Pfarrer Mettler will aufs Dorf

BERLINGEN. Erneut steht in der Evangelischen Kirchgemeinde Berlingen ein Pfarrerwechsel auf dem Plan. Pfarrer Lukas Mettler und seine Frau Uschi stellten sich am Sonntag im Gottesdienst vor. Die Gemeinde wählt am 6. April.

Margrith Pfister-Kübler
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Pfarrer Lukas Mettler mit Ehefrau Uschi (links) und Kirchenpräsidentin Gerda Schärer am Sonntag in der Berlinger Kirche. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Pfarrer Lukas Mettler mit Ehefrau Uschi (links) und Kirchenpräsidentin Gerda Schärer am Sonntag in der Berlinger Kirche. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Pfarrer Peter Raich hat Berlingen nach anderthalb Jahren wieder verlassen, Richtung Bern. «Aus privaten Gründen», sagt Kirchenpräsidentin Gerda Schärer. Raichs Vorgänger Matthias Ruff verliess Berlingen nach zwei Jahren. Das Pensum mit total 80 Prozent habe für eine Familie finanziell nicht gereicht, heisst es dazu. Sind das zwei Einzelfälle? Kirchenpräsidentin Gerda Schärer nimmt's mit Humor und regt zum Weiterdenken an: «Unser Pfarrer Niklaus Schneider war über 20 Jahre im Amt, auf 30 Jahre gesehen sind es drei Pfarrer für drei Jahrzehnte.» Sie hofft nun aber auf erneute Konstanz.

Die Ansprüche von Evangelisch Berlingen seien halt speziell, betont Schärer. 60 Prozent Pfarramt und 20 Prozent Seniorenarbeit im Altersheim «Perlavita Neutal», was eine Zusatzausbildung brauche. Schärer: «Wir lernten Pfarrer Lukas Mettler und seiner Frau Uschi als offene, herzliche, mitfühlende Menschen kennen.» Die Pfarrwahlkommission habe zwei Bewerbungsgespräche geführt und den Pfarrer in einem seiner Gottesdienste besucht.

Interesse am Kandidaten

Die Berlinger zeigen am Sonntagmorgen grosses Interesse an dem zur Wahl stehenden Pfarrer. Es sei sein grosser Wunsch, zurück an einen kleineren Ort zu kommen, in Einzelpfarramt, um das ganze Spektrum der Tätigkeit zu erleben, sagt Mettler. Den persönlichen Kontakt vermissen er und seine Frau sehr in der oft anonymen städtischen Umgebung.

Mettler, Jahrgang 1958, ist in den Kantonen Zürich und St. Gallen aufgewachsen. Das Studium der Theologie hat er in Basel und Tübingen absolviert und 1984 in Basel mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Nach der Vikariatszeit war er sieben Jahre im Kanton Aargau als Gemeindepfarrer tätig und anschliessend 16 Jahre als Pfarrer im Pfarramt im thurgauischen Horn am Obersee. Seit fünf Jahren arbeitet er in Neuhausen am Rhein in einem Doppelpfarramt mit Schwerpunkt Seniorenarbeit. «Wir gehören aufs Land» sagte er. Er vereinigte im Vorstellungsgottesdienst Bibelzitate und praktisches Leben: «Bewahre uns vor langweiligen Monokulturen. Bleibt offen füreinander». «Auch für mich wäre Berlingen ein Geschenk», sagt Uschi Mettler. Sie sind seit 26 Jahre verheiratet und haben sechs Kinder, wovon drei gemeinsame, die mittlerweile erwachsen sind.

Mit der Region vertraut

Uschi Mettler hat sich einen Namen mit der Partnervermittlung «unterwegs zum Du» gemacht. Zu Pfarrer Mettlers Hobbies gehört die Musik. Er spielt Querflöte, macht Bergtouren und schätzt als Ausgleich die Gartenarbeit. Dem Ehepaar Mettler ist Berlingen und insbesondere das Neutal bestens vertraut, da Lukas Mettlers Vater, der auch Pfarrer war, während sechs Jahren bis zu seinem Lebensende im Neutal gelebt hat.

«Einen gemeinsamen Weg zu gehen, heisst: Wir respektieren, dass wir alle mit unseren Sonnen- und Schattenseiten unterwegs sind und dabei wachsen, reifen, uns fortwährend entwickeln und verändern», sagt Kirchenpräsidentin Schärer. Die Wahl des neuen Berlinger Pfarrers findet am 6. April nach dem Sonntagsgottesdienst statt.