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«Patient Wärme AG hat Fieber»

Er bereue es nicht, das Verwaltungsrats-Präsidium der Wärme Frauenfeld AG übernommen zu haben, sagt Urs Manser. Gleichwohl brachte ihm das Ja des Gemeinderats zum Fünf-Millionen-Franken-Rettungsring für die AG Erleichterung.
Mathias Frei
Urs Manser, Verwaltungsratspräsident der Wärme Frauenfeld AG, im Gespräch. (Bild: Reto Martin)

Urs Manser, Verwaltungsratspräsident der Wärme Frauenfeld AG, im Gespräch. (Bild: Reto Martin)

Herr Manser, sassen Sie kürzlich an der Gemeinderatssitzung als Besucher auf der Galerie?

Urs Manser: Ja. Zusammen mit einem Teil des Verwaltungsrats der Wärme Frauenfeld AG. Wir hörten den politischen Diskussionen gespannt zu.

Mit einem für Sie glücklichen Ende.

Manser: Ich war erleichtert, weil das Abstimmungsresultat klar zugunsten der stadträtlichen Botschaft ausgefallen war. Und es ist eine Last von mir gefallen.

Das Ja zum Fünf-Millionen-Franken-Kredit kam nur mit viel Zähneknirschen zustande.

Manser: Wir sind mit der WFAG in eine finanziell sehr unangenehme Situation geraten. Zur Sanierung benötigen wir vom Gemeinderat und dann vom Frauenfelder Stimmvolk den Fünf-Millionen-Franken-Kredit. Bei einer so hohen Summe ist es verständlich, dass das Geschäft nicht einfach durchgewinkt wird im Gemeinderat. Jedoch wurde ich den Eindruck nicht los, dass vor allem gegen Ende der Sitzung einzelne Ratsmitglieder «auf Teufel komm raus» die WFAG eliminieren wollten. Das war ein gefährliches Spiel. Denn letztlich sollte es um die Rettung des Wärmerings gehen.

Inwiefern können Sie die Kritik nachvollziehen, welche die WFAG schon länger einstecken muss?

Manser: Wenn es um Vergangenheitsbewältigung geht, habe ich durchaus Verständnis für die Kritik aus dem Gemeinderat. Geht es um die Sanierung der AG und die Zukunft des Wärmerings, habe ich ein gewisses Verständnis. Denn man darf anderer Meinung sein. Mühe habe ich aber, wenn die Kritik nur noch darauf abzielt, das Modell des Verwaltungsrats abzulehnen.

Die Gemeinderäte Peter Hausammann und Stefan Geiges forderten, nebst der vom Stadt- und Verwaltungsrat präferierten Lösung weitere Rettungsvarianten abzuklären.

Manser: Wir haben im Verwaltungsrat verschiedenste Strategien analysiert. Und wir kamen zum Schluss, dass die präsentierte Lösung die beste ist. Nicht weil wir an der AG kleben. Aber die AG braucht es im Sinne eines gemeinsamen Interesses. Wir schaffen nun sogar mehr Transparenz, als sie in einem reinem Vertragsverhältnis möglich ist.

Apropos Transparenz: Im Gemeinderat war von Zugeständnissen seitens VR zu hören. Welche Massnahmen sind beschlossen?

Manser: Wir haben im VR den Beschluss gefasst, dass wir dem Gemeinderat über die Geschäftsprüfungskommission Bau, Werke, Anlagen volles Einsichtsrecht in sämtliche Dokumente gewähren. Das heisst: in Zahlen, Bilanzen, VR- und Strategieprotokolle. Die Spielregeln für dieses Einsichtsrecht haben wir noch nicht im Detail ausgearbeitet. Weil wir aber das Bewusstsein für die Unterstützung des Gemeinderats haben, wollen wir diese Spielregeln nicht mit Einschränkungen belegen.

Im Grundsatz sind alle Fraktionen von der zukunftsträchtigen Technologie der Fernwärme überzeugt. Ein kleiner Lichtblick für Sie?

Manser: Das ist ein grosser Lichtblick und zugleich auch eine Bestätigung für mich. Denn in den vielen mit Politikern geführten Gesprächen, etwa bei der Wärmering-Besichtigung des Gemeinderats vergangenen Sommer, zeigten sich die meisten von dieser Wärmetechnologie angetan.

Wurden bei der Gründung der WFAG Fehler gemacht?

Manser: Es steht mir nicht zu, über Abläufe vor meinem Antritt als VR-Präsident im Jahr 2015 zu urteilen. Meine Aufgabe besteht darin, für eine sichere Zukunft des Wärmerings zu sorgen.

Hätten Sie bei der Übernahme des Präsidiums Gegensteuer geben können, um mit den Kritikern einen einvernehmlichen Weg zu finden?

