Patienten lernen, mit Krebs zu leben

FRAUENFELD. Fast 40 000 Menschen erkranken in der Schweiz jährlich neu an Krebs. Mit einem neuen Kurs wollen die Thurgauer Kantonsspitäler den Patienten und ihren Angehörigen helfen, mit der Krankheit umzugehen.

Barbara Hettich
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Kursleiterin Fabienne Walder (r.) und Referentin Regina Woelky bereiten die Veranstaltungsreihe vor. (Bild: pd)

Kursleiterin Fabienne Walder (r.) und Referentin Regina Woelky bereiten die Veranstaltungsreihe vor. (Bild: pd)

Wer die Diagnose Krebs bekommt, steht erst einmal unter Schock. Trotzdem müssen Betroffene in der ersten Phase der Krankheit schon wichtige Entscheide fällen, sagt Christine Widmer, Leiterin Aus-, Fort- und Weiterbildung am Kantonsspital Frauenfeld. Viele Patienten und ihre Angehörigen seien damit überfordert. Man wisse aus Studien, dass sie zu Beginn der Krankheit sehr viel Zeit im Internet verbringen, sich Informationen zusammensuchen, um besser zu verstehen, was in ihrem Körper vor sich geht und was ihnen bevorstehen könnte.

Der heutige Patient möchte mitbestimmen, möchte gut informiert werden, habe viele Fragen zu den verschiedensten Therapien. «Wenn das Thema Krebs plötzlich lebensbestimmend wird, so ist der Hunger nach Austausch und Information so gross, dass immer zu wenig Zeit bleibt», so das Zitat einer Betroffenen. Aus diesem Grund bietet ab Januar 2016 das Kantonsspital Frauenfeld in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Münsterlingen das Informations- und Unterstützungsangebot «Lernen mit Krebs zu leben» an.

Das Angebot wurde gemeinsam mit Tumorpatienten in Schweden entwickelt und hat sich an vielen Spitälern bereits etabliert. «Beim Krebs sprechen wir nicht von Geheilten, sondern von Überlebenden», erklärt Christine Widmer, warum Tumor-Patienten mit dem Krebs leben lernen müssten.

Kreativ mit Krankheit umgehen

Im Kursangebot werden die verschiedensten Themen zur Sprache kommen, beginnend mit dem Referat der leitenden Ärztin Onkologie, Regina Woelky, über den menschlichen Körper und wie ein Krebs entsteht. Weitere Fachvorträge über Diagnostik, Radio- und medikamentöse Therapie, über aktuelle Forschung und über ergänzende Methoden und die richtige Ernährung folgen. Im Kurs wird es aber auch darum gehen, wie man sich körperlich und geistig entspannen kann, wie man über Krebs sprechen und mit dieser Krankheit kreativ umgehen kann.

Zahl der Patienten wird grösser

Die Kursleitung hat die Pflegefachfrau HF und Berufsbildnerin Fabienne Walder vom Kantonsspital Frauenfeld. «Referate sind der eine Teil des Kurses, ein anderer und ebenso wichtiger Teil ist der Austausch unter den Patienten und unter den Angehörigen», sagt sie. Insbesondere die Ernährung würde oft zu Missstimmungen zwischen Angehörigen und Tumor-Patienten führen, weiss sie. «Ein gut aufgeklärter und selbstbestimmender Patient – das ist für mich zukunftsweisend», erklärt Fabienne Walder ihr Engagement als Kursleiterin. Insbesondere im Hinblick darauf, dass es aufgrund der demographischen Entwicklung in 20 Jahren noch zweieinhalb mal mehr Krebs-Patienten als heute geben dürfte.

Der Kurs «Lernen mit Krebs zu leben» beginnt am 12. Januar und findet über neun Dienstagabende statt. Anmeldung erforderlich. Informationen: www.stgag.ch

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