Pensionskasse setzt Sanierung aus

Die Pensionskasse Thurgau steht auf so soliden Beinen, dass sie nächstes Jahr auf Sanierungsmassnahmen verzichtet. Ob der Kanton damit aus allen seinen Pflichten entlassen ist, bleibt aber offen.

Christof Widmer
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Die Pensionskasse Thurgau, die ihren Geschäftssitz in Kreuzlingen hat, ist fast saniert. (Archivbild: Nana do Carmo)

Die Pensionskasse Thurgau, die ihren Geschäftssitz in Kreuzlingen hat, ist fast saniert. (Archivbild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Genaue Angaben macht die Pensionskasse Thurgau zwar noch nicht. Ihr Deckungsgrad liege aber nahe 100 Prozent, sagt ihr Präsident Anders Stokholm. Diesen Wert gibt der Bund vor. Dann wäre die Pensionskasse in der Lage, allen Versicherten die einbezahlten Vorsorgebeiträge auf einen Schlag auszubezahlen. Anfang Dezember hat die Pensionskassenkommission, also der Verwaltungsrat, beschlossen, die seit letztem Jahr laufenden Sanierungsmassnahmen im Jahr 2016 auszusetzen.

Im Zuge dieser Massnahmen hat der Kanton 2014 und 2015 insgesamt 28 Millionen Franken in die Pensionskasse eingeschossen. Die Versicherten leisteten in dieser Zeit einen Sonderbeitrag von 22 Millionen Franken, indem ihr einbezahltes Kapital tiefer verzinst wurde. Damit sind die vom Grossen Rat beschlossenen Minimalbeiträge von Kanton und Arbeitnehmern an die Sanierung geleistet. Das Parlament hatte beschlossen, dass der Kanton zwischen 28 und 56 Millionen Franken zur Sanierung beitragen soll. Die Arbeitnehmer sollen mit einem Beitrag zwischen 22 und 44 Millionen Franken beteiligt werden. Zumindest 2016 wolle die Pensionskasse auf weitere Gelder aus dieser Quelle verzichten, sagt Stokholm.

Jetzt wird das Darlehen fällig

Allerdings dürfte die Pensionskasse einen weiteren Sanierungsmechanismus aktivieren, den der Grosse Rat beschlossen hat. Dabei geht es um weitere 50 Millionen Franken des Kantons. Diese sollen aber nicht à fonds perdu ausbezahlt werden, sondern als Arbeitgeberbeitragsreserve mit Verwendungsverzicht. Dabei handelt es sich faktisch um ein zinsloses Darlehen. Wenn der Deckungsgrad 105 Prozent beträgt, könnte der Kanton daraus seine ordentlichen Arbeitgeberbeiträge bezahlen. Bis dahin kann die Pensionskasse die 50 Millionen aber ihrem Kapital zurechnen, was den Deckungsgrad erhöhen würde.

Finanzdirektor Jakob Stark geht davon aus, dass mit dem 50-Millionen-Franken-Darlehen der Deckungsgrad 100 Prozent leicht übersteigen dürfte. Für ihn ist das Vorgehen der Pensionskasse nachvollziehbar, die Sanierungsmassnahmen einstweilen nur auszusetzen statt gleich ganz zu beenden. Sollte der Deckungsgrad 2016 oder später aus irgendwelchen Gründen wieder unter 100 Prozent fallen, könnte die Pensionskasse die ausgesetzten Sanierungsmassnahmen wieder in Kraft setzen. Dann stünden ihr die zweite Hälfte der vom Grossen Rat zur Verfügung gestellten 56 Millionen Franken offen. Und die Versicherten müssten gleichzeitig die zweite Hälfte der festgelegten 44 Millionen Franken als Sanierungsbeitrag leisten.

Stark zufrieden mit Sanierung

Als Finanzdirektor hofft Stark aber, dass das nicht mehr nötig sein wird. «Ich bin zufrieden, dass es gelungen ist, einen Deckungsgrad von gegen 100 Prozent zu erreichen», sagt Stark. 2012 hatte der Deckungsgrad nur 86 Prozent betragen, womit klar geworden war, dass die Pensionskasse ein Sanierungsfall ist. Ende 2014 betrug der Deckungsgrad bereits 99,7 Prozent.

Massgeblich verantwortlich für die rasche Gesundung waren die Renditen der Kapitalanlagen der Pensionskasse. Eigentlich war Anfang letztes Jahr erwartet worden, dass sie dieses Jahr den vollen Deckungsgrad erreicht. Der Frankenschock wirkte sich laut Stokholm aber auch auf die Pensionskasse aus. Sie habe die Turbulenzen nach dem 15. Januar zu spüren bekommen. «Die Auswirkungen waren aber nicht allzu gravierend.»

Ziel ist ein Deckungsgrad von 115 Prozent. Um das zu erreichen, senkt die Pensionskasse den Umwandlungssatz, der definiert, wie hoch die Renten aus dem angesparten Kapital sind. Zudem erhöht sie die Sparbeiträge, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber einbezahlen.

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