Pegida-Vorstandsmitglied klagt an: Wohnung wegen Mitgliedschaft gekündigt

ESCHENZ. Michael Boll muss Ende Oktober seine 1,5-Zimmer-Wohnung in Eschenz nach nur fünf Monaten wieder verlassen. Kürzlich erhielt er die Kündigung von seinem Vermieter.

Samuel Koch
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Das Kündigungsschreiben mit der Begründung, welches Pegida-Vorstandsmitglied Michael Boll als Grund für eine Verschwörung sieht. (Bild: pd)

Das Kündigungsschreiben mit der Begründung, welches Pegida-Vorstandsmitglied Michael Boll als Grund für eine Verschwörung sieht. (Bild: pd)

ESCHENZ. Michael Boll muss Ende Oktober seine 1,5-Zimmer-Wohnung in Eschenz nach nur fünf Monaten wieder verlassen. Kürzlich erhielt er die Kündigung von seinem Vermieter. Das sorgt für Gesprächsstoff, denn Boll ist Vorstandsmitglied der islamfeindlichen Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes).

Diese kolportiert auf ihrer Internetseite «Europanews.ch» nicht nur, dass in Eschenz der Antrag zu einer Pegida-Demonstration kein Gehör fand, sondern auch, dass Boll wegen seiner Mitgliedschaft bei der Pegida Schweiz die Kündigung erhalten haben soll. Dies, obwohl der Vermieter die übliche Kündigungsfrist von drei Monaten eingehalten hat. Für Mike Spielmann, Betreiber von «Europanews.ch» und Präsident von Pegida Schweiz, «geht das zu weit».

Pegida wittert Verschwörung

«Nichteinhalten der Hausordnung» steht schliesslich auf der Kündigung, die Michael Boll erhalten hat. Direkt darunter wurde mit Tippex etwas unlesbar gemacht. «Zwar erkenne ich nicht alles», meint Boll. Aber die ersten zwei Wörter seien sicher «Aktivität bei». Er vermutet ausserdem, dass die Gemeinde dem Vermieter einen Hinweis gab, dass sich Boll in Pegida-Kreisen aufhält, woraufhin ihm die Kündigung ins Haus flatterte. Die Pegida wittert jetzt eine Verschwörung, zumal Claus Ullmann der Leiter der Schlichtungsstelle und gleichzeitig der Gemeindepräsident in Eschenz ist. Ullmann habe die Anfrage zur Pegida-Demo grundlos abgelehnt. «Er sagte mir gegenüber, dass es nicht sein könne, dass ein Extremist in seinem Haus wohne», meint Boll. Das sei dasselbe, wie wenn jemand einem Afrikaner wegen dessen Hauptfarbe die Wohnung kündige.

Rauchende Köpfe

Der Vermieter entschärft mit deutlichem Nachdruck: «Ich habe nie aufgeschrieben, dass ich meinem Untermieter wegen einer Mitgliedschaft bei der Pegida die Wohnung gekündigt habe.» Der Hauptgrund sei, dass Boll in seiner Wohnung rauche, obwohl sie diesbezüglich etwas anderes abgemacht hätten. «Ich hatte weder ein Problem mit ihm als Person noch mit seiner persönlichen Einstellung», meint der Vermieter. Er werde die Kündigung gegen Boll infolgedessen nicht zurückziehen und sich für Sauberkeit in seiner Wohnung einsetzen. Mittlerweile sagt der Vermieter: «Mein Sohn wird in die Wohnung ziehen, sobald diese Anfang November leer steht.»

Gemäss dem Mieterverband Ostschweiz wird der Eigenbedarf oftmals von Vermietern angegeben, die ihren Mietern kündigen wollen, ohne eine Begründung nachliefern zu müssen. Laut dem Mieterverband Ostschweiz kommt es aber selten vor, dass Mietern gekündigt wird. Viel eher würden Mieter kündigen. Weil im Fall Boll der Vermieter den Grund aber genannt hat, bleibe Boll nur noch der Gang vor die Schlichtungsstelle.

Schlichtungsstelle entscheidet

Diesen Schritt hat Boll unternommen. Er hat kürzlich sämtliche Unterlagen bei der Schlichtungsstelle in Eschenz eingereicht und wird den Fall, wenn nötig, ans Bezirksgericht weiterziehen. «Ich bin sicher, dass mir gekündigt wurde, weil ich bei der Pegida bin», sagt er. Die Mieterschlichtungsstelle in Eschenz wird sich in den kommenden Wochen mit dem Fall beschäftigen müssen. «Mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen», bestätigt Claus Ullmann auf Anfrage.

Die Pegida Schweiz unterstützt Boll, wie Mike Spielmann mitteilt. «Sollte die Kündigung nicht zurückgezogen werden, überlegen wir uns, Demonstrationen in Eschenz ohne Bewilligung durchzuführen.»