Patienten erhalten üble Botschaft

Das Herzzentrum Bodensee in Konstanz soll 47 Herzklappen ohne Zertifizierung verwendet haben. Sie wurden aus Tschechien direkt nach Deutschland eingeführt. Die Staatsanwaltschaft kontaktiert nun alle betroffenen Patienten.

Ralf Rüthemann
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Martin Costa Delegierter des Verwaltungsrates des Herz-Neuro-Zentrums (Archivbild: Nana do Carmo)

Martin Costa Delegierter des Verwaltungsrates des Herz-Neuro-Zentrums (Archivbild: Nana do Carmo)

KONSTANZ/KREUZLINGEN. «Es steht fest, dass die Herzklappen keine gültige Zertifizierung hatten», sagt Christoph Hettenbach, Sprecher der Konstanzer Staatsanwaltschaft. Die Details zum Fall seien aber noch weitgehend unklar. Fest steht jedoch auch, dass die Herzklappen direkt aus der tschechischen Hauptstadt Prag nach Deutschland eingeführt wurden und nicht einen Umweg über die Partnerklinik in Kreuzlingen gemacht haben.

Qualität wird nicht bemängelt

Die Qualität der Herzklappen entspricht sowohl den schweizerischen als auch den deutschen Anforderungen. «Das werden wir im Ermittlungsverfahren nachweisen können», sagt Martin Costa, Delegierter des Verwaltungsrates der Herz-Neuro-Zentrum Bodensee AG. Die Herzklappen seien durch das schweizerische Bundesamt für Gesundheit zur Verwendung in der Schweiz zugelassen. Deshalb sei jede Mangelhaftigkeit ausgeschlossen. Die Zertifizierung muss von der erforderlichen Qualität der Herzklappen unterschieden werden.

Momentan werden alle betroffenen Patienten informiert. So auch der 26jährige Sebastian Schmidts aus Rodgau bei Frankfurt, wie der «Südkurier» berichtete. Er ist vermutlich einer der betroffenen Patienten. Die Kriminalpolizei Offenbach habe bei ihm an der Tür geklingelt und die Botschaft überbracht. Schmidts war 2011 in Konstanz Patient. Die Negativschlagzeilen über die Herzklinik am Bodensee haben ihn schockiert. «Das Team hat mir das Leben gerettet», sagt er überzeugt von der medizinischen Arbeit der Klinik. Mit seiner neuen Herzklappe habe Schmidts keinerlei Probleme.

«Widerlegen oder bestätigen»

SP-Kantonsrätin Barbara Kern aus Kreuzlingen, die selbst auch im medizinischen Bereich tätig war, ist schockiert über die Vorwürfe. «Bei diesen Nachrichten ist man schon ziemlich perplex. Das muss unbedingt alles aufgeklärt werden.» Solche Vorwürfe nagen laut Barbara Kern an der Existenz der Klinik. «Entweder müssen diese Vorwürfe bald widerlegt oder bestätigt werden. Sonst steht es schlecht um das Herzzentrum.»

Bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, dürfte es noch lange dauern, wie Christoph Hettenbach von der Konstanzer Staatsanwaltschaft mitteilt. «Die Polizei hat momentan mit internen Reformen zu kämpfen, weshalb sich die Ermittlungen wohl in die Länge ziehen werden.» Es stehen noch weitere schwerwiegende Vorwürfe im Raum. So der Vorwurf, dass das Herzzentrum Bodensee Ärzte ohne gültige Approbation beschäftigt haben soll. Weiter wird der Klinik vorgeworfen, Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland vorenthalten zu haben. Die Klinikverantwortlichen wehren alle Vorwürfe klar ab. Wer all diese Vorwürfe gemacht hat, ist bis anhin nicht bekannt.

Vor etwa zwei Wochen musste Michael Pieper als einer der beiden Chefärzte der Kardiologie das Kreuzlinger Herzzentrum verlassen. Über die genauen Gründe der Trennung kann nur spekuliert werden. Ob ein Zusammenhang mit den schwerwiegenden Vorwürfen an das Herzzentrum Bodensee besteht, ist nicht bekannt.

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