Per Du mit dem Stadtpräsidenten

Orte in Frauenfeld, die dem Normalbürger sonst verborgen sind, standen den Interessierten am Samstag offen – zum Beispiel der Rathausturm. Ihm galt das grösste Interesse. Wer ihn besteigt, muss allerdings drei Regeln einhalten.

Aylin Erol
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Der grosse Bürgersaal brachte die Besucher zum Staunen. (Bild: Andrea Stalder)

Der grosse Bürgersaal brachte die Besucher zum Staunen. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Am Samstag durften vier Gruppen mit je 25 Neugierigen hinter die Kulissen des Frauenfelder Rathauses sehen. Höhepunkt der 40minütigen Führung war der Rathausturm, welchen von innen sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt. Der von der Junior Chamber International Frauenfeld (JCI) organisierte Event Frauenfelds Geheimnisse öffnete jedoch die Türen. Zusammen mit Stadtpräsident Andres Stockholm ging es hoch hinaus.

Ein Labyrinth

«Die Häuser Alte Sonne, Gambrinus und der Saalbau sind dank der grossen Restaurierung aller Gebäude 1983 miteinander verbunden worden», erklärt Andrea Hofmann, Mitglied der Schulbehörde. Sie führte die Besucher durch den Wohnkomplex. Vom Haupteingang des Rathauses ging es die grosse Treppe hoch, um eine Windung, wieder eine Treppe hinunter, um noch eine Ecke, bis die Gruppe im überdachten Innenhof des Rathauses angelangt war. «Man kann sich hier leicht verirren», muss auch Andrea Hofmann zugeben.

Durch den noch heute gepflasterten Innenhof der «Sonne» führte ursprünglich eine Strasse. Vor der Restaurierung war der Innenhof dem Zerfall nah, genauso wie ein Grossteil des gesamten Wohnkomplexes des heutigen Rathauses. Weiter ging die Führung in den Sitzungsraum, welcher einst die Wohnung einer Lehrerfamilie war.

Prunkvoller Raum

Den letzten und wohl auch prunkvollsten Raum betraten die Besucher zum Schluss von Andrea Hofmanns Führung. Der Bürgersaal mit seiner hohen Decke, dem schweren Kronleuchter und den goldenen Ornamenten an den Wänden liess dem einen oder anderen den Mund weit offen stehen. «Hier drin finden die Gemeinderatssitzungen statt», sagt Andrea Hofmann.

Vogelperspektive

Nach der halben Stunde im Rathaus selbst stand das Highlight der Führung bevor. Stadtpräsident Andres Stockholm höchstpersönlich führte die Interessierten hoch in den Rathausturm, welcher erst seit der Restaurierung tatsächlich genutzt und möbliert ist. «1905 wurde der Turm lediglich als weltlicher Gegenpol zur imposanten katholischen Kirche erbaut», sagt Stockholm.

Im unteren Teil des Turms befinden sich Medaillen, alte Münzen, Wappen. Aber auch eine riesige Kuhglocke vom eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2010 oder eine Miniatur des Swiss-Flugzeugs «Frauenfeld» sind zu besichtigen. Über eine enge, hölzerne Wendeltreppe gelangt man in den zweiten Stock, an dessen Wänden alle Gemeinderäte Frauenfelds verewigt sind. Noch eine Treppe höher und man befindet sich im Stadtratszimmer. Dort bieten die kleinen Fenster einen herrlichen Rundumblick auf ganz Frauenfeld.

Nicht länger als 30 Minuten

«Hier auf dem Turm gibt es drei Regeln. Erstens, man darf nur mit einer Person des Stadtrats hoch. Zweitens, darf man nicht länger als 30 Minuten hier verbringen und drittens, wenn wir den Turm wieder verlassen, sind wir alle per Du», liess Stockholm verlauten und zauberte allen Besuchern ein Lächeln ins Gesicht, auch Yolanda Mathys aus Gachnang: «Die Führung hat mir sehr gefallen. Vor allem weil man etwas anschauen konnte, was man sonst nie zu Gesicht bekommt.»

Der oberste Stock des Rathausturms war der Höhepunkt der Führung. (Bild: Andrea Stalder)

Der oberste Stock des Rathausturms war der Höhepunkt der Führung. (Bild: Andrea Stalder)

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