Per Mausklick zur Kinderbetreuung

Frauenfeld. Der Standortfaktor Kinderbetreuung gewinnt an Gewicht. Der Kanton Thurgau schliesst sich deshalb der Familienplattform Ostschweiz an.

Stefan Borkert
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Übersicht schaffen: Projektleiterin Anna Hecker stellt die Studie zur Betreuungssituation im Thurgau vor. (Bild: Reto Martin)

Übersicht schaffen: Projektleiterin Anna Hecker stellt die Studie zur Betreuungssituation im Thurgau vor. (Bild: Reto Martin)

So viel Einigkeit bei der familienergänzenden Kinderbetreuung ist im Thurgau keine Selbstverständlichkeit. Doch in Zeiten von wirtschaftlichem Aufschwung und Personalsuche, gewinnt dieses Thema an Bedeutung. Der Kanton, die Gemeinden, der Thurgauer Gewerbeverband, die Industrie- und Handelskammer Thurgau sowie der Thurgauer Bauernverband unterstützen die Familienplattform Ostschweiz. Ab 1. August wird auf dieser Internetseite (www.familienplattform-ostschweiz.ch) das möglichst komplette Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung im Kanton aufgeschaltet. St. Gallen und Appenzell-Ausserrhoden sind dort bereits präsent.

Qualifizierte Eltern

Erziehungsdirektor Jakob Stark nannte dies einen Meilenstein für ein attraktives Angebot für Familien. Es sorge für mehr Transparenz. Sowohl am Arbeitsort als auch am Wohnort und der Umgebung können sich Familien dann über die verschiedenen Angebote informieren. Dazu gehören unter anderem Krippenplätze, Tagesschulen, Tagesfamilien, Mittagstische, Hausaufgabenhilfen und Randzeitenbetreuung. Der St. Galler Unternehmer Christoph Stürm ist Präsident des Vereins, der die Internetplattform betreibt. Qualifizierte Mitarbeiter wollten auch qualifizierte Eltern sein, das habe die Wirtschaft erkannt. Ausserdem sei die Kinderbetreuung mehr und mehr zu einem wichtigen Standortfaktor geworden. Dem stimmte auch Roland Kuttruff, Präsident des Verbandes Thurgauer Gemeinden, zu. Und auch Peter Schütz, Präsident des Thurgauer Gewerbevereins, sagte, dass man sich an den gesellschaftlichen Wandel anpassen müsse. Nur wenige Firmen hätten eigene Angebote. Die meisten Gewerbe im Thurgau seien dafür zu klein. Peter Maag Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, kritisierte, dass die Anforderungen und bürokratischen Hürden für solche Angebote nicht zu hoch gesetzt werden dürfen, da dann wieder die Kosten steigen. Regierungsrat Jakob Stark wies daraufhin, dass hier die Vorgaben aus Bern kämen. Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes, sagte, dass auch die bäuerliche Familie sich verändere. Es gebe immer mehr Nebenerwerbsbetriebe. Häufig hätten Bäuerinnen eine pädagogische Ausbildung, die sie nun nutzen könnten. Bauernhöfe seien ideal für Kinderbetreuung geeignet.

Dem Schulterschluss von Kanton, Gemeinden, Gewerbe, Bauern und Industrie liegt eine Erhebung über das Angebot im Thurgau zugrunde. Projektleiterin Anna Hecken stellte die Ergebnisse einer Umfrage unter allen 80 Thurgauer Gemeinden vor. Im Gegensatz zur Vorgängerstudie hätten diesmal alle Gemeinden ihre Fragebögen zurückgeschickt, so dass ein aussagekräftiges Ergebnis vorliege.

Pragmatismus auf dem Land

Demnach haben 53 Gemeinden im Thurgau institutionalisierte Angebote für die familienergänzende Kinderbetreuung. 13 Gemeinden verfügen über keine solche Einrichtungen. 10 Gemeinden haben vertragliche Abmachungen mit Nachbargemeinden. Kleine Gemeinden hätten ausserdem angegeben, dass die nachbarschaftliche Kinderbetreuung gut funktioniere. Gerade in ländlichen Gemeinden würde der Betreuungsbedarf im Dorf sehr pragmatisch gelöst, so Anna Hecken. Seit der Erhebung seien etwa in Roggwil weitere Angebote hinzugekommen, ergänzt sie.

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