der Pflege auf den Grund. Es befasste sich mit Haltungen und Handlungen im Pflegealltag angesichts des Wandels und mit den Grundrechten von Patientinnen und Patienten. Während diese früher eher familienzentriert und hierarchiegläubig waren, sind sie heute autonom und gut informiert. Aber: «Allein über Behandlungsmethoden und Operationen zu entscheiden, kann dennoch eine Überforderung sein», erklärte Agnes König.

«Notwendige Hilfe kommt von interdisziplinären Teams und von der Partnerschaft der Fachleute, wie sie noch vor fünfzig Jahren kaum möglich gewesen ist.»

Marita Leichtle wies im Gespräch auf das Dilemma hin, in das Pflegende geraten, wenn Menschen nicht mehr autonomiefähig sind. In Münsterlingen sucht ein aus patientennahen Fachpersonen zusammengesetztes Ethikforum nach Lösungen in schwierigen Situationen.

Ungeachtet einer Patientenverfügung sei bei Akutfällen die Hilfe immer oberstes, gesetzlich verankertes Gebot, was jedoch die Reflexion über den Willen der betroffenen Personen nicht ersetze.

Regula Lüthi betonte, dass für jede Behandlungsmethode eine Kosten-Nutzen-Rechnung unabdingbar sei: «Keine Gesundheitsfrage kann losgelöst vom zunehmenden wirtschaftlichen Druck betrachtet werden.» Für Psychischkranke bestehe die Gefahr einer erneuten Stigmatisierung, wie aus jüngsten Diskussionen über die Invalidenrente hervorgehe.

Erfreut zeigen sich die drei Führungspersönlichkeiten über die Pflegefachpersonen: Bestausgebildete Leute stünden heute zur Verfügung. Sie seien hoch motiviert. Die guten Rahmenbedingungen müssten weiterhin gepflegt werden. Dazu gehöre auch die Weiterbildung, wie sie unter anderem das Symposium biete.

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