Paukenschlag in Frauenfeld: US-Riese übernimmt grösstes Hip-Hop-Festival Europas

Der Unterhaltungskonzern Live Nation erkauft sich die Aktienmehrheit der Frauenfelder First Event AG um Präsident Wolfgang Sahli. Damit soll das Open Air Frauenfeld für die Zukunft gewappnet werden, auch weil der Aufwand in Sachen Sicherheit und Umweltschutz stetig steigt.

Samuel Koch
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Ein Blick auf die Skyline-Stage während es Open Airs 2017. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ein Blick auf die Skyline-Stage während es Open Airs 2017. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Lange vage, seit gestern unumstösslich: So lässt sich die Lage der Verhandlungen zwischen Veranstalter des Open Airs Frauenfeld, der First Event AG, und dem Schweizer Ableger des amerikanischen Unterhaltungskrösus Live Nation beschreiben. Letztere übernimmt ab sofort die Mehrheit des Aktienpakets der First Event AG, womit Live Nation volle Entscheidungskontrolle erhält. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Live Nation ist ein Riese in der weltweiten Festivallandschaft. Das Unternehmen ist in 40 Ländern tätig und hat vergangenes Jahr gemäss eigenen Angaben Live-Veranstaltungen mit 550 Millionen Zuschauern durchgeführt. Der US-Konzern hat Exklusivverträge mit Stars wie Madonna, Jay-Z oder U2 und organisiert deren Tourneen. Mit über 90 internationalen Festivals wie Download und Lollapalooza in Europa, dem Splendour Festival in Australien oder Bonnaroo in den USA besitzt Live Nation das weltweit grösste Festivalportfolio.

«Wir sind ausserordentlich stolz auf die Partnerschaft mit dem Open Air Frauenfeld und freuen uns, unserem Portfolio eines der weltbesten Festivals hinzuzufügen», erklärt Andre Lieberberg von Live Nation. Die Verbindung biete Partnern eine einzigartige Plattform in der Schweiz und dem deutschsprachigen Markt, weshalb Live Nation positiv in die Zukunft blickt. «Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der First Event AG, die Weiterentwicklung dieser besonderen Festivalmarke sowie die Möglichkeit, Tausenden von Fans ein unvergessliches Erlebnis zu bieten», meint Lieberberg.

Wie Phönix aus der Asche nach zweimaligem Scheitern

Die bisherigen Organisatoren des Open Airs Frauenfeld um Verwaltungsrats- präsident Wolfgang Sahli übernahmen das Festival 2004, nachdem Formate wie das «Out in the Green» oder das «Ministry of Rock» trotz Auftritten unter anderem von David Bowie oder The Rolling Stones gescheitert waren. Mit neuem Design und Konzept führte es Sahli zusammen mit Geschäftsführer René Götz und den restlichen OK-Mitgliedern erfolgreich in eine andere Richtung, womit sich das «Frauenfelder» als grösstes Hip-Hop-Festival Europas etablierte.

Zur neuen Partnerschaft mit Live Nation will sich Wolfgang Sahli nicht äussern. Er lässt schriftlich verlauten: «In Live Nation haben wir einen starken und innovativen Partner gefunden, mit dem das Open Air Frauenfeld weiterwachsen und sich entfalten wird.» Gegenüber der «Sonntags-Zeitung» wird Sahli konkret: «Der Aufwand in Sachen Sicherheit und Umweltschutz nimmt für die Veranstalter ständig zu.» Deshalb erwartet er in den kommenden Jahren grosse Veränderungen in der Schweizer Konzertlandschaft, was eine starke Partnerschaft notwendig mache. Sahli geht noch einen Schritt weiter und meint: «Es werden sicher nicht alle Festivals in der Schweiz überleben.» Gerade im Buhlen um bekannte Bands und Künstler bringe die Zusammenarbeit mit Live Nation grosse Vorteile. Dank des Netzwerks von Live Nation werde es in Zukunft einfacher, an grosse Stars heranzukommen. Während des diesjährigen Festivals kritisierten einige Hip-Hop-Fans das Line-up als zu wenig attraktiv.

«Umsetzung bleibt gleich wie bisher»

Obwohl Live Nation neu die Aktienmehrheit trägt, bleibt das Festival-OK für das kommende Jahr dasselbe wie heuer. «Die Umsetzung bleibt gleich, wie werden Live Nation als Unterstützung einbeziehen», sagt Joachim Bodmer, Medienchef des Open Airs Frauenfeld. Welche Früchte die neue Zusammenarbeit auf der Allmend tragen wird, kann Bodmer noch nicht sagen. «Über Details zu informieren, ist noch zu früh», sagt er, der sich auf Anfrage eventuell eine zweite Veranstaltung vorstellen könnte. Klar sei, dass die Kapazitätsgrenze für das Open Air Frauenfeld am jetzigen Standort erreicht sei, auch punkto Sicherheit und Bodenbelastung. Ebenso klar ist, dass auch 2018 wieder ein Open Air auf der Allmend über die Bühne gehen wird, vom 5. bis 7. Juli 2018. Das ­Line-up dafür dürfte etwa im Januar bekannt werden. 

Die Besucher am Open Air Frauenfeld

Das diesjährige Open Air Frauenfeld ist erst wenige Stunden alt und doch ist die Grosse Allmend in Frauenfeld schon voller Anhänger des Sprechgesangs. Klicken Sie sich durch unsere Besuchergalerie.