Personal zu Überzeit verdonnert

UZWIL. Der Uzwiler Gemeinderat verlängert die Arbeitszeit der Gemeindeangestellten von 42 auf 44 Stunden in der Woche. Beim Verband des St. Galler Kantons- und Gemeindepersonals und beim VPOD stösst der Entscheid auf heftige Kritik.

Urs Bänziger
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Von den längeren Arbeitszeiten profitieren die Besucher der Uzwiler Gemeindeverwaltung nicht. (Bild: Urs Bucher)

Von den längeren Arbeitszeiten profitieren die Besucher der Uzwiler Gemeindeverwaltung nicht. (Bild: Urs Bucher)

Ab nächsten Montag müssen sie 44 statt 42 Arbeitsstunden in der Woche leisten, und das drei Monate lang: Der Gemeinderat von Uzwil verdonnert seine Angestellten dazu, länger zu arbeiten. Von diesem Entscheid betroffen sind rund 100 Mitarbeitende. Davon ausgenommen sind die Lehrpersonen in der Schule. Gemeindepräsident Lucas Keel begründet den Entschluss als «Reaktion auf die veränderten wirtschaftlichen Umstände in der Schweiz». Uzwil sei ein exportorientierter Technologiestandort. In schwierigen Situationen sei mehr Engagement und Solidarität von allen gefragt.

Lucas Keel Gemeindepräsident Uzwil (Bild: Urs Bänziger)

Lucas Keel Gemeindepräsident Uzwil (Bild: Urs Bänziger)

Der Gemeinderat hat den Entschluss am Montagabend nach einer Anhörung des Personals gefällt. Wie Keel sagt, seien die Reaktionen der Mitarbeitenden unterschiedlich gewesen. Die einen hätten mit Verständnis reagiert, andere könnten die Massnahme nicht nachvollziehen. Er räumt ein, dass die Arbeitszeiterhöhung das Verhältnis zu den Angestellten belastet.

«Mehr als ein Akt der Solidarität»

Auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hatte die Uzwiler Industrie schnell reagiert. Der Bühler Konzern beschloss Mitte Februar, die Arbeitszeit der Mitarbeitenden von 40 auf 45 Stunden zu verlängern. Der Entschluss des Gemeinderates dürfe aber nicht nur als Akt der Solidarität gegenüber dem grössten Arbeitgeber in Uzwil gewertet werden, er sei ein Beitrag zur Wertschöpfung, sagt Keel. Die Erhöhung der Arbeitszeit sei befristet auf drei Monate, es gebe keine Option auf eine Verlängerung. Mit den von den Mitarbeitenden zusätzlich geleisteten 2000 Arbeitsstunden sollen, ausserhalb des Tagesgeschäftes, «Abläufe und Prozesse optimiert und Arbeitsrückstände aufgeholt werden.»

Unverständlicher Entscheid

«Schockiert» über den Entscheid der Uzwiler Behörde ist der Präsident des Verbandes St. Galler Kantons- und Gemeindepersonal, Benno Lindegger. «Für das Gemeindepersonal in Uzwil ist die Arbeitszeiterhöhung eine Ohrfeige. Damit entsteht der Eindruck, dass die Mitarbeitenden zu wenig leisten.» Formal wie auch inhaltlich sei dieser Entscheid völlig unverständlich. «Ich empfehle den Mitarbeitenden, sich zu wehren.» Lindegger befürchtet eine «falsche Signalwirkung» auf andere Gemeinden. «Wenn Betriebe ihre Arbeitszeit verlängern, um die Produktivität zu steigern, so ist das etwas anderes. Wenn sich die Gemeinde Uzwil solidarisch mit der Industrie zeigen will, dann nicht mit einer solchen plumpen Handlung.»

Auch der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Sektion Ostschweiz und der Gewerkschaftsbund Wil und Umgebung kritisieren den Entscheid als «ungehörig und inakzeptabel». Unter dem Deckmantel der Solidarität wolle der Uzwiler Gemeinderat Pendenzen abbauen. Das habe nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. Die Arbeitszeitverlängerung sei eine versteckte Sparmassnahme auf dem Buckel des Personals. Mit diesem Vorgehen öffne die Gemeinde Uzwil den Betrieben in der Umgebung die Tür, um die Arbeitsbedingungen zu deregulieren.

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