Manser: Mangelnde Transparenz ist von den Kritikern ja immer wieder angeführt worden. Aber da ist es vom Grundsatz her so, dass man der Vertraulichkeit und Geheimhaltung verpflichtet ist. Ob man das wahrhaben will oder nicht. Zeitgleich zu meinem Amtsantritt als VR-Präsident wurde eine Motionsantwort des Stadtrats publik, nämlich der Bericht zur WFAG. Der Bericht umfasste die Aufarbeitung des Geschehenen. Dies ist Sache der politischen Gremien und nicht des VR-Präsidenten. Im politischen Diskurs habe ich als VR-Präsident nichts verloren.

Im Gemeinderat war zu hören, dass die Nicht-Kommunikation dem fehlenden Einverständnis des Stadtwerks Winterthur geschuldet war. Winterthur habe eine kommunale Abstimmung um einen 70-Millionen-Kredit zu Energie-Contracting im vergangenen Sommer nicht gefährden wollen durch WFAG-Negativschlagzeilen.

Manser: Wenn man im gleichen Boot sitzt, sprich: Aktionär ist, nimmt man aufeinander Rücksicht. Wir wollten damals nicht mit Informationen an die Öffentlichkeit treten, welche die Winterthurer Abstimmung unter Umständen hätten gefährden können.

Die jüngste Kritik seitens Hausammann und Geiges thematisiert, dass mit dem Kredit Gebührengelder zweckentfremdet werden.

Manser: Der VR hat die Meinung der beiden Gemeinderäte zur Kenntnis genommen. Grundsätzlich ist das ein Thema der Werkbetriebe und damit des Stadtrats. Was ich aber sagen kann, ist, dass die Werkbetriebe in dieser Sache Abklärungen eingeleitet haben.

Haben Sie es nie bereut, das VR-Präsidium der WFAG übernommen zu haben?

Manser: Nein, ich arbeite mit Freude und viel Herzblut für den Wärmering, weil das Projekt ökologisch sinnvoll und über Generationen angelegt ist, weil eine Sinngebung da ist.

Sie bieten als Unternehmensberater einen KMU-Fitness-Check an. Wie würden Sie den ausgefüllten Fragebogen der WFAG beurteilen?

Manser: Würde man der WFAG das Fieber messen, müsste man mehr als nur ein wenig Temperatur feststellen. Dem VR würde man empfehlen, Massnahmen in Angriff zu nehmen, die nicht nur das Fieber senken, sondern den Patient nachhaltig gesunden lassen.

Fieber ist nur ein Symptom für eine nachgelagerte Krankheit.

Manser: Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass der Wärmering zwar zu drei Vierteln fertiggestellt ist. Aber wir konnten erst einen Drittel der Anschlüsse realisieren, die es eigentlich braucht. Das ist einer der wesentlichen Gründe für die schlechte Liquidität.

Hätte der VR das Aktienkapital erhöhen müssen?

Manser: Schon vor meinem Amtsantritt hat der VR erkannt, dass die liquiden Mittel knapp werden. Eine Kapitalerhöhung ist eine der Möglichkeiten, um dem Unternehmen neue Mittel zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen der politischen Prozesse der drei Teilhaber ist es nicht ganz einfach, zu neuem Kapital zu kommen.

Ist die nun vom Gemeinderat verabschiedete Lösung am besten für den Wärmering oder für die WFAG?

Manser: Die verabschiedete Lösung dient der Sache, also dem Wärmering. Und dann dient sie der Stadt respektive den Steuerzahlern, weil die Stadt auf diese Weise das investierte Kapital refinanzieren kann.

Bis zum Ja des Frauenfelder Stimmvolks ist es noch ein weiter Weg.

Manser: Auch hier gilt: Die WFAG darf sich nicht in eine Abstimmung einmischen, die der Stadtrat aufgegleist hat. Wichtig ist bei einer so komplexen Vorlage aber, dass der Stimmbürger möglichst gut informiert wird. Der VR hat deshalb beschlossen, dass es unter dem Lead der Werkbetriebe Tage der offenen Türen beim Wärmering geben soll. Damit die Stimmbürger die Anlagen vor Ort besichtigen können und man sieht, dass die fünf Millionen nicht die Murg hinuntergespült werden. Im Gegenteil: Die WFAG erzielt Erträge, aber halt nicht so viel wie geplant.

Reichen fünf Millionen Franken?

Manser: Wesentlich ist, dass ein Ausbau des Wärmerings über die Werkbetriebe budgetiert wird. Über den Gemeinderat hat das Stimmvolk so die Hand drauf.

Was passiert bei einem Nein mit der WFAG?

Manser: Wenn das Stimmvolk Nein sagt, bleibt der Weg zur kostengünstigsten und chancenreichsten Sanierungslösung versperrt. Der VR hat verschiedene Szenarien geprüft. Aber es zeichnet sich keine andere machbare Lösung ab. Bei einem Nein ist das Konkursrisiko hoch. Es würden sich Fragen stellen wie: Wer übernimmt die Anlagen? Zu welchem Wert? Der Schaden wäre höher als der Fünf-Millionen-Abstimmungskredit.

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